<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Alte Forstgrenzmale im Bielatal

Alfred Rölke

Wenn man auf einsamen Pfaden im Bielatal wandert, oder im Gebiet von Großvaterstuhl, Spannagelturm oder Verlassener Wand Klettertouren unternimmt, trifft man unverhofft, meist ohne daß man es bewußt wahrnimmt, auf ca. 200 Jahre alte Grenzmale.

Mit diesem Beitrag möchten wir aufmerksam machen und um Verständnis für die Erhaltung der alten Steinzeugen werben.

Bild 1: Forstgrenzstein mit kursächsischen Schwertern

Bei einer Wanderung von der Aussicht am Großvaterstuhl zum Klettergipfel Stumpfer Turm stolperten wir fast über einen Grenzstein (Bild 1), auf dem gekreuzte Schwerter, ein Grenzkreuz und die Zahl 195 zu erkennen waren.

Auch an den nahen Kletterfelsen fanden wir diese Zeichen (Bild2). Im Kletterführer Sächsische Schweiz, Band Bielatal/ Erzgebirgsgrenzgebiet von Dietmar Heinicke ist bei vielen Wegbeschreibungen der Taleinstiege z. B. zu lesen: "...Kleiner Eislochturm - Westkante bei Nr. 185, Spannagelturm - Verschneidungsvariante bei Nr. 186 oder Prometheus, Talkante bei Nr. 189..."

Auf diese Weise neugierig geworden, wollten wir mehr wissen und informierten uns in der Fachliteratur. Wir konnten nachlesen, daß es sich hier um 200 Jahre alte Forstgrenzmale handelt, welche die kurfürstlichen Wälder von denen der Gemeinde Rosenthal abgrenzten. Dabei zeigen die gekreuzten Schwerter immer auf die kurfürstliche Seite des Waldes.

Der Literatur entnahmen wir auch, daß bis zum Grenzmal 177 Aufzeichnungen vorhanden und dokumentiert sind. Wir wollten erkunden, ob bis zu dem von uns gefundenen Forstgrenzstein Nr. 195 noch die Grenzmale fortlaufend numeriert existieren. Also suchten wir die Felswände und Felswinkel ab und konnten zu unserem Erstaunen die Zahlen und Merkmale, wenn auch teils stark bemoost und überwachsen, teils versteckt, finden.

Bild 2: Forstgrenzmarke 180 mit Grenzkreuz und kursächsischenn Schwertern

Darüberhinaus konnte die ehemalige Waldgrenze mit den Steinen 196 bis 205 noch bis zur Bergunfallhifsstelle (siehe Skizze S. 43) weiterverfolgt werden.

So konnten wir ein Stück der alten kurfürstlichen Grenze zu Rosenthal eindeutig belegen. Daß Grenzsteine auch zweckentfremdet verwendet wurden, entdeckten wir auf unserem Heimweg (Bild 3).

Genaueres haben wir aus der Literatur erfahren:

Im 15. Jh. gelangten die Wälder großer Gebiete der Sächsischen Schweiz in den Besitz der Meißner Markgrafen und der sächsischen Kurfürsten. Damals erfolgte die Kennzeichnung der Waldgrenzen vorrangig durch Bäume bzw. an Bäumen. Ein auf der Grenze stehender Baum galt als Grenzpunkt, er wurde gelachtert (oder gelochert), d.h. mit einem Zeichen, einem Lachter versehen. Das geschah meist in Form eines Kreuzes. An der Landesgrenze wurde außer den Kreuzen auch das Wappen des Landesherren eingeschlagen. Alle Rain- (Grenz-) Bäume unterlagen einem besonderen Schutz.

Den Gegebenheiten der Sächsischen Schweiz entsprechend, wo ja überall Felsblöcke und anstehender Fels vorhanden sind, wurden schon frühzeitig auch solche Steine zur Grenzmarkierung benutzt, wenn darüber die Grenze verlief.

Die immer intensivere Nutzung von Grund und Boden, so auch die Nutzung des Waldes, führte dazu, daß die Grenzen möglichst genau und eindeutig bezeichnet wurden. Wo das nicht geschah, waren meist Grenzstreitigkeiten die Folge.

Die frühesten Erwähnungen von Grenzsteinen in der Sächsischen Schweiz liegen aus der ersten Hälfte des 16. Jh. vor. Es handelt sich zunächst um Steine auf der Landesgrenze gegen Böhmen.

Da die Grenzmerkmale, z.T. durch Alterung oder Abholzung der Bäume, die Grenze nicht eindeutig feststellbar machten, beauftragte Kurfürst Friedrich August III. im Jahre 1781 den Oberlandvermesser Frank zur eindeutigen Grenzfestlegung. Frank ordnete an, die Forstgrenzen dauerhaft mit Grenzsteinen zu versehen, denen die Schwerter, Jahreszahl und Nummer eingeschlagen sind.

Zweckentfremdeter Forstgrenzstein als Straßenbegrenzung

In der Folgezeit kam es in allen Revieren des Amtes Pirna zur Aufstellung von Forstgrenzsteinen, so auch um den Ort Rosenthal. Über die Versteinung des Reviers Rosenthal liegt ein Protokoll von 1796 vor. Die 1796 vorgenommene Versteinung des kurfürstlichen Waldes folgte einer Linie, die bereits Anfang des 17.Jh. auf der Karte von Oeder/Zimmermann als Grenze des natürlichen kurfürstlichen Waldbesitzes eingezeichnet ist und auch bis 1874 die Begrenzung des Staatswaldes bildete.

Heute suchen wir diese Grenze auf unseren Karten vergebens. Sie ist nahezu vergessen und ihr Verlauf ist allein durch die noch erhaltenen Forstgrenzsteine bewahrt.

Alfred Rölke

[karte]

Literatur:

Horst Torke: "Forstgrenzsteine der Amtswälder in der Sächsischen Schweiz"; Schriftenreihe des Stadtmuseums Pirna, Heft 7 Pirna 1989

Horst Torke: "Von einer alten Grenze bei Rosenthal"; Arbeitskreis Sächsische Schweiz, Band VII, Pirna 1991