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Flächennaturdenkmal Pinsenberg

Flächennaturdenkmale der Nationalparkregion Sächsische Schweiz (7)

Der Pinsenberg

Karte 1: Lage des Pinsenberges nördlich von Altendorf

Etwa einen Kilometer nördlich von Altendorf liegt am alten Weg zur ehemaligen Buttermilchmühle der Pinsenberg (261 m ü.N.N.), als kleine bewaldete Kuppe in der Landschaft sichtbar. Der bemerkenswerte, aus Tephrit bestehende Basaltberg ist seit 1990 als Flächennaturdenkmal mit einer Fläche von 3,6 ha unter Schutz gestellt. Es besteht aus zwei geologisch bedeutsamen Basaltaufschlüssen sowie einem nordöstlich exponierten Steilhang- bzw. Schluchtwald über der Sebnitz.

Im unteren, leider seit 1979 vermüllten Steinbruch befindet sich als geologisches Unikat ein Basaltstiel-Aufschluß, der einen hohen geowissenschaftlichen Wert besitzt. Derartige freigelegte Schlottrichter mit gut sichtbarer fächerförmiger Anordnung der Basaltsäulen sind äußerst selten, das bekannteste Beispiel ist das Naturdenkmal Vrkoc (Wirkosch) im Böhmischen Mittelgebirge bei Ustí nad Labem. Durch die Vermüllung ist leider unserer heimatlichen Natur ein wichtiges geologisches Lehrobjekt verloren gegangen und alle bisherigen Bemühungen der Entmüllung scheiterten an den dafür notwendigen hohen Kosten.

Abb. 1: Jetzt vermüllter Basaltstiel im Jahre 1927

Der für die steilen Granittäler typische Schluchtwald hat für diese nordöstliche Exposition eine bemerkenswerte Vegetationsform (Aceri-Carpinetum Klika 1941) mit der typischen Artengarnitur. Neben den für diese Pflanzengesellschaft vorherrschenden Baum- und Straucharten Hasel (Corylus avellana), Hainbuche (Carpinus betulus), Winterlinde (Tilia cordata) und Rotbuche (Fagus sylvatica) finden wir in der Bodenflora u.a. folgende charakteristische Arten: Gemeiner Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), Wald-Geißbart (Aruncus sylvestris), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Echte Sternmiere (Stellaria holostea) und Purpur-Hasenlattich (Prenanthes purpurea).

Eine ökologisch-faunistische Untersuchung die 1999 durch das Tierkundemuseum Dresden, Herrn Dr. R. Krause, erfolgte, brachte bemerkenswerte Ergebnisse. So wurden hier Waldspitzmaus (Sorex araneus) und Zwergspitzmaus (Sorex minutus) sowie 14 Laufkäferarten nachgewiesen, unter anderem der Lederlaufkäfer (Carabus coriaceus), der Gartenlaufkäfer (Carabus hortensis), der Glatte Laufkäfer (Carabus glabratus), der Pechfarbige Striemenkäfer (Molops piceus) und der Schmale Schaufelläufer (Cychrus attenuatus).

Abb. 2: Braunstieliger Streifenfarn am Pinsenberg

Desweiteren zeichnet sich der obere Steinbruchbereich durch eine überaus reiche Farnflora aus. So kommen hier insgesamt acht verschiedene Farnarten vor:

Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria), Braunstieliger Streifenfarn (A. trichomanes),Nördlicher Streifenfarn (A.septentrionale), Zerbrechlicher Blasenfarn (Cystopteris fragilis), Dorniger Wurmfarn (Dryopteris carthusiana), Breitblättriger Dornfarn (D. dilatata), Gemeiner Wurmfarn (D. filix-mas) und Gemeiner Tüpfelfarn (Polypodium vulgare).

Der Standort ist weiterhin durch das sehr individuenreiche Vorkommen von verschiedenen Streifenfarn-Arten auch populationsgenetisch bedeutsam und zählt in dieser Einmaligkeit nicht nur in Sachsen, sondern auch deutschlandweit zu den wichtigen Farnlokalitäten (Jessen 2001). Aber auch Frühlingsfingerkraut (Potentilla tabernaemontani) und Dürrwurz-Alant (Inula conyza) wachsen in diesem Steinbruchbereich. Desweiteren ist erwähnenswert, daß sich im Bereich des Flächennaturdenkmales eine mittelalterliche Burgwarte befand.

Abb. 3: Basaltaufschluß am Pinsenberg

Die Pflege und Entwicklung des Flächennaturdenkmales sollte die völlige Entmüllung und Beräumung des unteren Steinbruchbereiches und damit verbunden die Wiederherstellung des Basaltstiel-Aufschlusses zum Ziel haben sowie eine ungestörte und möglichst nutzungsfreie Entwicklung des Schluchtwaldes garantieren.

Holm Riebe,
Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz

Literatur:

JESSEN, STEFAN (2001): Zur pteridologischen Bedeutung des Pinsenberges im unteren Sebnitztal. Gutachten-Manuskript, Nationalparkverwaltung



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