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Liebe LeserInnen

Zwischen diesem Heft 18 und dem Heft 17 hat es ein kleines Jubiläum gegeben, im Dezember 2000 jährte sich das Erscheinen unserer Heftreihe zum 10. Mal. Dies soll Anlaß sein, einmal zurück zu schauen auf diese, für eine Umweltzeitschrift doch schon recht lange Zeit, verbunden mit den Fragen: welche der damaligen Ziele der Sächsischen-Schweiz-Initiative konnten verwirklicht werden? Was bleibt offen?

Als im Sommer 1990 anläßlich einer Demonstration auf dem Altmarkt in Dresden die Unterschriftenaktion Sächsische-Schweiz-Initiative gestartet wurde, gab die nach der Wende nunmehr mögliche Vermarktung der Landschaft Anlaß zur Besorgnis. Planungen für landschaftsfremde Hotels und weite Golfareale wurden bekannt, touristische Tiefflüge setzten über der Felsenwelt ein. Wenig später beunruhigten die Pläne für eine Autobahn-Planung in unmittelbarer Nähe des Bielatals alle Naturfreunde.

Betrachtet man die Ziele von vor 10 Jahren aus heutiger Sicht, kann man vielleicht sogar mit etwas Stolz einschätzen, daß die meisten der negativen Beeinträchtigungen verhindert werden konnten und sich erstaunlich vieles in der Sächsischen Schweiz zum Positiven entwickelt hat. Viele der das Landschaftsbild beeinträchtigenden oder überdimensionierten Bauten konnten verhindert werden. So gibt es keinen Golfplatz am Kleinen Bärenstein, keine Hotels auf den Höhen über Cunnersdorf und Waltersdorf und auch der weithin sichtbare Kurklinikbau in Ostrau vor den Schrammsteinen konnte abgewendet werden. Viele Gemeinden planen mit Weitsicht ihr Ortsbild und bewahren somit eine harmonische Entwicklung von Kultur- und Naturlandschaft, wofür die Sächsische Schweiz bekannt ist.

Negativ ist allerdings die Entwicklung zwischen Struppen und Leupoldishain zu sehen. Für das Gewerbegebiet wurde eine große Fläche aus dem LSG ausgegliedert, heute bereuen wohl Wirtschaft und Naturschutz gleichermaßen diese Entscheidung angesichts des „beleuchteten Ackers“. Gleich nebenan das Struppener Wohngebiet ist ein Musterbeispiel für Retortensiedlungen und landschaftsfremdes Bauen.

Trotzdem kann man das Thema Bebauung allgemein positiv bewerten; nicht ganz so die Situation der touristischen Rundflüge. Zwar wurde durch eine gesetzliche Regelung die Mindestflughöhe angehoben, doch deren Einhaltung zu kontrollieren ist weiterhin fast unmöglich.

Dagegen stellt der Verkehr das größte, weitgehend ungelöste Problem dar. Verkehrsberuhigungen, z.B. im Kirnitzschtal, sind praktisch nicht durchzusetzen, aber auch der Preis der Kirnitzschtalbahn lädt mit 6,- DM pro Person nicht gerade zum Mitfahren ein. Die Taktfrequenz der Buslinien bleibt niedrig, und die Preise der S-Bahn steigen schon seit Jahren.

Besonders schlimm sieht es aber außerhalb der Sächsischen Schweiz aus: Der Bau der großen, internationalen Autobahn A 17 zerstört wertvolle Landschaften, zieht Fernverkehr an und bringt mehr Schadstoffe in den Elbtalkessel. Zwar konnte die Autobahntrasse oberhalb des Bielatals verhindert werden, doch die Trasse südlich von Dresden ins Osterzgebirge schädigt ebenso unverbrauchte Natur und schafft verkehrspolitische Tatsachen für die Zukunft. Am Geld scheint es jedenfalls nicht zu mangeln, sieht man sich die neue, vierspurige Pirnaer Brücke an, die zur Verbindungsstraße der späteren A 17 durch den Graupaer Wald nördlich bis zur A4 gehört. Und verfolgt man derzeit die Baumfällungen und das Schlagen sehr breiter Schneisen durch den Graupaer Wald vor den Toren Pirnas, kann man sich ernsthaft fragen, welche Wertigkeit Natur im Freistaat Sachsen eigentlich hat.

Der Rückblick der letzten zehn Jahre zeigt also beides, sowohl positive als auch negative Entwicklungen.

Vor etwa vier Jahren rückte eine andere Thematik in den Vordergrund, mit der in den ersten Jahren nach der Wende nur wenige gerechnet hatten. Hatten doch 1990 gerade Wanderer, Bergsteiger und Naturfreunde den Nationalpark begrüßt, um die Landschaft bestmöglich zu schützen, und es wäre ihnen damals nicht eingefallen, daß sie selbst bald ein „Opfer“ des Nationalparks sein könnten. Die geplante Sperrung der beliebten Häntzschelstiege und weiterer Wanderwege löste eine bisher ungeahnte Protestwelle aus. Als zudem ein Gutachten der Nationalparkverwaltung zur Situation der Wanderwege eine „krasse Übererschließung“ kritisierte, wurden diejenigen, die die Natur schützen wollten, selbst zum Störfaktor. Der Sächsische Bergsteigerbund erstellte daraufhin eine eigene fundierte Studie, und eine beim Umweltministerium angesiedelte Arbeitsgruppe unter Einbeziehung aller Gruppen bemühte sich seitdem erfolgreich um einen Konsens.

So bleibt am Schluß die Einschätzung, daß heute etliche wichtige Ziele der Sächsischen-Schweiz-Initiative von 1990 erreicht werden konnten, andere blieben bisher ungelöst und mit der Zeit kamen auch neue Aufgaben hinzu.

Bei Ihnen allen, unseren Lesern und besonders natürlich denen, die für die Sächsische-Schweiz-Initiative seit Jahren immer wieder gespendet haben und uns als Abonnenten schon über viele Jahre begleiten, möchten wir uns ganz herzlich für das Vertrauen und das Interesse bedanken, und versichern, daß wir die Sächsische-Schweiz-Initiative auch zukünftig im gemeinsamen Sinne weiterführen werden.

Peter Rölke


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