Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

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Die Wahrung des Erbes von Schönlinde (Krásná Lípa)

Mitglieder des Arbeitskreises Sächsische Schweiz im Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V. trafen sich am 20. Mai 2000 im Anschluß an eine ihrer Exkursionen (zum Wolfsberg/Vlèí Hora) mit Vertretern der "Freunde von Schönlinde" (Krásná Lípa): der Präsidentin Frau Haskova, Herrn Dr. R. Klos und Frau Sockova. Diese Zusammenkunft war schon längere Zeit geplant, da unsere tschechischen Freunde unsere beratende Unterstützung wünschen, speziell für den Erhalt denkmalswürdiger Zeugnisse der Vergangenheit.


Der wertvolle Bestand an Umgebindehäusern z.B. ist gefährdet, nicht nur durch spärliche Geldmittel (wer erinnert sich da nicht?), sondern vor allem durch die innere Beziehungslosigkeit vieler Neu-Bewohner nach 1945 zum Wert solcher Bauwerke der Volkskultur, die der heimatlichen Landschaft das Gepräge geben. Wie viele dieser Gebäude sind zudem seither abgerissen, bis zum Einsturz vernachlässigt oder unsinnig und unfachlich umgebaut worden. In ungemeiner Fleißaktion haben die "Freunde von Schönlinde" eine erste Dokumentation der zu schützenden Häuser in ihrem Gebiet erstellt, mit der sie unlängst auch auf einer Tagung in Ebersbach OL viel Beifall ernteten. Nur langsam gelingt es den Vereinsmitgliedern, Verständnis und Interesse zu wecken, die zur Pflege übernommenen Erbes nötig sind. Etwas umständlich scheint uns der Weg der Denkmalmittel-Vergabe: Da diese Gelder nicht direkt an den Eigentümer ausgezahlt werden können, hat sich seinerzeit der Verein gegründet (heute etwa 40 Mitglieder), der die Mittel verwaltet und so etwas Einfluß auf die Maßnahme hat. Die Gründung des Vereins erfolgte, um die Sanierung des ältesten Umgebindehauses von Schönlinde am Markt (jetzt Museum und Eisdiele) abzusichern. Ein weiteres Gebäude, wo mit berechtigtem Stolz auf eine gelungene Erhaltung verwiesen werden kann, gehört zu einem Ensemble mit einem modernen Gebäude, wo ein Seniorenheim untergebracht ist.


Bedrückend dagegen der Zustand des Kirchleins in Wolfsberg (Vlèí Hora). Es ist in kommunalem Besitz, Interesse besteht nur an einer anderweitigen Nutzung. Mit recht geringen Mitteln (Dachausbesserung) könnte der Verfall dieses überraschend schönen Raumes aufgehalten werden. Anders dagegen die in Eigeninitiative vorwiegend Prager Wochenendbewohner gerettete Kirche von Daubitz, auf deren Erhalt ich Ende der 70er Jahre nichts mehr gegeben hätte. Eigenwillig, aber trotz des barocken Raumes akzeptabel ist im Inneren die Gestaltung von Altar, Taufe und Lesepult mit Bauglasbrocken und Stahl.

Desweiteren stellten uns die Mitglieder ein zweites Arbeitsgebiet vor: die Erhaltung! Erneuerung von Wegkreuzen, von denen es ja in Böhmen enorm viel gab und gibt. Dazu wurde ebenfalls eine umfassende Fotodokumentation erarbeitet. Auch hier macht sich das Fehlen einer inneren Beziehung bemerkbar. Die Entkirchlichung in diesem einst "erzkatholischen" Gebiet ist durch die Politik seit 1948 katastrophal vorangeschritten. So gibt es noch weniger interessierte und engagierte Mitstreiter, abgesehen von den fehlenden nötigen Geldmitteln (für die Aufrichtung eines Steinsockels mit Kreuz, noch nicht einmal mit der nötigen Ergän zung der fehlenden Figuren in Langengrund (Dlouhý Dùl) z.B. ca. 25 000 CKr ( bei etwa bis 5000 CKr Monatsgehalt!). Nachdenklich stimmt der Satz: "Sie fmden keine Heimat, weil sie auch die Religion nicht gefunden haben."

Auf Grund verschiedenster Umstände haben wir in Deutschland einen günstigen Vorlauf an Erfahrungen und sind auch, was die Finanzen betrifft, entschieden besser gestellt. Im Sinn der Erhaltung einer liebenswerten Landschaft sollten wir davon weitergeben. Oft werden die Behörden erst dann hellhörig und entgegenkommend, wenn sie das ausländische Interesse merken. Die Hochachtung vor dem Engagement der kleinen Schar legt jede Form der Unterstüt zung nahe, auch die moralische zählt viel. Sinnvoll ist auch, jeden privaten Kontakt in dieser Weise zu nutzen, damit Men schen auch innerlich ankommen in einer Heimat, in der sie zwar schon lange wohnen, aber ohne die letzte notwendige Beziehung, dem Sinn für das Bewahrenswerte.

Vielleicht hat sich mancher Leser bisher gewundert, was dieser Bericht in einem Heft der SSI soll. Nicht nur, daß der Blick über den Zaun von Zeit zu Zeit ganz interessant ist, die ineinander übergehende Landschaft verbietet ein Stehen bleiben am eigenen Gebiet und manches ist auch bei uns immer wieder neu des Bedenkens nötig, um nicht leichtfertig den Reiz einer Landschaft und der sie prägenden Elemente preiszugeben (was z.B. in unseren Dörfern geschieht...!).

Konrad Creutz
Landesverein Sächsischer Heimatschutz