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Falkensaison 2001

Fast flügge sind die beiden junge Würgfalken im Horst

Die Bestandssituation der Falken im Elbsandsteingebirge

Vom Wander- und Würgfalken berichtete ich 1998 zum letzten Mal in dieser Zeitschrift. Ein Jahr später erschien ein aktueller Überblick zum Bestand des Turmfalken im Elbsandsteingebirge. Während beim Wanderfalken ein weiteres Anwachsen der Population zu beobachten ist, geht der heimische Turmfalkenbestand langsam weiter zurück. Es soll also hier ein kurzer, aktueller Lagebericht zum Vorkommen und zur Bestandssituation der drei im Elbsandsteingebirge lebenden Falkenarten gegeben werden.

Ulrich Augst

Turmfalke (Falco tinnunculus)

Bei meiner Bestandsaufnahme 1999 konnte ich im Elbsandsteingebirge noch 28 sichere Brutpaare bzw. erfolgreiche Bruten kontrollieren. Allein am Pfaffenstein lebten damals noch sieben Paare.

Im Jahre 2001 stellte ich im gesamten Gebiet nur noch 26Turmfalkenpaare fest, von denen bei 17 Paaren eine erfolgreiche Brut bestätigt werden konnte. Am Pfaffenstein gibt es derzeit noch vier Paare. Am Besorgniserregendsten ist aber die Situation in der Hinteren Sächsischen Schweiz. Von dort nur sieben beobachteten Paaren zogen nur drei Paare Jungvögel groß. Insgesamt wurden in diesem Jahr 1x1, 4x3, 4x4, 4x5 Jungfalken flügge. Bei weiteren vier Bruten war die Zahl der ausgeflogenen Jungvögel nicht genau zu ermitteln.

Was die Ursachen für diesen langsamen, aber steten Bestandsrückgang sind, kann nicht eindeutig erläutert werden. Sicher ist aber, dass die derzeitige landwirtschaftliche Nutzung mit großflächigem Anbau von Raps, Mais usw. der heimischen Turmfalkenpopulation sicher einige Nahrungssorgen machen dürfte.

Sechs junge Turmfalken bilden eine Wärmepyramide

Würgfalke (Falco cherrug)

Deutschlands einziges Würg- oder Sakerfalkenpaar zog heuer, wie schon im vergangenen Jahr, aus fünf Eiern zwei Jungfalken groß. Im Frühjahr war am Lilienstein mehrmals ein vorjähriges Weibchen dieser Art beobachtet worden, welches durchaus ein Jungfalke vom Jahr 2000 gewesen sein kann.

Wanderfalke (Falco peregrinus)

Im sächsischen Elbsandstein wurden in diesem Jahr neun Wanderfalkenpaare bestätigt. Hinzu kommt noch ein weiteres Paar, dessen Weibchen ein Wanderfalke, 1999 im Horst am Beckstein ausgeflogen, das Männchen aber ein Hybrid-Falke ist, d.h. eine von Menschenhand erzeugte Kreuzung zwischen Wanderfalken und dem im Norden Amerikas, Asiens und Europas beheimateten Gerfalken (Falco rusticolus).

Die beiden Hybridfalken im Alter von 22 Tagen - die silbergrauen Füße mit der hier falkeneigenen Zehenprojektion und der 'strenge Gesichtsausdruck' gelten als Merkmal für den Einfluß einer anderen Art Zum Vergleich junge Wanderfalken mit gelben Füßen, zwei langen Zehen und wesentlich 'fusseligerem' Daunengefieder
Die beiden Hybridfalken im Alter von 22 Tagen - die silbergrauen Füße mit der hier falkeneigenen Zehenprojektion und der 'strenge Gesichtsausdruck' gelten als Merkmal für den Einfluß einer anderen Art Zum Vergleich junge Wanderfalken mit gelben Füßen, zwei langen Zehen und wesentlich 'fusseligerem' Daunengefieder

Solche Hybriden werden künstlich erzeugt, um für die Beizjagd die besten Jagdeigenschaften beider Arten zu vereinen. Obwohl von den Züchtern immer wieder versichert wurde, dass sich solche Falken in freier Natur nicht fortpflanzen, gibt es mittlerweile zunehmend mehr Fälle dieser Art in Deutschland, Skandinavien, der Slowakei usw. und immer betrifft es Männchen.

Im böhmischen Elbsandsteingebirge konnten in diesem Jahr sieben Wanderfalkenpaare bestätigt werden.

Im sächsischen Teil der Sandsteinlandschaft wurden bei sieben erfolgreichen Wanderfalken-Bruten 22 (1x2, 4x3, 2x4) Jungvögel flügge. Am Brutplatz Kleiner Zschirnstein verschwanden die Eier auf nicht einwandfrei zu klärende Weise. Das Paar im Großen Zschand schritt wohl überhaupt nicht erst zur Brut. Hier wurde ein neues Paar und erstmalig ein Weibchen aus Baden-Württemberg, Jahrgang 1999, festgestellt.

Auch bei der Hybrid-Brut schlüpften aus drei Eiern zwei Jungfalken, welche im Alter von 30 Tagen dem Horst entnommen wurden, um einer weiteren Verfälschung der heimischen Fauna entgegen zu wirken. Diese beiden Jungfalken stehen in der sächsischen Adler- und Falkenwarte auf Schloß Augustusburg bei Chemnitz für weiterführende Untersuchungen zur Verfügung. Im Herbst soll versucht werden, das Hybrid-Männchen zu fangen.

Von den sieben böhmischen Paaren hatten nur vier Bruterfolg und es flogen elf (1x1, 2x3, 1x4) Jungvögel aus. Bei den diesjährigen drei Neuansiedlungen konnten keine Bruten gefunden werden.

Einer der beiden Hybrid-Jungfalken im Jugendkleid mit noch immer blauen Füßen auf Schloß Augustusburg

Die heimische Population trägt außerdem zur Ansiedlung weiterer Paare in weiterer Umgebung bei, vor allem in Tschechien. So stammen sowohl das Männchen, und auch schon sein Vorgänger, vom Adersbacher Paar als auch das Weibchen vom Brutpaar in Prag aus der Sächsischen Schweiz, und das Männchen vom Oybin noch aus unserer letzten Auswilderung im Jahre 1996.

Wir danken auch in diesem Jahr den Horstbewachern des Sächsischen Bergsteigerbundes und anderen freiwilligen Helfern für ihren Einsatz zum Schutz der heimatlichen Natur.

Ulrich Augst, Nationalparkverwaltung


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