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Neues vom Bundesausschuß Klettern und Naturschutz

Das 22. Treffen des Bundesausschusses Klettern und Naturschutz (K+N) fand vom 28.-29.10.2000 in Almos in der Fränkischen Schweiz statt. Damit hatten wir mal wieder die Gelegenheit, die fränkischen Kalksteinfelsen zu begutachten und die bekannte fränkische Gastfreundschaft zu genießen.

Zunächst berichtete die Vorsitzende des Bundesausschusses von den zentralen Aktivitäten und der Arbeit des Naturschutzreferates in München. Im DAV-Vorstand und in der Geschäftsleitung gab es einige personelle Veränderungen und wir hoffen diesbezüglich auf eine starke Unterstützung unserer Arbeit durch die Zentrale. Nachdem der DAV das für den gleichen Termin geplante „Symposium Bergsport21“ abgesagt hat, werden nun langfristig die Aktivitäten zum „Jahr der Berge 2002“ vorbereitet. Einige Mitglieder des Bundesausschusses sind in den internationalen Gremien der UIAA und der CAA tätig und berichteten über ihre Tätigkeit z. B. auf den Gebieten Schutz der Bergwelt und Betretungsrecht. Die Internetseiten des DAV wurden zwischenzeitlich fertiggestellt und erfreuen sich eines regen Zuspruchs. Dort kann man sich auch zum aktuellen Stand der Felssperrungen in den einzelnen Regionen informieren.

Der nächste wichtige Tagesordnungspunkt betraf die Sportklettergebiete im Alpenraum. Bisher war es in dieser Region relativ ruhig gewesen, und der DAV hatte in den vergangenen Jahren (nicht zuletzt auf Wunsch einiger bayrischer Sektionen) diese Gebiete aus dem Tätigkeitsfeld K+N ausgeklammert. Durch eine zunehmend starke und teilweise generalstabsmäßig geplante Erschließertätigkeit in den Voralpentälern erreichen nunmehr die Probleme auch den Alpenraum, und der DAV muß sich dieser Entwicklung stellen. Diese Erschließertätigkeit, deren kommerzieller Aspekt nicht zu übersehen ist, muß in geordnete Bahnen gebracht werden. Dazu sind Abstimmungen mit den Behörden und Kletterkonzeptionen erforderlich. Der Bundesausschuß faßte den Beschluß, das Gremium um drei zusätzliche Vertreter des Voralpenraumes zu erweitern. Weiterhin ist ein DAV-Projekt in Vorbereitung, das sich mit der nachhaltigen Entwicklung der Klettergebiete im deutschen Voralpenraum beschäftigen soll.

Der DAV muß sich zu modernen Formen der Sportkletterbewegung positionieren. Der Trend zum Plaisierklettern ist nicht aufzuhalten. Gleichzeitig nimmt der reine Konsumanspruch gerade unter den jugendlichen Kletterern ständig zu, bei dem auch kommerzielle Aspekte eine immer größere Rolle spielen. Hier müssen wir Farbe bekennen, welche Trends sich mit unseren Grundsätzen vertragen und welche Aktivitäten wir unterstützen wollen. Auf alle Fälle wollen wir nicht die Arbeit leisten, aus der andere Profit schlagen können. In Sachsen werden z. B. schon immer nur die Gebiete betreut, die entsprechend der Regeln erschlossen und beklettert werden.

Weiterhin wurde ein Beschluß präzisiert, der Kletterwettkämpfe auch im Freien nur an künstlichen Kletterwänden erlaubt. Intensiv wurde zu den perspektivischen Aufgaben unseres Ausschusses diskutiert. Hier gilt es, die mühsam aufgebauten Betreuungsstrukturen zu erhalten - gerade in den Regionen, in denen momentan eine gewisse Ruhe eingezogen ist. Wir müssen ständig präsent sein, um auf aktuelle Ereignisse schnell und kompetent reagieren zu können. Dazu gehört auch die kontinuierliche Nachwuchsarbeit in den eigenen Reihen und die permanente Beschäftigung mit juristischen Fragen wie Betretungsrecht, Eigentumsfragen und Verkehrssicherungspflicht.

Die Berichte der Regionalvertreter bestätigten den Trend der letzten Zeit, daß für viele Regionen stabile und akzeptable Lösungen vorliegen. Gerade beim Thema Wanderfalke bewähren sich die flexiblen Lösungen mit fallweisen Sperrungen. In NRW und im Oberen Donautal sieht es allerdings recht hoffnungslos aus, und Übertretungen sind an der Tagesordnung. Dank der guten Ergebnisse bei der Erarbeitung der Wanderwegekonzeption konnte ich von der Sächsischen Schweiz recht Positives berichten. Die wesentlich verbesserte Verhandlungsatmosphäre zwischen den Vertretern der Kletterer und der Nationalparkverwaltung läßt uns auch optimistisch in die Verhandlungen zur Kletterkonzeption gehen. Aus Zittau gab es ebenfalls Gutes zu berichten. Probleme gibt es in den Königshainer Bergen, wo der neue Besitzer für die bedeutendsten Steinbrüche ein totales Kletterverbot ausgesprochen hat.

Das 23. Bundesausschußtreffen fand dann vom 3. - 4.3.01 im Naturfreundehaus Gaistal im Nordschwarzwald statt. Dieses Treffen hatte eine besondere Bedeutung, da hochrangige Vertreter des DAV-Vorstandes anwesend waren. So wollten sich der neue 2. Vorsitzende des DAV, Klaus Strittmatter, und der ebenfalls neue Naturschutzreferent, Manfred Berger, mit dem Bundesausschuß bekannt machen und sich ein Bild über unsere Arbeit machen. Weiterhin war Karl Schrag vom Ausbildungsreferat des DAV anwesend.

Wie immer berichteten zunächst Claudia Irlacher und Jörg Ruckriegel über die laufenden Arbeiten und Schwerpunktthemen des Naturschutzreferates in München. Auf organisatorischem Gebiet gilt es zunächst, die hauptamtliche Betreuung des Themas Klettern und Naturschutz langfristig zu sichern. Die Planstelle von Jörg ist nur bis 12/01 befristet, und eine Entscheidung durch die Zentrale ist notwendig, zumal ein Hauptausschußbeschluß vorliegt, der die hauptamtliche Betreuung zumindest bis 2004 sichert. Der 2.Vorsitzende des DAV, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Verwaltungsausschusses ist und damit die Zusammenarbeit zwischen den ehrenamtlichen DAV-Gremien und der Geschäftsstelle koordiniert, berichtete über seine Bemühungen zur Sicherung der Aufgabenteilung zwischen Haupt- und Ehrenamt. Weiterhin gilt es, die Zusammenarbeit der Referate der Bundesgeschäftsstelle zu intensivieren und Synergieeffekte zu nutzen. Karl Schrag berichtete vom Ausbildungsprogramm des DAV, wie dabei auch moderne Spielarten des Alpinismus und des Skitourismus berücksichtigt werden und wie auf die Belange des Naturschutzes bei der Ausbildung eingegangen wird.

Wie sich beim letzten Treffen bereits abzeichnete, gibt es zunehmende Probleme in den Sportklettergebieten des deutschen Alpenraumes und auch erste Kletterverbote. Von München aus wurden in der letzten Zeit umfangreiche Aktivitäten unternommen, die zuständigen Sektionen für dieses Thema zu sensibilisieren und zur Mitarbeit zu gewinnen. Wie der Südbayrische Sektionentag zeigte, ist hier noch viel Überzeugungsarbeit notwendig, um effektive Betreuungsstrukturen aufzubauen und Behördenkontakte zu pflegen. Leider wurden auch noch keine Regionalvertreter der Gebiete des Voralpenraumes in den Bundesausschuß entsandt, obwohl unser Gremium ein guter Ort für den Erfahrungsaustausch ist.

Unser Ausschuß hat nunmehr ein Positionspapier zum Thema Kletterveranstaltungen in der Natur fertiggestellt und dem Hauptausschuß zur Beschlußfassung vorgelegt. So sind Kletterwettkämpfe generell nur an künstlichen Kletterwänden durchzuführen. Sonstige Sport- und Sektionsveranstaltungen müssen umweltverträglich und außerhalb sensibler Gebiete durchgeführt werden.

Abschließend berichteten die Regionalvertreter, wobei es über die Wintermonate relativ ruhig zuging. Für Nordwest-deutschland und Rheinland-Pfalz wurden die Kletterkonzeptionen fertiggestellt und medienwirksam den Behörden vorgestellt und übergeben. Von der Sächsischen Schweiz konnte ich Positives zum Fortgang der Arbeiten an der Kletterkonzeption für den Nationalpark und über die Umsetzung der Wanderwegekonzeption bericheten. Das Klettern in den Königshainer Bergen ist glücklicherweise wieder möglich. Die ortsansässigen Sektionen konnten einen Pachtvertrag für das Klettern in den Steinbrüchen abschließen.

Hans Hilpmann


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