Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Freiwilliges Ökologisches Jahr beim SBB

Als Folge dessen, daß ich 1987 eingeschult wurde, stellte sich spätestens im Frühjahr 1999 unaufschiebbar die Frage: Abitur - und was dann? Immerhin hatte ich die vage Vorstellung, nicht gleich mit einem Studium zu beginnen, sondern erst einmal "etwas anderes" zu machen. Das sollte eher etwas Praktisches sein, zum Erfahrungsgewinn, als Entscheidungshilfe für eine Studienrichtung und als Ausgleich für zwölf Jahre haarsträubend graue Theorie. Den Begriff Freiwilliges Ökologisches Jahr - FÖJ - kannte ich schon. Er paßte auch zu der Tatsache, daß ich zum damaligen Zeitpunkt Bestandteil eines Biologie-Leistungskurses war. Also ließ ich mir vom Arbeitsamt die Adressen der Dachträgerverbände in Sachsen mit ihren Einsatzstellen geben und schrieb einige davon an. Die Stelle beim SBB war damals noch nicht dabei, aber sie wurde mir anhand meiner Bewerbungsunterlagen empfohlen. Nach Bewerbungsgesprächen beim Paritätischen Wohlfahrtsverband - dem hier zuständigen Dachträgerverband - und dem Beauftragten des SBB für Umwelt- und Naturschutz, Dr. Peter Rölke, war der Vertrag bald unterschrieben. Nach zweimonatigem hauptberuflichem Gammeln auf dem weichen Kissen des soeben erworbenen Abiturs konnte ich am 1. September beginnen - gewissermaßen der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Damals war ich natürlich gespannt, was mich erwartet. Nach zehn Monaten "Arbeitsleben", kann ich nun berichten.

Allgemein gibt es für die FÖJ-Beschäftigten die traditionelle 40-Stunden-Woche, 26 Tage Urlaub und 720 DM monatlich, die sich aus Taschen-, Fahrt-, Unterkunfts- und Verpflegungsgeld zusammensetzen und größtenteils vom Trägerverband bezahlt werden - für frischgebackene Abiturienten, die noch zu Hause wohnen, allerhand. Darüber hinaus finden fünf einwöchige Seminare statt, wo man sich mit anderen Ökis austauschen kann und diverse Veranstaltungen stattfinden.

Was speziell meine Einsatzstelle und die 1999/2000 aktuellen Tätigkeiten angeht, kann man von einigen großen Aufgaben sprechen. Diese Schwerpunktarbeiten sind:

Darüber hinaus fallen natürlich laufend kleinere Sachen an, wie Kopieren und die Beantwortung von Briefen, gelegentliche Versammlungen oder die Belieferung von Bergsportgeschäften mit SSI-Heften. Dann sind da noch solche periodisch anfallenden Sachen wie das Verteilen von Mitteilungsblättern, die Eingabe von Artikeln für dieses Blatt oder das überaus faszinierende Falten und In-Umschläge-Stecken von tausenden Beitragsmarken, zusammen mit vielen Ehrenamtlichen. Schauplatz dieser Aktivitäten ist in der Regel die Geschäftsstelle des SBB.

Zusammenfassend kann ich sagen, dieses FÖJ zu machen, war ein guter Entschluß. Ich weiß zwar immer noch nicht, was ich studieren will, aber ich habe etwas Abstand vom "Streben" gewonnen, fürwahr etwas Neues im Leben kennengelernt, Einblicke in Arbeit und Strukturen des SBB gewonnen und mein Interesse für die Umweltarbeit des Vereins wurde geweckt. Und: der Streßfaktor bleibt gering, denn es ist ja freiwillig, und Zeit für eine Tasse Kaffee bleibt allemal..

Kristina Rohde