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Aktuelle Mitteilungen

Neues Renaturierungsprogramm für Flüsse

Am 1. Oktober 2003 stellte Sachsens Umweltminister Steffen Flath ein Programm zur Renaturierung der Flüsse vor. Nach Angaben des Ministers können in Sachsen derzeit nur 30 % der Flußkilometer als naturnah eingestuft werden, über zwei Drittel der 1900 Stauwehre seien für Fische nicht passierbar. Heute sind 21 % der einst in Sachsen vorkommende Fischarten ausgestorben, so Stör, Flunder, Meerneunauge, Maifisch oder Schneider. Viele andere Fische stehen auf der roten Liste der gefährdeten Arten.

Um diesen Artenrückgang zu stoppen, sollen Wehre um- oder ausgebaut werden und Fließgewässer wieder naturnah gestaltet werden. Dafür sind in den nächsten Jahren insgesamt 45 Mio. Euro vorgesehen. Schwerpunkte seien neben der Elbe und der Mulde vor allem Flüsse in der Sächsischen Schweiz und deren Umgebung, wie Lachsbach, Polenz, Wesenitz und Kirnitzsch.

Turm auf dem Großen Winterberg bleibt weiterhin geschlossen

Die Nationalparkverwaltung hatte schon 2002 ein Konzept vorgelegt, um den Turm auf dem Großen Winterberg zu sanieren und für die Öffentlichkeit zugängig zu machen. Das wäre auch im Interesse der Betreiber von Hotel und Gaststätte, die diese Aufgabe selbst aber nicht auch noch in Angriff nehmen können.

Leider gibt es derzeit wieder Diskussionen und Anzeichen, daß das Konzept der Nationalparkverwaltung vielleicht doch nicht genehmigt werden wird. Fest steht: Für Besucher wird es wohl bis auf weiteres keinen interessanten Rundblick vom Turm geben.

Aktion "Sauberes Gebirge"

Wie in jedem Jahr sind auch 2003 viele Naturfreunde, Bergsteiger und Wanderer dem Aufruf zur Aktion "Sauberes Gebirge" gefolgt. Über 250 Teilnehmer nahmen an der Gemeinschaftsaktion von Dresdner Wander- und Bergsteigerverband, Sächsischem Bergsteigerbund und Nationalparkverwaltung teil. Über 100 Säcke Müll wurden abtransportiert, konnte Organisationsleiter Winfried Popelka berichten, davon über die Hälfte aus dem Rathener Gebiet.

Kirnitzschtalstraße wird erneuert

Für viele wird die Fahrt durch das Kirnitzschtal 2003 mit längeren Wartenzeiten verbunden gewesen sein. Grund dafür sind die Arbeiten zur Erneuerung der Straße zwischen Bad Schandau und dem Lichtenhainer Wasserfall. Gleichzeitig werden die Gleise der Kirnitzschtalbahn erneuert. Von den einst geplanten Stahl-Leitplanken, die bei Nationalparkverwaltung, Umwelt- und Bergsportverbänden auf Kritik gestoßen waren, ist man beim Straßenbauamt abgerückt.

Am Profil und an der Breite der Straße soll sich nach Angaben des Straßenbauamtes nichts ändern, vor allem soll der Kopfsteinpflasterbelag durch eine Bitumendecke ersetzt werden, was u.a. zur Minderung der Lärmbelastung führen wird. Wie weit die geforderten Geschwindigkeitsbegrenzungen allerdings eingehalten und Übertretungen tatsächlich geahndet werden, muß die Praxis zeigen.

Gefahr aus Neratovice?

Wer noch den Artikel über mögliche Hochwasserfolgen im tschechischen Chemiewerk Neratovice an der Elbe (vgl. SSI-Heft 19) in Erinnerung hat: Dort ging es unter anderem um Quecksilber und Dioxin, und daß sich insbesondere Dioxin langsam, aber unaufhaltsam über die Nahrungsmittelkette ausbreitet.

Eine Meldung in den "Dresdner Neuesten Nachrichten" vom 25. Juni 2003 bestätigt zwar nicht die schlimmsten Befürchtungen, aber sie zeigt doch, daß, wie erwartet, die Situation von der Werksleitung beschönigt wurde. Zehn Monate nach dem Hochwasser sind "Schwermetalle und Pflanzengifte" in Lebensmitteln aus dem Umfeld des Werkes festgestellt worden. Der Quecksilbergehalt ist um den Faktor sieben höher als normal. Ein Beweis, daß die Stoffe aus dem Werk kommen, ist natürlich kaum möglich. Und in Sachsen sind "bislang keine gesundheitsgefährdende Stoffe in Lebensmitteln festgestellt worden", so ein Sprecher des Sozialministeriums auf Anfrage.

Häntzschelstiege in neuem Glanz

Die Erneuerung der Häntzschelstiege ist abgeschlossen. Unter der Regie der Nationalparkverwaltung erneuerten Firmen aus der Region die steile Stiege. Noch im Frühjahr 1998 hatte die Nationalparkverwaltung in der Presse erklärt, den oberen Teil der Stiege zu sperren. Dies galt als einer der Auslöser für die langen Diskussionen um Wanderwegesperrungen. Mit der Verabschiedung des Wegekonzeptes im Jahr 2001 konnte die Stiege gerettet werden.

Hoffnung für die Endlerkuppe?

Schon seit langem ist die Zukunft des Gebäudekomplexes auf der Endlerkuppe bei Ottendorf unsicher. Seit der Wende 1990 fand sich kein Interessent für das brachliegende Objekt. Im zurückliegenden Jahr 2003 hat die Treuhand jedoch das Objekt verkaufen können. Auf eine spätere Nutzung will sich der Käufer nicht festlegen, behördliche Auflagen für die Art der künftigen Nutzung gebe es nicht.

Brandaussicht weiterhin nur unregelmäßig zugänglich

Nach der Insolvenz des Pächters des Brandhotels gibt es weiterhin Probleme mit dem Offenhalten der Brandaussicht. Oft wird der Zugang zur Aussicht willkürlich zugesperrt. Ein neuer Nutzer konnte trotz intensiver Bemühungen der Stadt Hohnstein noch nicht gefunden werden.

Elbleitenweg nicht für Radfahrer

Der Elbleitenweg soll im Interesse der Wanderer nicht offiziell für Radfahrer geöffnet werden, teilte die Nationalparkverwaltung mit. Dafür soll es einen Lückenschluß für Radfahrer zwischen Nassem Grund und Dietrichgrund über die Untere Affensteinpromenade geben. Auch die alte Kuhstallstraße soll für Fahrräder zugelassen werden.

Blick nach drüben: Nationalpark Böhmische Schweiz

Am 30. April 2004 werden die Grenzen zu Tschechien und Polen noch durchlässiger als bisher. Man sollte das nicht mit der Angst vor allem Neuen sehen, sondern lieber neugierig sein: Was wird dort anders oder sogar besser als bei uns gemacht?

Erfreulich aufgefallen ist vielen Besuchern sicherlich die effektive, unauffällige Beschilderung im Nationalpark Böhmische Schweiz: Die Außengrenze ist außerhalb der Wege mit zwei blauen Ringen um Bäume und Grenzsäulen markiert. Die Kernzone hingegen erkennt man an roten Ringen und kleinen, aber gut sichtbaren grünen Schildern. Ein in Tschechisch und in einwandfreiem Deutsch gut aufgemachtes Faltblatt mit der Besucherordnung klärt über weitere Details auf: Auch dort ist Radfahren nur auf öffentlichen Straßen und gesondert gekennzeichneten Wegen erlaubt (das Netz der Radtrassen, die eigene Nummern tragen, ist übrigens in ganz Nordböhmen hervorragend angelegt und markiert - sogar für Rennradfahrer).

Klettern für Ausländer ist nur möglich, wenn diese einer Mitgliedsorganisation des internationalen Bergsteigerverbandes UIAA angehören. Dazu gehört der SBB, aber nicht DWBV/SWBV (dieses Problem muß noch geklärt werden). Erstbesteigungen sind nur nach vorheriger Genehmigung durch die böhmische Nationalparkverwaltung möglich.

Interessant ein kleines Detail aus Artikel 2, Absatz 2: Das strenge Wegegebot der Kernzone (das analog zu unserem gilt) betrifft nicht die "Bürger, deren Grund- bzw. Immobilienbesitz sich auf dem Gebiet des Nationalparks befindet, sowie deren Angehörige". Ein direkter Vergleich mit unseren Verhältnissen verbietet sich wohl, aber interessant ist es allemal.

An der Alten Poste gilt immernoch das DDR-Bergrecht und hilft der Bergbaufirma Graser

Gilt heute noch irgendwo das Recht der DDR?, kann man sich berechtigt fragen. Ja, im Bergbau. Das alte DDR-Recht ist auch überaus günstig für Bergbaufirmen und ungünstig für die Bürger und den Naturschutz, u.a., weil auch das Mittel der Enteignung eingesetzt werden kann, falls Bürger ihr privates Gelände nicht an Steinbruchfirmen verpachten wollen.

Im Frühjahr 2003 genehmigte das Bergamt Hoyerswerda, daß die Bamberger Firma Graser bis zum Jahr 2015 von Anfang April bis Ende Oktober im Lohmener Steinbruch "Alte Poste" Sandstein sprengen darf. Gegen den Fortgang der Sprengungen halfen bisher weder Einsprüche der Gemeinde Lohmen noch Proteste der Bürger oder Naturschutzverbände. Sogar die Politiker sind sich parteiübergreifend einig, und der Landrat forderte eine Überprüfung, ob privatwirtschaftliche Interessen wichtiger sind als die Lebensqualität der Einwohner. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Umgehungsstraße von Pirna durch wertvolle Natur?

Der "Bund Sächsische Schweiz" hat sich im Juli 2003 an den Oberbürgermeister von Pirna gewandt, die geplante Ortsumgehung südlich von Pirna zu verwerfen, die von der derzeit im Bau befindlichen Autobahnanschlußstelle Pirna über den Kohlberg und die Viehleite führen soll. Beides sind wertvolle Naturräume, zudem ist die Viehleite der einzige, leicht erreichbare Stadtwald Pirnas, so der Sprecher Peter Hildebrand. Alternativvorschläge mit veränderter Linienführung und teilweiser Untertunnelung liegen seit 1998 dem Rathaus vor. Diese wären kurzfristig zwar teurer, sind aber bei volkswirtschaftlich-gesamtgesellschaftlicher Betrachtung, also längerfristiger gesehen, billiger.

Neuer Grenzübergang für Wanderer eröffnet

Noch eine Meldung kurz vor Drucklegung: Am 28. Oktober 2003 wurde der lang erwartete Grenzübergang von den Rabensteinen bei Hinterhermsdorf zur ehemaligen Siedlung Hinterdittersbach (Zadní Jetrichovice) eröffnet. Die noch fehlende Grenzbrücke über die Kirnitzsch wurde von Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz erbaut.

Damit wird jetzt ein großes Gebiet der Böhmischen Schweiz auch von Hinterhermsdorf aus gut erwanderbar. In Verbindung mit dem Wander-Grenzübergang Khaatal eröffnen sich auch neue Möglichkeiten für Rundwanderungen, vorbei an der Balzhütte, am Schwarzen Tor und der Wolfstafel.

Zusammenstellung der Meldungen:
Dr. Reinhard Wobst / Dr. Volker Beer / Dr. Peter Rölke


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