<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Aktuelles

Neuigkeiten vom Elberadweg

Am 1. Juli 2000 wurde das 1,8 km lange Teilstück des Elberadweges zwischen dem Bahnhof Schöna und der tschechischen Grenze eingeweiht. Dieser Abschnitt des Radweges ist Ergebnis einer Vereinbarung zwischen der Euro-region Elbe/Labe und der ausführenden Firma OBIT GmbH Neustadt. Die Kosten des Ausbaus auf deutscher Seite in Höhe von ca. einer Million Mark wurden von den Kommunen, dem Freistaat und der EU finanziert.

Auch auf tschechischer Seite wurde mit dem Bau des Elberadweges begonnen und trotz späteren Beginns des Ausbaus konnten Radler bereits ab Sommer 2000 bis Decín fahren.

Rahmenbetriebsplan für Steinbruch Alte Poste abgelehnt - neue Hoffnung für die Bürger-Initiative.

Es gibt wieder etwas Neues in dem Streit um den Sandsteinbruch Alte Poste unweit des Lohmener Ortsteils Doberzeit. Vor einem Jahr legte das Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH&Co. KG dem Bergamt Ho-yers-werda einen Rahmenbetriebsplan vor. Dieser wurde jetzt von allen 16 am Genehmigungsverfahren beteiligten Behörden und Verbänden abgelehnt. So ist der Steinbruch Alte Poste nicht im Regionalplan des Regionalen Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzgebirge verankert.

Damit scheint eine wichtige Schlacht gewonnen, denn in der Konsequenz heißt das, daß Landeigentümer nicht an das Bamberger Unternehmen verpachten müssen. Denn der mit dem Doberzeiter Günter Jähngen abgeschlossene Pachtvertrag gilt nur im Zusammenhang mit einem genehmigten Rahmenbetriebsplan über das Jahr 2000 hinaus. Bei den Ablehnungsgründen spielen Naturschutzbelange ebenso eine Rolle wie die bisherige Abbaupraxis des Unternehmens, welches u.a. Flächen außerhalb des Bewilligungsfeldes in Anspruch nahm und das Abbauvolumen willkürlich erhöhte.

Von den Einwohnern des Ortes wird diese Entscheidung als Signal der Behörden verstanden, endlich nicht nur den wirtschaftlichen Argumenten eines bayerischen Unternehmens zu folgen. Ist doch nicht nur die Natur betroffen, sondern auch die Einwohner des Dorfes. So sind die Detonationen im Ort zu spüren und gefährden dort die Häuser. Auch erfolgten nur geringe Entschädigungen an die Grundstücksverpachter.

Abriß des "Stasiheimes" am Zeughaus

10 Jahre mußten nach der Wende vergehen, ehe das allseits ungeliebte Heim am Zeughaus, gegen dessen Erweiterung Mitte der 80er Jahre viele Wanderer und Bergsteiger in Eingaben protestiert hatten, abgerissen wird.

Eine naturschutzverträgliche Nutzung dieses Objektes als Hotel o.ä. inmitten des Kernzone des Nationalparkes, d.h. auch ohne individuelle Autozufahrt, ist nicht möglich, so daß das Liegenschaftsamt Bautzen im Frühjahr 2000 den Abriß verfügte.

Mit dem Ausbau des alten Zeughauses als Gaststätte wird in nächster Zeit begonnen, den Zuschlag erhielten die Betreiber des Gasthauses auf dem Großen Winterberg. Vor dem alten Zeughaus soll auch ein Gartenrestaurant eingerichtet werden. Die jetzige Freiluftgaststätte mit Kiosk soll dann voraussichtlich geschlossen werden und der ehemalige kleine Teich, der dem Teichstein seinen Namen gab, soll an alter Stelle wieder entstehen.

Einen großen Anteil am Gelingen einer so guten Lösung für das Zeughaus haben das Forstamt Bad Schandau und die Nationalparkverwaltung.

Wirtschaft setzt sich durch bei der geplanten Autobahn durch das Böhmische Mittelgebirge - Klage von Umweltverbänden angekündigt

Im letzten SSI-heft Nr. 16 hatten wir die geplante Trasse der Autobhan Dresden - Prag durch das Böhmische Mittelgebirge zwischen Ústí und Lovosice vorgestellt und von einer Wanderung auf der Trassenführung berichtet.

Daß auf den herrlichen Wäldern und obstbaumbe-stan-denen Wiesen unweit von Dubitzer Kirchlein und Lobosch (siehe Fotos im Heft 16) bald eine breite Betonpiste gebaut wird, wollten die Umweltorganisation Deti Zeme und regionale Umweltverbände verhindern. Für den Spendenaufruf im Heft 16 möchten wir uns besonders bei drei großzügigen Spendern bedanken: Herrn Volker Krems (Dresden), Herrn Johannes Egermann (Bautzen) und Frau Ursula Bitke. Der gesamte Betrag wurde der tschechischen Umweltinitiative "Pratele prirodư" übergeben.

Das lange Zeit standhaft gebliebene tschechische Umweltministerium erlag dem Druck der Wirtschaft und hat, zwar unter Auflagen, eine Ausnahmegenehmigung zum Bau der Autobahn durch das Böhmische Mittelgebirge erteilt. Zu einem ersten Spatenstich soll es 2001 kommen. Die tschechischen Umweltverbände haben Klagen gegen die Trassenführung durch das Schutzgebiet angekündigt.

Ausbau der B172 brachte keine Senkung der Abgase

In einer Studie des Lehrstuhls für Verkehrsökologie wurde untersucht, wie sich der vierspurige Ausbau der B172 innerhalb von Dresden auf die Verkehrs- und Abgassituation ausgewirkt hat.

Zum einen sei der Verkehr seit 1995 durchschnittlich um 56 % gewachsen. Wäre die Verkehrsdichte nach dem Ausbau gleich geblieben, wäre durch die Optimierung der Strecke (Beseitigung von Staufallen, bessere Ampelschal-tungen usw.) eine Redu-zie-rung des Abgase möglich geworden. Die gestiegene Fahr-zeugbelastung hat allerdings alle Emissionsminderung zunichte gemacht. Professor Udo Becker wies darauf hin, daß nicht nur Verkehr gebündelt, sondern wohl auch Verkehr neu erzeugt wurde.

Überträgt man diese Ergebnisse auf die geplante A 17, konstatieren Umweltverbände: die neu Autobahn wird sicherlich keine Reduzierung der Abgase oder eine spürbare Verkehrsentlastung innerhalb von Dresden bringen, sondern nur mehr Verkehr.

Die Schweizermühle im Bielatal

Der gesamte Gebäudekomplex Schweizermühle dämmert weiter vor sich hin und verfällt langsam, aber sicher. Der Besitzer der Immobilie, Nestle AG, hatte einst große Pläne, die wohl keiner richtig ernst nehmen konnte: Ein Vergnügungszentrum sollte entstehen mit Märchenpark, Sommerrodelbahn, Mountainbiking, Trekking, Rafting, Reiten (gerüchteweise auf bis zu 200 Pferden) - kurzum, sanfter Tourismus in Reinkultur, allerdings mehr im Konzernverständnis.

Nestle versucht nun seit längerem, die Gebäude zu verkaufen, doch es gelingt anscheinend nicht. Offenbar ließen sich die Objekte weder als gesamter Komplex noch einzeln absetzen. Inzwischen droht den Häusern der Verfall.

Endlerkuppe unterm Hammer

Am 25. März 2000 wurde die am Nationalparkrand in Ottendorf gelegene Endlerkuppe versteigert. Als Mindestgebot verlangte die Treuhandnachfolgerin 150.000 DM.

Vor Jahren sollte der malerisch auf dem Berge thronende, inzwischen verfallene und aus der Nähe einen traurigen Anblick bietende Gebäudekomplex noch fünf Millionen bringen. Doch damalige Interessenten, deren Pläne von Reha-klinik über Landhotel, Jugendherberge, Schulungs- oder Landschulheim reichten, wurden meist schnell vom enormen Aufwand für Umbau und Sanierung sowie Natio-nal-parkinteressen und dem früher noch verschärften Denkmalschutz abgeschreckt. So wurde nichts aus den Plänen von über 100 Interessenten, die auch Arbeitsplätze für die Region schaffen sollten. Auch die Nationalparkverwaltung selbst nahm Abstand davon, das Objekt als Nationalpark-Besucherzentrum zu nutzen. Bei der Auktion war die künftige Nutzung Nebensache, in den Vordergrund tritt das Interesse, das Wahrzeichen auf der Endlerkuppe überhaupt zu erhalten.