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Auswahl von Meldungen zu militärischen und touristischen Tiefflügen 2004

18. April 2004 (Sonntag)
ganztägig eine Vielzahl von touristischen Überflügen im Bereich Rathen/Rauenstein; sonniges Wetter
18. April 2004 (Sonntag)
13.15 Uhr; Überflug Pfaffenstein, Schrammsteine, Großer Dom, Hohe Liebe, Lilienstein
28. April 2004 (Mittwoch)
gegen 10.00 Uhr; Jagdflugzeug-Überflug des Cottaer Spitzberges aus Richtung Dresden kommend in die Sächsische Schweiz fliegend; enormer Lärm
4. Mai 2004 (Dienstag)
10.25 Uhr; Tornado ca. 50 m über dem Hockstein (bei Hohnstein), von Süd kommend
6. Juni 2004 (Sonntag)
12.52 Uhr; touristischer Rundflug ca. 300 m im Rathener Gebiet über dem Plateau um den Talwächter
8. Juni 2004 (Dienstag)
15.04 Uhr Militärflugzeug bei Hohnstein östlich des Kleinen Halbens ca. 200 m über Grund; enormer Fluglärm!
15. Juni 2004 (Dienstag)
19.00 Uhr: Überflug Militärflugzeug über den Bärensteinen von Südwest nach Nordost; ca. 500 m Höhe
20. Juni 2004 (Sonntag)
von 10 bis 13 Uhr kamen aus Richtung Bastei in Richtung Hohnstein 4 Propellermaschinen mit großem Lärm über den Raaber Kessel
23. Juni 2004 (Mittwoch)
11.48; 11.50 und 11.53 Uhr: drei Tornadoüberflüge über Rathen; ziemlich tief
27. Juni 2004 (Sonntag)
9 Uhr; Motorsegler kreiste mehrfach über dem Schmilkaer Kessel
30. Juni 2004 (Mittwoch)
14.43 Uhr: Tornado über Rathen; von West nach Ost
30. Juni 2004 (Mittwoch)
15.35 Uhr: zwischen Mittelndorf und Lichtenhain 2 Tornados sehr tief; flogen in Richtung Königstein, grauenhafter Lärmpegel; Erinnerung bei den alten Damen an den Krieg wurden wach!
30. Juni 2004 (Mittwoch)
15.37 Uhr: 2 Jagdflugzeuge in extremer Tiefe; Überflug Hochfläche bei Mittelndorf von Norden bis zu den Schrammsteinen, dort Wendung nach Westen
1. Juli 2004 (Donnerstag)
14.25 Uhr; über der Festung Königstein, ca. 100 m über Festungsplateau, von Südwest kommend
15.35 Uhr; 2 Tornados zwischen Festung und Lilienstein, ca. 20 m über dem Festungsplateau über der Elbe; Entfernung zur Festung 100 m; gekommen aus Nordost; Weiterflug über den Elbbogen
6. Juli 2004 (Dienstag)
Zwei Tiefflieger aus meiner Wohnung in Gohrisch festgestellt. Sie flogen zweimal 16.00 und 16.05 Uhr von Süden kommend über den Gohrischstein, Papststein bis hinter den Kleinhennersdorfer Stein. Dort Wendung und steiler Sinkflug ins Elbtal. Dieses in extrem niedriger Höhe nach Westen, Flughöhe ca. 100 m unter dem Liliensteinplateau! Außerdem ganz knapp um die Westkante. Kann ich von mir aus sehr gut einschätzen!
7. Juli 2004 / 30. Juni 2004 (Mittwoch)
Anzeige der Nationalparkverwaltung beim Luftwaffenamt in Köln wegen Tiefflug von 2 Jagdflugzeugen Typ Tornado im Elbtal am 30. Juni und am 7. Juli 2004; Höhe 150 m über Grund; das Luftwaffenamt meint im Antwortschreiben vom 31. August 2004, es wären 300 m über Grund (d.h. Elbspiegel, und somit immernoch in Höhe Festungsmauer / Liliensteinplateau)
24. Juli 2004 (Sonntag)
mehrere touristische Tiefflieger über dem Dom in den Affensteinen; nur ca. 50 -100 m Höhe
6. August 2004 (Freitag)
Mitten in der Kernzone, über der Weberschlüchte kam ein weißer Sportflieger mit ziemlich lautem Motor kaum 150 m über Gipfelhöhe angeflogen. Er zog direkt Richtung Grenze und drehte auf böhmischer Seite überm Gabrielensteig wohl noch tiefer (es war nicht genau zu beobachten) seine Runden. Leider kein Kennzeichen erfaßt.
17. August 2004 (Dienstag)
14.43 Uhr; Kennzeichen: D-EMHN; Kurs: etwa aus Richtung Schrammtor direkt über den Klettergipfel „Eunuch“; Orange; Flughöhe keine 100 m über dem Gipfel
19. August 2004 (Donnerstag)
14.40 Uhr; Rot-weiße einmotorige Sportmaschine Anflug aus Süd über Vorderen Torstein; Abflug Richtung Jungfer/Mittelwinkel ca. 100 m über Grund bzw. 50 m über den Gipfeln
25. August 2004 (Mittwoch)
über der Festung Königstein Tiefflüge: 11.07 Uhr ein Tornado von Südost kommend, nach Südwest fliegend, die Flughöhe über der Festung ca. 100m; 11.40 Uhr zwei Tornados von West nach Ost fliegend, ca. 50 m über der Festung, dann eine Kurve fliegend und noch einmal über der Festung und von Ost nach West weiter Richtung Nord. Nach Aussage der Imbißbetreiberin an der Blitzeiche ist seit längerer Zeit kein Tornado über der Festung geflogen (Sommerpause ?).
12.00 Uhr ein Sportflugzeug, leider keine Nummer o.ä. erkannt, Farbe rot/weiß, das gleiche Flugzeug flog nochmals 12.45 Uhr in ca. 100 m über der Festung.
26. August 2004 (Donnerstag)
13:43 Uhr; Transportflugzeug der Bundeswehr flog über Rathen in Richtung Amselsee; Höhe 150m
29. August 2004 (Sonntag
)
Motorsegler am Sonntag gegen 11 Uhr über der „Griechen“-Gruppe im Bielatal. Wir standen noch unten in der Kohlschlucht als der Flieger uns von Ost nach West überquerte. Größe deutlich mehr als Daumenbreite (2°), Kennzeichen EJD60 (o.ä.) mit bloßem Auge, 3 Zeugen.
5. September 2004 (Sonntag)
vormittags ca. 20-25 Rundflüge touristischer Art über Bastei/Wehlgrund; ein Sportflugzeug 3 Runden über dem Wehlgrund sehr tief gekreist; Flugbetrieb nur bis zum frühen Nachmittag (wohl wegen der Thermik?); sonniges, klares Wetter
13. September 2004 (Montag)
Tornado über der Bastei ca. 100 m Höhe
13. September 2004 (Montag)
16 Uhr und 16.15 Uhr (letztere Zeit wahrsch. Rückflug); zwei Kampfjet-Überflüge in Rathen entlang der Elbe
16. September 2004 (Donnerstag)
16: 35 Uhr; 3 Kampfflugzeuge über Rathen rechtes Ufer in Richtung Lilienstein; Höhe ca. 250 m
16. September 2004 (Donnerstag)
zwei Tornados zwischen 16.30 und 16.45 Uhr unterhalb der Schrammsteine im Elbtal, max. 100 m über der Elbe bis Schmilka; drehten über Schmilka ab nach Reinhardtsdorf-Schöna; 3 Runden fliegend
16. September 2004 (Donnerstag)
16.33 Uhr; 3 Tornados fliegen nacheinander von West in 100m Höhe über der Elbe in Richtung Großer Winterberg
16. September 2004 (Donnerstag)
Militärflug über dem Heringsgrund im Schmilkaer Gebiet und über dem Kleinen Winterberg
16. September 2004 (Donnerstag)
16.33 Uhr: Lehnsteig; 150 m Flughöhe über Grund, wolkig, drei Militär-Jagdflugzeuge kamen aus nördlicher Richtung; zwei davon fliegen eine scharfe Kurve nach Osten und wieder zurück nach Norden – etwa Sebnitz; das einzelne Flugzeug Richtung Westen etwa Kleingießhübel, dann wieder nach Norden in Richtung Königstein;
Belästigung: durch die bei diesen Flugmanövern nötige hohe Triebwerksleistung und tiefen Flug entstand sehr hohe Lärmbelästigung, verstärkt durch den Wiederhall der Felsen
18
. September 2004 (Sonnabend)
ca. 20.00 Uhr: es handelt sich häufig um zwei einmotorige Propellermaschinen, welche größere Kreisbewegungen um den Lilienstein fliegen
19. September 2004 (Sonntag)
kleines Sportflugzeug; weiß ohne Kennung gegen 14.30 Uhr überm Kleinen Zschand, aus Richtung Bad Schandau kommend, weiter nach Norden
19. September 2004 (Sonntag)
gegen 14.30 Uhr: Überflug Sportflugzeug ca. 50 m über Domwächter/Rohnspitze; vom Bloßstock/Brosinnadel kommend in Richtung Schmilka (wahrscheinlich dasselbe Flugzeug wie vorige Meldung vom Kl. Zschand)
3. Oktober 2004 (Sonntag)
bei gutem, sonnigem Wetter von 10.30 bis 13.00 Uhr allgemeines „Flugfest“ in der Sächsischen Schweiz; Beobachtungen beim Wandern von Wehlen über Rathen, Waitzdorfer Höhe bis ins Sebnitztal; besonders schlimm in Rathen; wahrscheinlich eine Cesna aus Großenhain mit dunkelblauen Tragflächen und weißem Rumpf;
3. Oktober 2004 (Sonntag)
15.30 Uhr: touristischer Überflug Schmilkaer Gebiet, beobachtet von der Wenzelwandaussicht; Flugzeug kam aus Richtung Großer Winterberg, kreiste mehrfach über dem Schmilkaer Kessel
3. Oktober 2004 (Sonntag)
16.47 Uhr: Motorsegler überfliegt tief Schmilka, beobachtet vom Bahnhof Schmilka-Hirschmühle
5. Oktober 2004 (Dienstag)
15.24 Uhr: Düsenjäger flog im Tiefflug aus Richtung Bastei kommend über den Hirschgrund in Richtung Rauenstein
10. Oktober 2004 (Sonntag)
ab Mittag, als sich der Nebel gelegt hatte, erfolgte eine Vielzahl (ca. 15) von touristischen Überflügen im Rathener Gebiet zwischen Bastei und Raaber Kessel; teilweise wurden Kreise oberhalb der Felsen geflogen

Ein „klein wenig“ sind Touristen und Wanderer schon erschrocken, wenn sie nichts ahnend auf der Festung Königstein oder auf dem Lilienstein stehen, auf die Elbe hinabschauen und plötzlich gibt es ohrenbetäubende Donnerschläge. Nur mit Mühe erkennt man, daß gerade entlang des Elbbogens zwei oder drei Jagdflugzeuge mit hoher Geschwindigkeit entlangrasen. Wenige Minuten später folgt das gleich noch einmal in Gegenrichtung...

Schon 2003 hatten diese Tiefflüge verstärkt stattgefunden (siehe auch das letzte SSI-Heft 20), deshalb hatten wir im Frühjahr 2004 die Mitglieder des Sächsischen Bergsteigerbundes aufgerufen, Überflüge zu notieren und zu sammeln. Die Resonanz war ausgesprochen gut und jetzt sind wir in der Lage, erstmalig eine Übersicht mit Beispielen erstellen zu können. Ein Auszug der Meldungen ist auf den folgenden Seiten zu finden.

Was sind die Ergebnisse?

Auffällig ist bei den militärischen Übungsflügen zum einen eine Häufung in bestimmten Wochen und sogar an bestimmten Tagen. Zum anderen wird wohl prinzipiell nur wochentags und bei gutem Wetter geflogen.

Besonders oft beflogen wird das Elbtal. Hier scheint man zu üben, sich vor dem Radar des Feindes zu verstecken. Dies unterstrichen Pressemeldungen u.a. in den Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) vom 1.Oktober 2004, nachdem die Bundeswehr eine Informationsveranstaltung durchgeführt hatte. Luftwaffenoffizier Hartmut Schwarm sagte gegenüber der Presse, daß man bei einem gut gerüsteten Feind in der Höhe keine Chance gegen das Radar hätte, deshalb muß man so tief wie möglich fliegen, um sich vor dem Radar zu verstecken. Und zwischen zwei Bergen wäre das perfekt möglich.

Soweit die militärischen Aspekte.

Touristen, Wanderer, Bergsteiger und Naturschützer sehen die Wertigkeit verständlicherweise anders. Sie stellen die Frage: Ist es denn gerade in einer touristisch vielbesuchten und bedeutenden Landschaft wie der Sächsischen Schweiz so unabdingbar notwendig, militärische Tiefflüge durchzuführen? Sollte eine Nationalpark-Region nicht besser ausgespart bleiben?

Inzwischen wächst der Unmut. Als am 16. September 2004 drei Tornados nacheinander von Westen durch das Elbtal schossen, sah sich sogar ein Dampferkapitän genötigt, den Gästen den Vorfall über Bordlautsprecher zu kommentieren in etwa mit den Worten: „Wir sind hier in einem Nationalpark und nicht auf einem Truppenübungsplatz.“ Beschwerdeanrufe beim „Sorgentelefon“ der Luftwaffe in Köln häuften sich.

Auch die Nationalparkverwaltung stellte im Juli eine Anzeige zu Tiefflügen am 30. Juni und am 6. Juli 2004 an das Luftwaffenamt in Köln. „... bei aller Zurückhaltung und allem Respekt gegenüber Ihren Aufgaben vermögen wir Tiefflüge in nur 500 Fuß (ca. 150m) über Grund in einem Schutzgebiet der international höchsten Schutzkategorie (Nationalpark) gegenüber Bürgern, die durch Verbote und Gebote in der Schutzgebietsverordnung belastet werden, nicht zu rechtfertigen,“ schreibt die Nationalparkbehörde. Und weiter: „Die erhaltenen Hinweise von Bürgern und eigene Beobachtungen lassen den Eindruck zu, daß mehrfach auch extreme Tiefflüge über Ortschaften und Städten der Region erfolgten und auch keine Rücksicht auf den seitlichen Abstand zu aufragenden Tafelbergen und Felsgruppen genommen wurde. ...“

In der Antwort bestätigt das Luftwaffenamt nach Prüfung die Flüge in Höhen von 500 Fuß (ca. 150 m) und 1000 Fuß (ca. 300 m). Zum Vergleich: die Elbe liegt bei Königstein ca. 115 m ü. NN, das Festungsplateau bei 360 m ü.NN und der Lilienstein bei 415 m ü.NN. Das heißt, die Kampfflugzeuge flogen ca. 265 m ü. NN, das sind ca. 100 m unter der Festungsmauer und 150 m unter dem Liliensteinplateau.

Auch Überflüge über den Kernzonen des Nationalparks gehören zur Normalität, wie Meldungen und u.a. unser Leserbrief (Seite 40) bestätigen. In einer Meldung zu Flügen am 30. Juni 2004 fühlte sich eine Gruppe älterer Damen sogar an den Krieg erinnert.

Die mit Abstand meisten Meldungen erreichten uns vom 16. September 2004. An diesem Tag war ein „Geschwader“ von mehreren Kampfjets im Einsatz, das Runden im Gebirge drehte. Dabei ergänzen sich die Meldungen der unabhängig voneinander agierenden Beobachter vortrefflich und man kann sogar Flugstrecken nachvollziehen: von Rathen vorbei am Lilienstein, dann durch das Elbtal unterhalb des Vorderen Torsteins bis nach Schmilka und anschließend durch den Heringsgrund und über den Kleinen Winterberg.

Ob die Wächter des „Skyguard“ genannten Überwachungssystems der Bundeswehr den Flugplan dieser Septemberwoche kannten? Sie machten zufällig eine Woche später Station auf dem Lerchenberg bei Possendorf (nahe Dresden). Weil ihr System aber nur 20 km weit kontrollieren kann, wird die Sächsische Schweiz dabei nicht überwacht. Zufällig war auch schlechtes Wetter, es übte also niemand, somit wurde auch kein Vergehen festgestellt.

Doch nicht nur die militärischen Tiefflüge sind ein Problem. Sozusagen im Schlepptau der Militärflieger kommen verstärkt touristische Flugzeuge in die Region, die die vorgeschriebene Flughöhe von 600 m über Grund fast durchweg weit unterschreiten. An jedem (!) sonnigen Wochenende fand 2004 ein intensiver Flugbetrieb in der Vorderen Sächsischen Schweiz, z.B. über Rathen, in niedrigen Höhen (teils nur 50 m über den Felsen) statt. Aus der Hinteren Sächsischen Schweiz gibt es weniger Meldungen, die Flughöhen sind aber genauso niedrig. Außerdem ergeben die Meldungen sogar, daß einzelne, bestimmte Maschinen immer wieder auftauchen. Werden hier Rundflüge angeboten?

Mit der Sammlung der Daten für 2004 ist der erste Schritt getan. Mit diesen Fakten werden wir versuchen, öffentlichkeitswirksam zu arbeiten und zu informieren. Zumindest bei den zivilen Tiefflügen gibt es in Sachsen eine Zuständigkeit, das Luftfahrtsamt in Dresden. In den nächsten Wochen werden wir versuchen, mit diesem Amt Kontakt aufzunehmen und dort über eine Kontrolle der Einhaltung der Mindestflughöhen von 600 m über Grund zu sprechen.

Dr. Peter Rölke


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