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Tiefflüge, Grenzweg und Elbestaustufen

Die Folgen des Elbehochwassers vom August 2002, ein Schwerpunktthema des letzten Heftes 19, konnten dank umfangreicher privater und staatlicher Hilfe zumindest materiellminimiert werden, so daß äußerlich in diesem Herbst für den Touristen nur noch an ganz wenigen Stellen die Folgen des Hochwassers sichtbar sind. Ideelle Verluste sind dagegen nicht auszugleichen und manche Betroffene kämpfen noch um den Wiederaufbau ihrer Häuser und wohnen noch immer in Provisorien. Dauerhaft werden die Hochwassermarken an Häusern an das Ereignis erinnern.

Wenigstens dem Elbeausbau und Staustufenbau, vor dem Hochwasser intensiv geplant, gab diese Naturkatastrophe in Deutschland und in Tschechien einen gewissen Dämpfer. Vor allem in Sachsen wird man sich erfreulicherweise auf ein "Zurück zu naturnahen Flüssen" konzentrieren, wie Umweltminister Steffen Flath bei der Vorstellung eines neuen Programms Anfang Oktober 2003 betonte. Hoffen wir, daß diese Initiativen ausstrahlen auf das Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt und auf Tschechien, wo man noch immer an den Plänen für mehr Flußausbau, Staustufen und weniger Natürlichkeit festhält. Ein Beitrag in diesem Heft widmet sich erneut der Problematik.

Im zurückliegenden Jahr 2003 zog das ungeahnte Ausmaß touristischer und jetzt sogar militärischer Tiefflüge große Aufmerksamkeit auf sich. So fühlte sich mancher von uns in die Zeit vor 13 Jahren zurückversetzt, als 1990 das Verbot touristischer Tiefflüge über der Sächsischen Schweiz eine der Hauptforderungen der 50.000 Unterzeichner der Sächsischen-Schweiz-Initiative war. Gutachten zur Lärmbelastung folgten. Als großen Erfolg werteten wir 1995 die Heraufsetzung der Mindestflughöhe in der Nationalpark-Region auf 600 m über Grund. Doch diese gesetzliche Vorschrift wird immer häufiger von touristischen Fliegern mißachtet und erreichte 2003 einen traurigen Rekord. Jedes Wochenende kreisen Flugzeuge tief über den Felsen, selbst über den Kernzonen des Nationalparks. Hinzu kamen erstmals auch militärische Jagdflieger, die mit ohrenbetäubendem Lärm über die Landschaft dröhnen. Alle sind sich einig, von den Kommunen über die Nationalparkverwaltung, die Bergsport- und Umweltverbände bis hin zu Politikern, daß dies nicht die Zukunft für eine Nationalpark-Region sein kann. Dieser Thematik widmet sich der erste Beitrag in diesem Heft.

Neues kann auch vermeldet werden von einer Problematik, die viele Wander- und Bergfreunde bewegt: die geplante Sperrung des Grenzweges im Großen Zschand.

Schon 2001 hatte Lothar Hempel mit seiner Wandergruppe vor Ort gegen die Sperrung protestiert und einen Strafbescheid von der Nationalparkverwaltung bzw. dem Regierungspräsidium erhalten. Um das Anliegen der Wanderer zum Erhalt des einmaligen Wanderpfades auch offiziell zu unterstreichen, organisierte der Sächsische Bergsteigerbund eine Unterschriftensammlung. In deren Ergebnis wurden 4000 Unterschriften im Mai 2003 im Umweltministerium übergeben. Weil der Grenzweg teils auch böhmisches Territorium berührt, wurde das Votum an die tschechische Regierung weitergeleitet.

Zwei Jahre nach der Protestwanderung Lothar Hempels und dem Strafbescheid gegen ihn verhandelte das Dresdner Amtsgericht. Im Sommer 2003 entschied das Gericht, ein Bußgeld gegen Wanderfreund Hempel sei kein geeignetes Mittel, diese Angelegenheit zu lösen. Lothar Hempel bleibt straffrei. Ist das vielleicht ein Fingerzeig für den wohl einzigen noch umstrittenen Wanderweg des Gebirges?

Ein großes Dankeschön möchten wir allen sagen, die seit dem Erscheinen des letzten Heftes 19 erneut gespendet haben. Viele Namen sind uns schon vertraut, denn sie unterstützen unser Anliegen seit Jahren. Wir wollen versuchen, diesem Vertrauen auch weiterhin gerecht zu werden.

Dr. Peter Rölke


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