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Falkenreport 2003

Ich denke, es ist wieder an der Zeit, kurz über die Entwicklung der heimischen Falkenbestände zu informieren.

Positiv verläuft weiterhin die Entwicklung der heimischen Population des Wanderfalken (Falco peregrinus). Im Frühjahr waren zwölf Wanderfalkenpaare bekannt, dazu kommen noch fünf im böhmischen Teil. An einigen weiteren Plätzen hielten sich unverpaarte vorjährige Falken im Jugendkleid auf. Insgesamt flogen 27 (4x2, 1x3, 4x4) Jungvögel aus, hinzu kommen noch sechs flügge Jungfalken in zwei böhmischen Horsten.

Nicht gebrütet wurde am neuen Platz an den Rabensteinen, wo das Weibchen auch noch das Jugendgefieder trug. An der Großen Gans wurde die Brut zeitig aufgegeben – das Männchen war verschwunden. Das Weibchen verpaarte sich kurz darauf mit einem Männchen vom Vorjahr, welches vorher mit einem ebenfalls vorjährigen Weibchen in den Weißen Brüchen lebte.

Gänzlich unerklärlich ist für mich aber das Verschwinden der vier Jungfalken am Pfaffenstein wenige Tage nach deren Beringung. Es gibt für mich keine eindeutige Erklärung. Die Jungfalken wiesen zwar starken Zeckenbefall auf, doch hätte ich dann beim Einseilen in den Horst die toten Jungvögel, oder deren Reste finden müssen. Oder hatten die am selben Felsen lebenden Raben diese bereits „entsorgt“? Habicht und Uhu kommen als Horsträuber wohl nicht in Frage, da das Felsloch zu tief und zu eng ist. Aber vielleicht haben wir hier gar den ersten Fall einer Aushorstung? Viele Fragen – keine Antwort.

Auch im böhmischen Gebietsteil verschwanden die Eier aus zwei Horsten und an einem dritten Horst brütete das Weibchen, wie schon im Vorjahr, über die Zeit auf abgestorbenen Eiern.

Am Kleinen Zschirnstein wurden vier Jungfalken flügge, es hatte also geklappt mit der Bewachung. Die gleiche Anzahl Jungvögel verließen Ende Mai den Horst im Glasergrund. Hier konnte beim Durchsehen der Gipfelbücher der gesperrten Felsen nicht eine Übertretung festgestellt werden. Ganz anders am Pfaffenstein, wo wir glaubten, heuer auch ohne Bewachung auszukommen. 25 Besteigungen der Klamotte mit 76 Personen waren im Gipfelbuch dokumentiert – und wohl nicht jeder beweist seinen „Heldenmut“ bei der Besteigung eines gesperrten Gipfels mit einem Eintrag ins Gipfelbuch. Vielleicht hätten wir bei einer Bewachung auch genaueres zum Brutverlust erfahren? Auch im Gipfelbuch der Tiefblickspitze im Brandgebiet fanden sich Einträge von Besteigungen während der Sperrzeit.

Rot beringter Turmfalke, Foto: Ulrich Augst

Alles in allem steigt der Wanderfalkenbestand im sächsischen Teil des Elbsandsteingebirges stetig weiter an und geringe Brutverluste werden sicher durch hohe Jungvogelzahlen in anderen Horsten ausgeglichen. Zur Ergänzung sei hier noch erwähnt, daß am Oybin im Zittauer Gebirge erstmals drei Jungfalken flügge wurden.

Eigentlich nichts Neues gibt es vom Würgfalken (Falco cherrug) zu berichten. Nachdem in den Jahren 2000 und 2001 zum ersten Mal seit dem Auftreten der Art im Jahre 1996, je zwei Jungvögel flügge geworden waren, hielt sich in diesem Jahr, wie schon im Vorjahr, nur das Weibchen im Frühjahr am ehemaligen Brutplatz auf.

Sehr schlecht war es um den Turmfalken (Falco tinnunculus) bestellt. 2003 war kein gutes Mäusejahr! Konnte ich vergangenes Jahr noch 27 Paare bestätigen, waren es heuer mit Sicherheit nicht mehr als 17 in den Sandsteinfelsen des Elbsandsteingebirges. Zum ersten Mal gab es genau so viele Wanderfalken- wie Turmfalkenpaare innerhalb der Grenzen des Nationalparkes. Im Rathener Felsgebiet und im Polenztal fand ich überhaupt keine Turmfalken mehr.

Turmfalkenberingung 2003 an der Orgelpfeifenwand am Pfaffenstein

Brutverluste stellte ich an der Großen Hunskirche und am Zirkelstein fest. Am Pfaffenstein beringte ich drei Bruten mit 1x3 und 2x4 Jungvögeln. Ebenfalls vier Jungvögel flogen an der Festung Königstein aus. Im Nationalpark waren es 2x3, 2x4 und 2x5 Jungvögel und bei den anderen Bruten war die genaue Anzahl der flüggen Jungfalken nicht festzustellen.

Seit 1999 führe ich im Elbsandsteingebirge ein spezielles Farbberingungsprogramm durch mit der Fragestellung: Brüten an Felsen aufgewachsene Turmfalken wieder an Felsen und kommen sie in ihre Heimat zurück? Dazu werden die Jungvögel – immerhin schon über 100 – der in Sandsteinfelsen horstenden Paare mit roten Vogelwartenringen markiert. Es gelang erst ein Wiederfund im Jahre 2002 an der Großen Gans, doch war das Männchen schon ein Jahr später nicht mehr nachzuweisen.

Sollte also jemand einen Turmfalken mit rotem Ring beobachten, bitte ich um eine Mitteilung.

Ulrich Augst, Nationalparkverwaltung


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