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Blohmers Eck-Weg (*)

(*) andere Bezeichnungen: nicht exakt Kuhsteig, vereinfacht Bahnhofs- oder Eisenbahnerweg genannt

"Von Kleinhennersdorf dem Kuhsteig folgend, stehen wir bald am Steilrande des Elbtals und steigen in wenigen Minuten auf dem Blohmers Eck-Weg an den alten Steinbrüchen auf die Elbstraße hinab und erreichen so den Bahnhof Schandau"

Aus: Heimat- und Wanderbuch Elbsandsteingebirge 1956

Wegführung

Kartenausschnitt mit Blohmers Eck-Weg, Karthographischer Verlag Rölf Böhm

Die steinerne Wegsäule am Kleinhennersdorfer Buswendeplatz weist noch heute den Weg über Blohmers Eck nach dem Schandauer Bahnhof. Der hier beginnende Zugangsweg trägt als heutiger Fahrweg an der Feld-Waldkante die Bezeichnung Kuhsteig. Von diesem zweigt in nordwestlicher Richtung der Elbleitenweg als befahrbarer Forstweg ab. An der Hangkante des Elbtales abzweigend, führt die Blohmers Eck- Weg benannte Verbindung in serpentinenartiger, geschickt dem Gelände eingefügter Wegführung direkt nach dem Schandauer Bahnhof. Nach einem hohlwegartigen Abschnitt wird der Punkt Blohmers Eck auf der Sohle eines aufgelassenen Steinbruches erreicht. Ein kleines, mittels Steinstufen erschlossenes Plateau diente einst als mit Bank versehener Aussichtspunkt. Unter der Leitung des von 1872 bis 1887 wirkenden Oberforstmeisters Blohmer errichtete die Oberforstmeisterei Schandau in diesem Steinbruch einen Schießstand. Dazu gehörte eine große, verschlossene Rindenhütte mit steingesetztem Fundament und der Aufschrift „Blohmers Eck“.

Eine Serpentine unterhalb zweigt links der Mittelhangweg ab, welcher an der Ausmündung des Rietzschgrundes endet. Der folgende, untere Wegabschnitt wurde einst mit hohem Aufwand erschlossen. Sandsteinpflasterung, aus Stein gesetzte Kanten und Wasserableiter sowie historische Geländer mit gedornten Vierkantpfosten belegen dies. Ob dieser Ausbau auf Blohmer, einen seiner Nachfolger in der Oberforstmeisterei oder den Gebirgsverein zurückgeht, ist nach bisherigem Erkenntnisstand noch unklar.

Etwa 20 Höhenmeter über dem Niveau der Gleistrasse befindet sich innerhalb des Staatswaldes eine alte schuppenartige Wasserfassung. Unterhalb dieser, am Forstgrenzstein 166 ist das Wegprofil durch einen sumpfigen Abschnitt von 10 m Länge beeinträchtigt, da hier ein Abflußgraben fehlt. Eine Betontreppe ohne Geländer endet auf einem betonierten Weg, welcher in Richtung Krippen führend, durch ein Gittertor den Bahnsteig 5 erreicht. Auf diesem über drei Meter breiten Bahnsteig läßt sich nun auf bequeme und sichere Weise durch die Unterführung das Bahnhofsgelände verlassen.

Nutzung und Funktion

Zweifellos besaß der Weg für zahlreiche Kleinhenners-dorfer und Papstdorfer Einwohner über Jahrzehnte eine enorme Bedeutung als täglicher Arbeitsweg und kürzeste Verbindung zum Bahnhof. Schließlich wurde der Weg in den 50er oder 60er Jahren sogar mit Beleuchtung versehen. An Betonfundamente angeschraubte Holzmasten trugen eine Freileitung und Lampen. Der obere Abschnitt des Weges wurde noch Ende der 60er Jahre von der Gemeinde Kleinhennersdorf (Nationale Front) mit Rohrgeländer versehen.

Auch die touristische Nutzung ist nicht unterzubewerten. Seit mindestens 1910 bis Anfang der 70er Jahre war der Weg mit Farbmarkierung (zunächst blauer Strich, später gelbes Dreieck) als direkter Zugang zu den linkselbischen Orten und Tafelbergen versehen. Insgesamt ist davon auszugehen, daß in diesem Zeitraum die Bedeutung von Blohmers-Eck-Weg die des zweifellos älteren Täppichsteiges um Größenordnungen überstieg.

Das vorläufige Ende des Weges als politische Willkürmaßnahme

Hohlwegbereich auf der Steinbruchsohle, Foto: R. Prokoph

In den 70er Jahren erfolgten für DDR - Zeiten außergewöhnlich kostenintensive Straßen- und Brückenbauarbeiten im Elbtal um Bad Schandau. Mehrere Faktoren, wie Erdrutsche im eisenbahnseitigen Hangbereich, der Zustand der alten Carolabrücke und die anstehende Streckenelektrifizierung zwangen dazu. Der am Bahnhof befindliche, beschrankte Bahnübergang entfiel. Die bisherige, im Hangbereich verlaufende Straße nach Krippen wurde 1974 durch die Hochstraße ersetzt und teilweise im Zuge von Hangsicherungsmaßnahmen abgetragen. Hangseitig entstand in der Folge ein zusätzliches Gleis, welches dem Transitverkehr vorbehalten blieb. Blohmers Eck-Weg wurde dadurch eigentlich nicht wesentlich beeinträchtigt, sondern sogar im unteren Bereich durch eine neue Betontreppe wieder erschlossen. Politische Gründe gaben vielmehr zu Beginn der 70er Jahre die Entscheidung zu dessen Entmarkierung. Der hangseitige Bahnsteig wurde für den Transitverkehr gemäß des gesteigerten „sozialistischen Sicherheitsbedürfnisses“ mit hohen Betonwänden und Gittertüren abgesperrt.

Als Ersatzweg stellte die Forstverwaltung den verfallenen Täppichsteig mit hohem Aufwand wieder her, auch erhielt dieser Weg erstmals eine farbige Markierung. Zweifellos bildet jedoch der Täppichsteig einen deutlichen Umweg und kann sich auch nicht mit der landschaftlich-kleinräumlichen Attraktivität von Blohmers Eck-Weg messen. Vor allem dessen direkte Anbindung an Bahn, Bus und Fähre sollte Argument genug sein, um Wiedererschließung und Ausschilderung zu planen.

Bereits 1994 unternahm der Kleinhennersdorfer Ortschaftsrat einen Vorstoß, um den Weg wieder offiziell zu eröffnen. Seitens der Deutschen Bahn wurde dies aus angeblichen Sicherheitsbedenken abgelehnt. Durch den Tourismusverband wurde im Vorjahr bekanntlich ein Projekt zur gesamten Umgestaltung des Bahnhofsareals vorgestellt. Darin ist genau an der Stelle des vorhandenen Weges sogar ein Schrägaufzug bis an die Oberkante des Elbtales (!) eingezeichnet.

Die wohl deutlich kostengünstigere, historisch bewährte und notwendige Verbindung „Blohmers-Eck-Weg“ fehlt jedoch in der Planung.

Gebirgsverein Heimatfreunde Kurort Gohrisch e.V.
René Prokoph

Anregungen, Meinungen, historische Informationen und aktive Mitstreiter werden dringend gesucht. Der vorliegende Artikel wurde gekürzt. Quellen- und Literatur-hinweise sind aus Platzgründen nur auf Anfrage bei Herrn Prokoph, Dorfplatz 184, 01824 Kurort Gohrisch erhältlich.



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