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Flächennaturdenkmale der Nationalparkregion Sächsische Schweiz (8)

Der Krauschegraben

Das an der Nordostgrenze der Sächsischen Schweiz gelegene Sebnitztal ist aufgrund seiner abseitigen und ruhigen Lage sowie seiner durch die Morphologie des steilhängigen Tales bedingten wirtschaftlichen Ungunst ein reich strukturierter Lebensraum, der eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Pflanzengesellschaften aufweist. Im Gebiet, welches eigentlich zum Naturraum Westlausitzer Hügel- und Bergland gehört, sind noch häufig natürliche Wälder mit der entsprechenden Fauna und Flora anzutreffen. Deshalb befinden sich im Mündungsbereich des Schwarzbaches mehrere Flächennaturdenkmale.

Eines der interessantesten, besonders im Hinblick auf seine Artenaustattung, ist der Krauschegraben. Das Flächennaturdenkmal wurde 1990 mit einer Fläche von 4 ha ausgewiesen und befindet sich unterhalb des Ortes Mittelndorf in einer Höhenlage von 170 – 215 m ü.NN. Es repräsentiert in seinem überwiegenden Teil ein bachdurchflossenes, tief eingeschnittenes Kerbtal im Granit (Granodiorit) mit einer bedeutsamen Waldvegetation und der dazugehörigen Bodenflora.

Blühende Mondviole. Diese im Volksmund auch Silberblatt genannte Art, hat im Krauschegraben ihr größtes sächsisches Vorkommen

Die Ausweisung des Flächennaturdenkmales galt der Sicherung des wohl größten ostsächsischen Vorkommens der Mondviole (Lunaria rediviva), einer montan verbreiteten Schluchtwaldpflanze, deren nördliche Verbreitungsgrenze durch das Elbsandsteingebirge geht. Die Charakterart des Bergahorn-Eschen-Schluchtwaldes wächst gern in luftfeuchten Lagen auf lockeren, meist steinigen und frischen Böden.

Neben diesem bemerkenswerten Pflanzenvorkommen bildet jedoch der zum Teil hervorragend ausgeprägte Schluchtwald (Lunario–Aceretum) in Verbindung mit einem Bach-Eschenwald (Carici remotae-Fraxinetum) durch seine sehr charakteristische und naturnahe Bodenvegetation einen wichtigen Naturschutzinhalt. Besonders hervorzuheben sind hier Bodenpflanzen wie Moschuskraut (Adoxa moschatelliana), Neunblättrige Zahnwurz (Dentaria enneaphyllos), Waldmeister (Galium odoratum) und Waldbingelkraut (Mercurialis perennis), während bei den Baumarten die Hainbuche (Carpinus betulus) und die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) dominieren.

Durch neuere faunistische Untersuchungen im Rahmen eines Gutachtens, welche durch das Tierkundemuseum Dresden (Herr Dr. Krause) durchgeführt wurden, stellte man in dem kleinen Schutzgebiet immerhin 13Laufkäferarten fest, darunter Arten wie der Zarte Berglaufkäfer (Carabus linnei), der Hainlaufkäfer (Carabus nemoralis) und die montan verbreitete und in Sachsen stark gefährdete Käferart Trechus pulchellus. Auch der im Gebirge verbreitete Rüsselkäfer (Leiosoma deflexum) wurde nachgewiesen.

Hangschuttwald im FND Krauschegraben

Bemerkenswert ist ebenfalls die Kleinsäugerfauna, wo neben der Wald- und Zwergspitzmaus die Rötelmaus und die Zwergmaus festgestellt wurden. Als Besonderheit aber wurde die Kleinäugige Wühlmaus (Microtus subterraneus) hier nachgewiesen, eine seltene in Bachtälern und lichten Laubwäldern lebende Kleinsäugerart. Auch konnte der Hermelin in dem Schutthang beobachtet werden, der hier in unterirdischen Hohlräumen seine Jungen großzieht. Bedingt durch eine reiche Flora und Vegetation ist also auch eine artenreiche Tierwelt anzutreffen, was das Flächennaturdenkmal besonders wertvoll macht.

Als Pflegemaßnahme für den naturnahen Schluchtwald ist eine ungestörte und möglichst nutzungsfreie Entwicklung zu gewährleisten. Bei dem zum Flächennaturdenkmal gehörenden Fichtenforst sollte baldmöglichst mit einer gezielten Überführung in standortgemäße Laubwaldbestockung begonnen werden.

Holm Riebe
Nationalpark- und Forstamt Sächsische Schweiz


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