Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Hilfe, die Schwarzkittel kommen!

Umgepflügte Flächen im Wald sind dem Wanderer wohlbekannt - es sind die unübersehbaren Spuren, die der Klassenfeind in Wildschweinform bei seiner subversiven Wühltätigkeit hinterläßt. Im letzten Winter waren es derart viele und teils auch so große Flächen, daß häufig Fragen zu hören sind wie: Weshalb werden die Schwarzkittel so wenig bejagt? Warum dürfen wir nicht mehr diesen oder jenen Pfad betreten, während die Schweine alles umgraben?

Hier nur kurz einiges zur Erklärung: Der hohe Wild-schweinbestand hielt sich zu DDR-Zeiten unter anderem durch die vielen Kartoffel- und Maisfelder ringsum, die für die Tiere das blanke Schlaraffenland darstellten. Jetzt werden deutlich weniger Mais und Kartoffeln angebaut, was den Bestand erst einmal reduzierte. Allerdings gab es in den letzten zwei Jahren eine sehr ertragreiche Bucheckernmast (und auch der verstärkt angebaute Raps wird nicht verschmäht), wodurch die Zahl der Schwarzkittel sprunghaft nach oben stieg. Wieviele es wirklich sind, weiß offenbar keiner. Wildschweine sind intelligent, flexibel und sehr schwer zu bejagen. Nach dem, was wir bei einem Treffen der Verbände in der Nationalparkverwaltung am 10.11.99 erfuhren, gibt es keinen einfachen Weg zur Bestandsreduzierung.

Allerdings meinte z.B. der Leiter des Forstamtes Bad Schandau, Herr Grunwald, daß die Wühltätigkeit nicht so schädlich sei, wie sie aussieht, denn dadurch wird der Boden aufgelockert. Das leuchtet ein, doch zumindest ist es dem Besucher ohne große Detailkenntnis schwer zu vermitteln, wieso Gebiete wegen möglicher Trittschäden nicht begangen werden dürfen, während die Wildschweine dort in aller Ruhe alles umgraben.

Reinhard Wobst