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Bergsportverhandlungen - ein Blick hinter die Kulissen

Beim Stichwort „Bergsportverhandlungen“ werden die meisten Kletterer wohl an gesperrte Bergwege und Gipfel, zeitliche Einschränkungen und allenfalls noch Boofen denken, also mehr „technische“ Aspekte. Im SBB-Mitteilungsblatt erscheinen ab und zu recht lapidar wirkende, von Dietmar Heinicke verfaßte Texte mit Beschlüssen. Was für ein Aufwand notwendig ist, bis solch eine Mitteilung erscheinen kann, wird ein Außenstehender kaum erahnen können.

Allein der Umstand, daß Nationalparkverwaltung und Vertreter der Bergsteiger regelmäßig miteinander reden, ist nicht selbstverständlich - Kletterer im Donautal etwa müssen da auf ganz andere Erfahrungen verweisen. Doch das vielgerühmte „sächsische Modell“ besteht ja gerade darin, miteinander zu reden und Kompromisse zu finden.

Seit vier Jahren laufen nun schon die Verhandlungen zur Bergsportkonzeption. Von der Nationalparkverwaltung nehmen Ulrich Augst, Matthias Herschel, Andreas Knaak und Holm Riebe teil; Vertreter der Bergsportverbände sind Horst Kern (SWBV), Dietmar Heinicke, Klaus Kallweit und ich, Reinhard Wobst (alle SBB). Aufgabe ist es, jeden Gipfel, im Prinzip sogar jeden Kletterweg und jeden Zugang auf seine „Tauglichkeit“ zu prüfen: Sind irgendwelche Einschränkungen notwendig, Wegeverbauungen, Markierungen? Im Normalfall soll alles so bleiben, wie es ist, doch wir haben vieles dabei zu bedenken:

Zugänge

Ist der Zugang logisch, wird er schon immer so genutzt? Brauchen wir Erosionsverbauungen? Wo müssen Markierungen hin? Auch die Bequemlichkeit spielt eine Rolle, oder besser gesagt, der gesunde Menschenverstand: Es wäre natürlich Unsinn, für zwei 50 m voneinander entfernte Gipfel gesonderte Zugänge von einem 200 m entfernten Wanderweg ausweisen zu wollen. Danach würde sich wohl kaum einer richten.

In diesem Punkt müssen wir auf die Verhandlungsergebnisse der AG Wanderwege aufbauen; beide Gruppen hängen thematisch und personell eng zusammen.

Bergwege

Bergwege (also Kletterwege vom gegenüberliegenden Massivfelsen aus) haben oft einen Zugang über trittgefährdete Riffe. Bevor solch ein Weg gestrichen wird (und es hat doch einige „erwischt“), suchen wir erst nach einer anderen Möglichkeit, auf die Riffspitze zu gelangen. Oft gibt es diese, wie beispielsweise am Elbtalhorn oder am Tarzan. Auch steht immer die Frage, wie weit tatsächlich Trittschäden aufgetreten oder noch zu erwarten sind, nicht zu vergessen mögliche Beunruhigungen der Tierwelt. Dem steht nicht selten das Argument gegenüber: „Trotz bisheriger Nutzung hat sich Pflanzen- und Tierwelt so erhalten können.“ Ist das auch weiterhin sicher? Diskussionen zu diesen Themen sind alles andere als einfach. Viele Argumente wollen wir Vertreter der Bergsteiger selbst nachprüfen, ohne Spezialisten zu sein.

Gipfel

Wie wichtig ist uns ein Gipfel? Es geht nicht um reine Besteigungszahlen, denn es gibt auch genügend Liebhaber einsamer Ecken, die Sperrungen des größten Teils kleiner Gipfel („Quacken“) keinesfalls akzeptieren würden. Über Verbote, die gewiß nicht eingehalten würden, brauchen wir eigentlich nicht zu diskutieren. Gerade dabei gab es in den letzten Jahren Fortschritte. Die wilden Anfangszeiten sind vorbei. Jede der beiden Seiten weiß inzwischen ungefähr, was geht und was nicht geht: Unrealistische Vorschläge werden kaum noch gemacht.

Jahreszeitliche Sperrungen sind ein guter Kompromiß. Sammler kommen trotzdem noch zu ihrem Gipfel, die Interessen des Naturschutzes können in vielen Fällen dabei gewahrt werden (oder sagen wir besser, die natürliche Entwicklung wird nicht zu stark beeinträchtigt)

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Es gibt interessante Geschichten, wie Gipfel „gerettet“ oder ohne eine Träne im Auge aufgegeben wurden. Kurios ist wohl der Hirschsuhlenturm im Großen Zschand. Erstbegeher Dietmar Heinicke wollte seinen Augen kaum trauen, als er ihn in diesem Jahr wiedersah. Einst war er zwar eine Quacke, aber wenigstens erkennbar aus Fels aufgebaut. Inzwischen ist der Gipfel total grün. Auf dem Gipfel und am gegenüberliegenden Massiv wuchert kniehoch der geschützte Sumpfporst. Dank der saubereren Luft entwickelt sich der Bewuchs nämlich viel stärker als früher! Um diesen Gipfel gab es keine Diskussionen. Aus gleichem Grunde gaben wir auch die Litfaßsäule, die inzwischen eher Grünstengel heißen sollte, auf.

Schwieriger wurde es beim Tarzan. Eigentlich ein unbedeutender Gipfel, und der Zugang über das weglose Riff liegt jenseits von Gut und Böse. Für mich war die Sperrung klar. Aber Dietmar und Horst fanden zusammen mit einem NLPV-Vertreter doch noch einen Zugang zur Scharte von unten. Der Gipfel ist an sich sauber und nicht niedrig - hier hatte sich die Mühe gelohnt. Die Christelschluchtnadel ist klein, aber beliebt. Bevor es zum Streit kam, hatte Dietmar schon die ultimative Lösung: Zugang von oben. Gipfel gerettet. Prinz Karneval: Nicht sperren, Zugang von oben! Bewachsener Turm: Zugang von unten (um ein Herumirren auf den Riffen zu vermeiden)! Und wieder zwei Gipfel erhalten, ohne schmerzliche Einschränkungen.

Denken in größerem Rahmen

Wir dürfen aber nicht immer nur an den einzelnen Gipfel oder Zugang denken. Manche Fälle erfordern etwas mehr Mitdenken. Konkret geht es um die Schwarzschlüchte, die komplett gesperrt werden sollten. Das tut weh - weniger wegen der Wobstspitze (die übrigens nichts mit mir zu tun hat) oder gar der Schwarzen Spitze, sondern wegen des Adlerlochturms (ein lohnender Gipfel in herrlicher Umgebung) und des Schwarzschlüchteturms.

Das Besondere an dieser Schlucht ist, daß sie vollkommen isoliert ist und auch von oben nicht (mehr) erreicht werden kann. Es soll die einzige Schlucht im Großen Zschand sein, die wirklich eine vollkommende Ruhezone werden kann und keine Störungen von außen erleidet (weder durch Sichtbeziehungen noch durch Lärm von Besuchern). Auch die Naturschützer selbst wollen sich an das absolute Tabu halten, nachdem sie mit einiger Mühe die Jäger dort „hinauskomplimentiert“ hatten.

Soweit das Anliegen der Nationalparkverwaltung. Aber: „Allgemeine Ruhigstellung“ wollten wir als Argument eigentlich nicht akzeptieren, um diesen Punkt gab es schon bei der Wanderwegediskussion genügend Streit. Ist solch eine drastische Einschränkung wirklich notwendig? Es finden doch sowieso nur noch sehr wenige Bergsteiger in die Schwarzschlüchte. Der Zugang ist naß, fast ein Moor, die Pfade sind manchmal kaum zu erkennen. Richten denn derart wenige Besucher noch Schaden an?

In diesem Fall wohl ja, leider. Auch nur ein oder zwei Monate Zugänglichkeit pro Jahr hätten unsere Bedenken seitens des Bergsports zerstreut, aber dann würde dieses Reservat wohl seinen Sinn verlieren. Obendrein hätte der Zugang wenigstens notdürftig ausgebaut werden müssen, was dem Schutzzweck keinesfalls entsprochen hätte (denn solch ein Ausbau lockt mehr Besucher an).

Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, auch konnten wir fachlich nicht alles beurteilen. Schweren Herzens stimmten wir letztendlich der Sperrung zu - als einmalige Ausnahme. Das alles wäre vor einigen Jahren noch weit weniger sachlich abgelaufen. Beide Seiten haben sich ihre spitzesten Hörner wohl abgestoßen.

Sockelbegrenzungen

Ein Spezialgebiet für Kletterführerautor Dietmar Heinicke sind Sockelbegrenzungen, innerhalb derer Erstbegehungen zulässig sind. Solche Markierungen werden nur in Einzelfällen notwendig, nämlich wenn ein Sockel (auf dem ein Gipfel steht) existiert und die Begrenzung sich nicht von selbst ergibt. Hier müssen wir Prophet spielen: Auf welche Ideen könnten übermäßig ehrgeizige Erstbegeher vielleicht kommen? In manchen Fällen heißt es auch: Keine weiteren Erstbegehungen im Interesse des Naturschutzes - und nicht selten auch im Interesse der Bergsteigerethik...

Die für solche Festlegungen notwendige Laufarbeit ist immens und nur von durchtrainierten Ruheständlern wie Dietmar Heinicke zu bewältigen.

Boofen

Ähnlich verhält es sich mit den Boofen. Die „Positivliste“ schmeckte mir ursprünglich gar nicht (Boofen sind mein spezielles Verhandlungsgebiet) und ist als Kompromiß zu sehen, den wir aber akzeptieren. Auch hier sind Beliebtheit, Zugang, Lage, Attraktivität und auch Abgeschiedenheit zu berücksichtigen. Es geht nicht einfach um Schlafplätze, sondern für viele Besucher ebenso um das Naturerlebnis. Das hat man nur beschränkt, wenn man beispielsweise in der Teufelsturmboofe am Elbleitenweg nächtigt, mit dem Zuglärm gegenüber. Dafür ist diese Boofe ideal für einen großen Club. - Bis auf wenige Ausnahmen ist Feuern untersagt (und derzeit sogar gänzlich), doch in der Praxis wird ja trotzdem gefeuert. Also gilt es zu bedenken, ob ein Hang unter der Boofe bei der Feuerholzsuche zertrampelt würde und was man dagegen unternehmen kann. Dies ist kein Freibrief für Gesetzesübertretungen, sondern einfach der Realität geschuldet. Man stelle sich solche Diskussionen einmal in Franken oder gar im Donautal vor. Dann begreift man ganz schnell, was „sächsisches Modell“ heißt.

Es könnten fast 50 Boofen in der hinteren Sächsischen Schweiz zusammenkommen. Etwa 25 sind schon beschlossen, und eine Liste mit weiteren Vorschlägen harrt in der NLPV der Bearbeitung, leider schon viel zu lange. Wenn es keine großen Diskrepanzen mehr geben sollte, können wir mit dem Kompromiß zufrieden sein - ganz nüchtern betrachtet, denn Boofen ist in Deutschland ein Kuriosum, andererseits in unserem Gebiet auch nicht wegzudenken. Dazu gab es im SSI-Heft schon genügend Beiträge.

Ein sehr hoher Aufwand - warum?

Die Liste der Probleme ließe sich endlos fortsetzen. Das macht vielleicht verständlich, wieso die Verhandlungen so lange dauern, denn sie sind mit unglaublich vielen Details angereichert und erfordern auch große Gebietskenntnis. So treffen wir „alte Hasen“ uns oft genug noch vor Ort am Felsen, nicht selten werktags, wobei dann jedesmal ein ganzer Tag dafür geopfert werden muß. Derzeit laufen die Verhandlungen unrhythmisch. In der Anfangszeit dagegen fanden sie im Abstand von 14 Tagen statt, jeweils über 3 bis 4 Stunden. Wobei man dann nach Abschluß noch wenigstens eine Stunde draußen vor der Tür bei Dunkelheit und Kälte aufgeregt weiterdiskutierte ... Es gab damals viel Streit und Anfeindungen, vor allem als klar wurde, welche drastischen Einschränkungen ursprünglich für die Wanderwege vorgesehen waren (die ganze Wanderwegediskussion hatte ihren Ausgangspunkt bei den Bergsportverhandlungen, bis sie schließlich auf eine gesonderte Arbeitsgruppe übertragen wurde).

Nicht selten drehten wir uns damals endlos im Kreis und bekamen langsam, aber sicher graue Haare. Doch wie schon oben gesagt, inzwischen haben wir uns die Hörner etwas abgestoßen, und die grauen Haare entstehen nur noch altersbedingt. Jede Seite weiß ungefähr, was geht und was nicht. Zu Jubelrufen besteht dennoch kein Anlaß. Allein wenn ich daran denke, daß wir etwa 14000 Bergsteiger und noch viel mehr Wanderer zu vertreten haben, wird mir schwummrig.

Falls die Verhandlungen doch einmal zu einem Ende kommen (bis jetzt haben wir die Gebiete Schrammsteine, Schmilka, Kleiner und Großer Zschand sowie Hinterhermsdorf behandelt), kann es sein, daß wir mit einer ähnlichen Konzeption für die Nationalparkregion weiterverhandeln. Das wäre in beiderseitigem Interesse. Für uns Bergsteiger sind die Ergebnisse eine Art Bestandssicherung auf wenigstens 10 bis 15 Jahre, und ebenso für den Nationalpark. Wir hoffen jedenfalls, daß es zu keinen unliebsamen Überraschungen mehr kommt. Aber es fanden sich schon immer genügend Bergsteiger (und ebenso Wanderer oder überhaupt Naturfreunde), die sich engagierten - wenn es darauf ankam - für den Naturschutz, wenn die Natur in Gefahr war, und gegen überzogenen Naturschutz ebenso.

Und wenn wir mit der Nationalparkregion endlich fertig sind, wird es uns wohl so ergehen wie Holzfällern mit der Taiga, wenn sie sie vom Ural beginnend abholzen wollen: Falls sie endlich in Wladiwostok ankommen, können sie im Ural gleich wieder von vorn anfangen.

Lohnt sich der ganze Aufwand? Natürlich! Oder wollen wir etwa in 20 Jahren nicht mehr boofen, den Thorwalder Reitsteig oder den Gehackten Weg laufen und auf den Fensterturm im Großen Zschand steigen?

Theorie und Praxis

Grau ist alle Theorie, was macht die Praxis? Bezüglich der Klettereinschränkungen dürfte es weniger Probleme geben, so hoffe ich. Zum ersten sind sie nicht so drastisch, denn nur wenige Gipfel werden total gesperrt (bis auf Adlerlochturm und vielleicht Schwarzschlüchteturm sind die Verluste bis jetzt wohl wenig schmerzlich), und nur selten wird ein Gipfel durch Sperrung von Bergwegen drastisch schwieriger. Die Probleme mit Bergsteigern heißen wohl eher Naßklettern und extensives Topropen (d.h., Sichern von oben, wodurch Wege blockiert und teilweise auch systematisch zerstört werden). Das gehört jedoch nicht zu unserem Themenkreis - zum Glück, denke ich mir manchmal.

Zugangswege werden im allgemeinen offenbar auch eingehalten, denn sonst sähe man mehr Erosionserscheinungen. Wie weit die „Positivliste“ der Boofen angenommen wird, ist schwer zu sagen, denn die bisher zugelassenen Boofen sind meist auch die „interessanten“ in den behandelten Bereichen. Weit problematischer steht es dagegen um das Feuern: Es wird derzeit noch in praktisch jeder Boofe gefeuert, was Kenner der Szene wenig wundern wird. Hier klaffen Theorie und Praxis noch weit auseinander. Aber wir sollten auch nicht vergessen, daß sogar mitten im Wald gefeuert wird, unter beliebigen Überhängen, und bei jeder Waldbrandwarnstufe. Das hat in der Regel mit Bergsteigen nichts zu tun, ist jedoch ein sehr ernstes Problem. Welche Ausmaße das im Bielatal angenommen hat, dürfte sich herumgesprochen haben, ebenso die teils drastischen Gegenmaßnahmen (bis hin zur strafrechtlichen Erkennung). Das Problem kann nicht vereinfachend mit „boofende Bergsteiger“ oder auch nur „Boofer“ abgetan werden, sondern es ist vielfältiger und betrifft die Kontrolle und Durchsetzung von Verordnungen im Nationalpark allgemein.

Kontrollen im Nationalpark

Gesetze - und auch die Ergebnisse unserer Bergsportverhandlungen - wären Makulatur ohne ihre Durchsetzung. Der SBB kann zwar illegale Erstbegehungen aberkennen, aber bei großen Lagerfeuern im sommerlich ausgetrocknetem Wald, Boofen in der Kernzone oder bei vorsätzlicher Felsbeschädigung kann er nur appellieren und notfalls sogar Namen nennen. Die eigentliche Bestrafung muß nach geltender Gesetzeslage von Angehörigen der Nationalparkverwaltung oder des Forstes erfolgen. Strafen machen zwar immer nur einen winzigen Teil der Einflußnahme auf „Sünder“ aus (in der Regel bewirken Aufklärung und Ermahnung schon etwas), doch gäbe es überhaupt keine Strafen, dann würde sich auf Dauer herumsprechen, daß der Tiger zahnlos ist. Ganz ohne Abschreckung, nur mit Appellen an die Vernunft, kann man kein Gesetz durchsetzen.

Es war nicht einfach herauszufinden, wie es um Strafen in der Praxis steht. Von der Nationalparkverwaltung bekamen wir trotz jahrelanger Nachfragen keine konkrete Auskunft, obwohl uns die Zahl der eingeleiteten Strafverfahren wenigstens für die interne Verwendung schon sehr interessieren würde. Die abgeschlossenen Ordnungswidrigkeitsverfahren teilte uns nach halbjähriger Bearbeitungszeit endlich das Regierungspräsidium mit: Im Jahr 2000 wurden jeweils etwa 25 Verwarnungen mit Verwarnungsgeld (20 bis 60 DM) und 25 Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeld ausgesprochen. Bei letzteren sind 7 Fälle von illegalem Feuern (30 bis 200 DM) sowie 9 Fälle illegaler Übernachtung (50 bis 200 DM) enthalten. Gegenüber formal 1671 festgestellten Verstößen mag dies lächerlich gering erscheinen. Doch Vorsicht mit übereilten Schlüssen, denn eine Wertung ist in diesen Zahlen nicht enthalten!

Fest steht auf jeden Fall: Es wurde nur ein kleiner Teil der groben Vergehen geahndet. Fest steht eben so: Wenn man Pech hat, kann das Feuer teuer werden (einige Besucher des Bielatals berichteten von deutlich höheren Summen - dort kontrolliert die Forstbehörde). Auch dürfte ein Ausufern von Mißständen die Häufigkeit und Härte von Kontrollen stark beeinflussen. Es ist also auch in unserem Interesse, einmal getroffene Vereinbarungen mit unseren Mitteln „durchzusetzen“, sprich das Feuern während einer Wanderung nicht stillschweigend zu dulden, um Zelte im Wald keinen Bogen zu machen und bei lärmenden Gruppen wenigstens versuchsweise einzuwirken. Und sich natürlich selbst an die Regeln zu halten ...

Das Thema „Kontrolle“ ist damit nicht abgehakt. Hier ist wohl gerade erst der Anfang gemacht, und natürlich muß in erster Linie die Nationalparkverwaltung dabei aktiv werden. Kontrollen und Strafen werden uns sicherlich noch sehr lange beschäftigen. Ohne diese könnte es wirklich passieren, daß Boofen einmal weitgehend untersagt wird (derzeit ist es jedoch im Entwurf einer novellierten Nationalparkverordnung enthalten!) und aus zeitweiligen Sperrungen ganzjährige werden. Niemand droht uns damit, aber wir sollten auch nie sorglos werden.

Information über Boofen

Noch ein Wort zur Information über Boofen. Wir hatten ursprünglich vereinbart, keine detaillierte Boofenliste zu veröffentlichen. Die latente Gefahr einer „Positivliste“ ist nämlich, daß sich zu viele Besucher in immer den gleichen Boofen drängeln könnten und dann dort deutliche Schäden anrichten. Wenn die zugelassenen Boofen allgemein bekannt sind und zielgerichtet angesteuert werden, ist das Gedränge vorprogrammiert. Eine deutschlandweit kursierende Boofenliste würde dieses Problem sogar drastisch verschlimmern. Auf der anderen Seite ist mir klar, daß man Information im Zeitalter von Internet, Scanner und Kopierer nicht beliebig lange zurückhalten kann. Wenn gar keine Angaben zu erlaubten Boofen erhältlich sind, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand systematisch alle amtlich zugelassenen Freiübernachtungsstellen (Amz-Freiünast) erfaßt, kartiert und samt GPS-Koordinaten ins Internet legt.

Damit würde er uns allen aber einen Bärendienst erweisen: Dann hätten wir den „wahren“ Boofentourismus, den Anfang vom Ende.

Aus diesem Grunde haben wir uns mit der Nationalparkverwaltung so geeinigt, daß auf der Homepage der Nationalparkverwaltung eine Liste mit grober Beschreibung erscheinen soll. Wer sich ernsthaft für die Sächsische Schweiz interessiert und sich hier halbwegs auskennt, wird mit den Angaben etwas anfangen können. Andere, die mit Bergsteigen rein gar nichts am Hut haben, werden sich hoffentlich nicht extra einen Kletterführer kaufen, nur um einmal zu boofen. Das ist ein Kompromiß und keine starre Regelung. Nach aktuellem Gesetz ist Boofen schließlich nur „in unmittelbarem Zusammenhang mit Klettern“ erlaubt. Doch die oben diskutierte Bestrafung eindeutiger Härtefälle wie z.B. das Feuern mitten im Wald bei größter Trockenheit scheint mir das dringendere Problem.

Dr. Reinhard Wobst


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