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Wiederansiedlung von Haselwild im Elbsandsteingebirge

Eine Nachfrage bei Herrn Holm Riebe von der National-parkverwaltung „Sächsische Schweiz“ ergab, daß durch die Tschechische Nationalparkbehörde die Auswilderung von Haselwild (nicht von Auerwild) vorgesehen ist. Das Haselwild ist, was Lebensraumausstattung und -größe (Habitat) betrifft, unempfindlicher als das Auerwild.

Das Haselhuhn ist eines der heimlichsten, in Mitteleuropa aber das am wenigsten bekannte Wildhuhn. Haselhühner bewohnen Mischwälder mit hohem Nadelholzanteil. Fichtenbestände mit Hasel, Birke, Erle, Espe und Eberesche werden besonders gern angenommen. Die Biotope sollten aber stets abwechslungsreich sein, da besonders im Frühsommer grasige Lichtungen gern aufgesucht werden.

Zur Aufzucht der Küken braucht das Haselwild im Frühsommer eine reichhaltige Insektennahrung. Im Spätsommer dienen Blau- und Preiselbeerbestände, im Herbst und Winter Espen-, Birken- und Erlengebüsche als Nahrungsquelle. Neben Nadelholzdickungen werden diese Gehölze und Gebüsche auch als Deckung und Unterschlupf genutzt.

Der erwachsene Vogel nimmt während der kalten Jahreszeit vorwiegend Knospen von Laubhölzern und Beerensträuchern, im Sommer zarte Blätter und Beeren sowie wenige Insekten auf. Aus diesen Ansprüchen an Lebensraum und Nahrung stellt die reichgegliederte Felsenwelt der Sächsisch-Böhmischen Schweiz ein günstiges Gebiet für eine Auswilderung dar. Das Haselwild toleriert gegenüber dem Auerwild auch die naturferneren Fichtenforsten wesentlich besser, so daß es nicht ausschließlich auf die noch vorhandenen natürlichen oder naturnahen Riffwälder (Leucobryo-Pinetum und Vaccinio vitis-idaeae-Quercetum) angewiesen ist.

Gegenwärtig trifft man es im Gebiet zwischen Lausitzer Bergland und Krkonose (Riesengebirge), dem Bayerischen Wald und der Šumava (Böhmerwald) und im Alpenraum an. Eine Wiederansiedlung im Grenzgebiet zwischen Sächsischer und Böhmischer Schweiz stellt eine interessante Bereicherung der Tierwelt dar.

Gedanken zum Auerwild im Elbsandsteingebirge

Mit der Besiedlung der Gebiete im Elbsandsteingebirge begann zwangsläufig eine Verdrängung des sehr scheuen Auerwildes. Durch den massiven Anbau einschichtiger Fichtenmonokulturen verschlechterten sich in den vergangenen 200 Jahren die Lebensbedingungen für das Auerwild deutlich. Es wurde auf schwer bewirtschaftbare Standorte wie die Felsriffe verdrängt. Mit dem im 19. Jh. aufkommenden Tourismus erfolgte eine Beunruhigung auch entlegenster Felsgebiete und die Auerwildbestände gingen weiter zurück. Durch die Ausbreitung des Klettersportes und den aufkommenden „Abenteuertourismus“ kam es zum Erlöschen der schon stark geschwächten Population. Das letzte frei lebende Auerwild wurde 1969 im Affensteingebiet und 1974 im Großen Zschand nachgewiesen.

Neben einem reich strukturierten Wald, Totholz und kleinen Offenflächen sind eine gut ausgebildete Krautschicht für das Auerwild überlebenswichtig. Durch Bodenversauerung und Nitrateinträge ging in der jüngeren Vergangenheit die Krautschicht stark zurück. Das Auerwild ist auch gegen Beunruhigungen sehr empfindlich. Je Paar sollte der Bestand (Lebensraum) etwa 50 ha umfassen. Eine stabile Population sollte sich aus ungefähr 500 Vögeln zusammensetzen. Steht diesen eine gute Fläche zur Verfügung, müßte das störungsfreie und von strukturiertem Wald bedeckte Areal etwa 2500 ha umfassen. Ist das Gebiet aber beispielsweise durch Fahrwege und Gehöfte zerschnitten, muß von einem Areal von 25.000 ha ausgegangen werden. Eine Sperrzeit, in der das Auerhuhnhabitat keinesfalls betreten werden dürfte, müßte von März bis September erfolgen. Die Winterplätze müßten von Dezember bis Februar störungsfrei bleiben. Eine Wiederauswilderung des Auerwildes im Sandsteingebiet ist sicher ein interessanter Gedanke, aber nur dann erfolgversprechend, wenn einerseits entsprechend große und auch völlig ungestörte, natürliche oder naturnahe Wälder als Habitat vorhanden sind. Um einen stabilen Tierbestand aufzubauen, sind auch entsprechend der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Korridore zu anderen Populationen, die im Erzgebirge/Fichtelgebirge und Bayerischem Wald sowie im Gebiet Lausitzer Bergland bis Krkonose (Riesengebirge) existieren, zu garantieren. Nur so kann ein genetischer Austausch zwischen den einzelnen Beständen erfolgen und einen stabilen Fortbestand von Populationen garantieren.

Dr. Volker Beer

Literatur:



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