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Zur Entwicklung von Gebietsbetreuungen im Nationalpark

Es ist schon eine Weile her, daß Bergsteiger und Wanderer regelmäßig an Arbeitseinsätzen zur Erosionssanierung, beim Wegebau oder bei der Instandhaltung von Kletterzustiegen in der Sächsischen Schweiz teilnahmen. Vor allem gilt dies aber für das rechtselbische Nationalparkgebiet. Auf der linken Elbseite im Landschaftsschutzgebiet hat diese Tradition überlebt. Hier betreut z.B. der KV Enzian schon langjährig durch Erosionssanierung und Reparaturen von Kletterzustiegen im Rauensteingebiet sensible Bereiche um die Kletterfelsen. Am Großen Bärenstein (Riegelhof) ist der Kletterklub Rucksachsen aktiv, im Dürrebielegrund der KV Schneckenfänger und die Dorfbachklamm Altendorf wird durch den K.C. Nonnensteiner betreut.

Möglich ist dies durch engagierte Bergfreunde, welche die Bergwelt nicht nur für ihr Vergnügen nutzen, sondern sich auch für deren Schutz einsetzen. Möglich ist dies aber auch nur, weil aufgeschlossene Mitarbeiter der Forstverwaltung (Forstamtsleiter und Revierförster) diese Arbeiten fachlich und materiell begleiten. Von seiten der Nationalparkverwaltung wurde jeweils eine finanzielle Aufwandsentschädigung beigesteuert.

Auch im Bielatal konnte im letzten Jahr durch die konstruktive Zusammenarbeit von Förstern und Bergsteigern eine Lösung für die gefährdeten Hangbereiche am Nymphenbad gefunden werden, ohne daß Kletterziele gesperrt werden mußten. Gemeinsame Begehungen und Gespräche von Vertretern der Forstverwaltung und des SBB räumten auch mit gegenseitigen Vorurteilen auf und machten klar, daß man sich sogar über die „heiße“ Feuer- und Boofenproblematik vernünftig unterhalten kann. So ein Verhältnis ist nur möglich, wenn man sich die Mühe macht, den anderen zu verstehen. Ein Förster hat natürlich die Pflicht, den Wald zu erhalten und zu mehren, und dazu hat er sein Spezialwissen und seine Erfahrung. Ein Bergsteiger möchte natürlich auch in intakter Natur wandern und klettern gehen und weiß, wo seine schönsten Ecken sind, und er weiß in der Regel auch, daß er in sensiblen Bereichen unterwegs ist und dies bei seinem Tun zu berücksichtigen hat. Dieser geschilderte Zustand der gegenseitigen Verständigung ist sehr kostbar, weil nur so ein Klima entstehen kann, in dem Dinge, die uns allen wichtig sind, gedeihen können – Naturschutz und Bergsteigen.

Auf der rechten Elbseite im Nationalpark ist die Situation schwieriger. Zwei Behörden (Forst- und Nationalparkverwaltung) sind hier für das Wald- und Felsrevier zuständig. Zähe Verhandlungen zu Fragen des Naturschutzes und des Bergsports, insbesondere auch zu Wanderwegen, finden zwischen den Leitern der Behörden und den Vorsitzenden der Naturschutz- und Bergsportverbände statt. Ein schöner Erfolg ist es dann, wenn zwischen allen Seiten der hart erkämpfte Konsens erreicht ist.

Besonders positive Entwicklungen gibt es z.B. bei der Horstbewachung der Wanderfalken in der Sächsischen Schweiz und bei den Schutzmaßnahmen zur Weißtanne zu vermerken. Durch Einsatz von Insektiziden -wie DDT- war der Wanderfalke im Elbsandsteingebiet ausgerottet worden. Die erfolgreiche Wiederansiedlung ist ein gemeinsamer Erfolg, weil Bergsteiger regelmäßig die Horste der brütenden Vögel bewachen und die zeitweiligen Gipfelsperrungen akzeptieren. Die Weißtanne, einst ¼ der Sächsischen Schweiz bedeckend, kämpft zwar noch um ihr Überleben, aber Verbißschutzmaßnahmen, die der Forst auch mit der Unterstützung von Bergsteigern durchführt, werden hoffentlich nicht umsonst sein. Bewußt werden hier die praktischen Schutzmaßnahmen genannt, bei denen Bergfreunde beteiligt sind. Denn wer praktischen Naturschutz betreibt, wird viel besser verstehen, warum Gebote sinnvoll und Verbote sich manchmal nicht vermeiden lassen. Durch persönliche Kontakte mit dem Förster wird man auch dessen Sorgen und Nöte verstehen, die er mit Waldbrandgefahr, Verkehrssicherungspflicht und zu hohen Wildbeständen hat. Der Förster wiederum wird vielleicht verstehen, warum es Leute gibt, die oft jeden freien Tag nutzen, um im Felsrevier zu wandern, zu klettern, im Freien zu übernachten oder manchmal auch am Feuer zu sitzen, auch wenn er letzteres nicht akzeptieren darf.

Als eine Form der gegenseitigen Verständigung sollte auch die langfristige Gebietsbetreuung durch Kletterklubs verstanden werden. Generell werden im Rahmen der Gebietsbetreuung keine Großeinsätze (Stiegenbau, großflächige Erosionssanierung) durchgeführt werden, sondern es geht eher um Kontrollen des Zustandes der Kletterzustiege, der Ordnung und Sauberkeit der unmittelbaren Felsbereiche und kleinere Reparaturen.

Die Gespräche, die seit geraumer Zeit zwischen SBB und Forstverwaltung zum Thema Gebietsbetreuung stattfinden, sind vielversprechend. Speziell Herr Grunwald, Forstamtsleiter von Bad Schandau und Herr Thalmann, Revierförster von Schmilka stehen dem Anliegen des SBB, die Gebietsbetreuung auch auf der rechten Elbseite im Nationalparkgebiet wieder einzuführen, aufgeschlossen gegenüber.

Auf Bergsteiger-Seite haben sich nach Aufrufen im SBB-Mitteilungsblatt und persönlichen Gesprächen viele Kletterklubs/Klettersektionen bereit erklärt, an der Gebietsbetreuung im Nationalpark teilzunehmen. Beispielhaft sollen der KV Rohnspitzler (Großer Dom/Rohnspitze), die Akademische Sektion Dresden (Falkenstein), der KC Lok Dresden (Lokomotive), die Hüttengemeinschaft der Stolpener Bergfreunde e.V. (Plateau-Nord- und Südzustiege am Lilienstein) und der TK Berglust (Rauschenstein) genannt werden.

Bleibt zu hoffen, daß den Gesprächen auch auf beiden Seiten Taten folgen und das Klima so erhalten wird, daß Dinge, die uns allen wichtig sind, gedeihen können – Naturschutz und Bergsport.

Rainer Petzold


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