Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Neubau des Grenzübergangs in Schmilka

Wie schon in den Zeitungen zu lesen war, ist ein Neubau der Grenzübergangsstelle in Schmilka geplant. Das hat eine längere, teils erfreuliche Vorgeschichte: Bekanntlich treffen sich Naturschutz-, Touristik- und Bergsportverbände seit mindestens fünf Jahren regelmäßig mit der Nationalparkverwaltung zu einer Informationsveranstaltung über aktuelle Probleme wie Bauvorhaben, Verkehr, Fragen der Zusammenarbeit usw. Am 16.4.1997 fand dieses Treffen in einem etwas erweiterten Kreis statt, um unter anderem über den geplanten Neubau des Grenzüberganges zu informieren. Das Ergebnis ist mir aus mehreren Gründen in angenehmer Erinnerung:

Zum einen wurden hier die Verbände nicht erst informiert, nachdem alles schon de facto beschlossen war, sondern man fragte sie in einer sehr frühen Planungsphase unaufgefordert nach ihrer Meinung. Allein das ist (leider) schon fast sensationell.

Zum zweiten hatte sich das beauftragte Architektenbüro Pfau und Partner Gedanken um eine landschaftsangepaßte und ortstypische Gestaltung gemacht. Auch das ist leider eine Seltenheit - man denke an das Elbschlößchen in Rathen oder gar die geplanten Vorhaben wie Golfplatz Thürmsdorf, Hotel Gohrisch, Kurklinik Ostrau und Jagdschlößchen Bielatal! Oft bekommt man von den Bauplänen maximal den Grundriß zu sehen sowie einige Zahlenangaben. Im Fall des Grenzüberganges zeigte man uns nun nicht nur eine Frontalansicht, sondern sogar Fotomontagen der beiden diskutierten Varianten. Angesichts vorgegebener Auflagen fanden wir die Gestaltung akzeptabel.

Zum dritten überlegten die Planer von vornherein, was mit den Gebäuden im Falle eines EU-Beitritts von Tschechien passieren soll (das war damals bei weitem noch nicht so absehbar wie heute). In diesem Fall könnte das die Straße überspannende Gebäude zur Gaststätte oder sogar zur Jugendherberge umfunktioniert werden. Notwendig war der Neubau trotzdem, daran zweifelte wohl keiner.

Ich besinne mich, daß es keine Einwände seitens der Verbände gab, obwohl es sich um ein schwieriges Unterfangen handelt. So ist möglicher Steinschlag zu beachten, die Durchfahrtshöhe muß mindestens 5.50 m betragen, und der Antransport der Baumaterialien wird nicht einfach - man überlegte schon, ob dies per Schiff zu bewältigen sei.

Man hoffte damals auf einen Baubeginn im Jahr 1998 oder 1999. Allerdings ist Bauen ohne finanzielle Mittel bekanntermaßen recht schwierig, und so verzögerte sich der Start immer wieder. Auch in diesem Frühjahr gab es noch Schwierigkeiten. Denn selbst wenn das Geld da ist, kann man schlecht beginnen, wenn die B172 in Bad Schandau ebenfalls gerade ausgebaut wird und sich die Bautransporter dann in der Stadt stauen. Deswegen protestierte die Kommune Bad Schandau, allerdings auch aus anderen Gründen. Zum einen befürchtet man in Bad Schandau und Postelwitz noch mehr Durchgangsverkehr zur Grenze. Das ist sicherlich nicht unberechtigt, doch es betrifft mehr das "Ob" und nicht das "Wie" der neuen Gebäude - ich befürchte, daß das "Ob" keine Frage ist angesichts der aktuellen Zustände im Grenzraum. Zum anderen hatten die Schandauer vom Staatshochbauamt vorher weder Bauskizze noch Bauplan gesehen. Nach Einsichtnahme erstellte der Schandauer Bauausschuß eine Liste mit 17 Überprüfungsanforderungen, u.a. zur Bedachung, verwendeten Materialien, Emissionswerten und zum Ein-fügen in die Landschaft. Desweiteren ist eine Petition der Postelwitzer an die Baubehörden des Landes gerichtet worden wegen der erhöhten Verkehrsbelastung.

Es ist also doch nicht alles in Butter, obwohl Hintergründe und Berechtigung der Schandauer Klagen schwer zu überprüfen sind. Ein bißchen steht das schon im Widerspruch zum Auftreten der Bauplaner ausgerechnet den Umweltverbänden gegenüber. Hoffen wir, daß kein endloser Rechtsstreit bevorsteht und die Grenzer weiterhin unter miserablen Bedingungen arbeiten müssen.

Reinhard Wobst