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Naturzerstörung durch den Autobahnbau

Eigentlich sollte sie oberhalb des Bielatals gebaut werden, die Autobahn A 17 nach Prag, vielleicht mit Autobahn-Rasthaus oberhalb der Grenzplatte... Zwar konnte diese Variante verhindert werden, doch für die Gebiete südlich von Dresden zwischen Zschonergrund, Plauenschem Grund und Lockwitztal scheint jede Hilfe zu spät zu kommen.

Der Laubbaumbestand im Plauenschen Grund mußte am Tunneleingang unter Coschütz weichen

Seit mittlerweile 10 Jahren berichten wir in unserer Heftreihe zum Projekt der A 17. Vor zwei Jahren, im Heft 16, veröffentlichten wir Bilder vom Polizeieinsatz gegen die Besetzer der alten Bäume im Zschonergrund. Diese Bäume gibt es nun nicht mehr, ein breites Betonband zieht sich jetzt durch die Landschaft und überbrückt den einst ruhigen Zschonergrund.

Nicht besser ergeht es dem Plauenschen Grund. Unterhalb der Begerburg zeigen dunkle Öffnungen den Austritt der zukünftigen Tunnel. Rohteile einer breiten Brücke überspannen das Tal und der einst schöne, mit Laubbäumen bestandene Hang unterhalb der Heidenschanze weist eine große Lücke auf. Hier soll der zweite Tunnel unter Dresden-Coschütz hindurchführen.

Die Einwohner der Dresdner Südhöhe und des Dresdner Vororts Kaitz, in einem kleinen Tal gelegen, kann man nur bedauern. Direkt vor deren Haustür wird die Autobahn vorbeiführen und über die Abfahrt rollt der Verkehr ins Dresdner Stadtzentrum. Wie die Schadstoffgrenzwerte im Kaitzer Tal eingehalten werden können, bleibt ein Rätsel.

Unterdessen gibt es für die Gebiete an der Grenze im Osterzgebirge erneut Hoffnung. Im Sommer 2001 wird berichtet, daß die EU mit Fördermittelentzug für Sachsen droht, weil der Freistaat die Auswirkungen der A 17 auf die Umwelt nur unzureichend nach Brüssel gemeldet hat. Die EU hat ein sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren gegen Sachsen angestrengt. Insbesondere geht es um die Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete), die von der A 17 berührt werden. Sachsen muß derzeit eine Stellungnahme für die Behörden in Brüssel ausarbeiten. Fällt diese nicht zur Zufriedenheit der EU aus, drohen 550 Mio. DM Fördermittelentzug.

Unterhalb der begerburg kommen die Tunnelröhren aus der Felswand und eine Brücke wird den Plauenschen Grund überspannen

Aber: Sollte der Übergang im Osterzgebirge nicht gebaut werden, würde das die sächsische Regierung wohl gar nicht so sehr tangieren. Die Kfz-Belegung der Strecke Pirna-Grenze war sowieso so gering, daß ein Autobahnbau gar nicht nötig und auch nicht finanziert worden wäre. Erst einmal hat der Bund eine Südumfahrung um Dresden, die man hätte nicht allein bezahlen können, übernommen. Die Ostumfahrung von Dresden, beginnend in Pirna und nordwärts an Radeberg vorbei zur A 4, rundet dann den Autobahnring um Dresden ab. Zwar läuft die Verbindung von Pirna offiziell unter der Bezeichnung als Bundesstraße B 177, doch schaut man sich die neue, vierspurige Pirnaer Elbbrücke und die derzeit geschlagene breite Schneise durch den Graupaer Wald an, dann wird diese Bundesstraße ohne Zweifel mit Autobahncharakter geplant.

Peter Rölke


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