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Der Borkenkäfer in der Sächsischen Schweiz im Jahr 2004

Das Jahr 2003 war für den Wald in vielerlei Hinsicht ein extremes Jahr: langanhaltende Trockenheit, hohe Temperaturen sowie starke UV-Strahlungseinwirkung verbunden mit hohen Ozonkonzentrationen. Ein Vorgeschmack auf das, was uns laut Klimaprognosen verstärkt erwartet. Den Borkenkäfern gefielen diese Witterungsbedingungen ausnehmend gut, sie bohrten emsig unter der Rinde der kränkelnden Fichten und vermehrten sich in 2-3 Generationen in einem Maße, das der Forstwirtschaft das Gruseln lehrte.

In Heft 20 berichteten wir über Ips typographus, den Borkenkäfer, und das bange Hoffen auf ein Ende der trockenen Witterung, einen strengen Winter mit viel Frost und Nässe sowie ein feuchtes Frühjahr 2004.

Nun im Herbst 2004 kann vorerst Bilanz gezogen werden: Die erwarteten schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetreten, aber ein großes Potential an Käfern ist noch vorhanden. Die feuchte Witterung im Frühjahr und Frühsommer hat einerseits die Wasserversorgung der Fichten verbessert und andererseits die weitere Massenvermehrung des Ips typographus verlangsamt. Allerdings wurden erst im Juni 2004 viele der am Ende der Schwarmzeit 2003 befallenen Bäume als „Käferbäume“ erkannt.

Der stärkste Befall in Sachsen trat in den Gebieten des Hügellandes und der unteren Berglagen auf, die Erzgebirgskammlagen verzeichneten vergleichsweise weniger „Käferbäume“ (in der Fachsprache als „Stehendbefall“ bezeichnet).

Vergleicht man die auf den Webseiten des Landesforstpräsidiums veröffentlichten Karten zur regionalen Verteilung des Borkenkäferbefalls von Ende Mai und Ende August 2004, wird der Rückgang des Stehendbefalls deutlich. Das Gebiet der Sächsischen Schweiz ist linkselbisch (Forstamt Cunnersdorf) geringer betroffen als im rechtselbischen Teil. Von 1000-2000 m3 Stehendbefall im Mai blieben Ende August linkselbisch noch max. 250 m3 übrig. Auf dem Gebiet des Nationalpark- und Forstamtes Sächsische Schweiz ist ein Rückgang von 2000-4000 m3 auf 500-1000 m3 zu verzeichnen. Etwas besser sieht es im Forstamtsbereich Langburkersdorf aus.

Ips typographus ist noch im Wald zugange. Ständige Kontrolle und schnelles Handeln sind nach wie vor notwendig, um eine befallene Fichten zu erkennen und weitere Verbreitungen zu verhindern (durch Einschlagen, Entrinden und Entfernung aus dem Wald). So wird es auch in der Pflegezone des Nationalparkes gehandhabt.

Werden in der Kernzone befallene Bäume festgestellt, wird das Gefährdungspotential geprüft. Befallene Bestände werden nicht in jedem Fall sich selbst überlassen (z.B. bei angrenzendem Privatwald), aber eine natürliche Lösung des Problems wird angestrebt. Einerseits sind die Fichtenbestände in der Kernzone nicht so ausgedehnt, daß riesige Flächen Totholz entstehen würden (wie im Bayrischen Wald), andererseits sorgt genügend Naturverjüngung für einen Wiederbewuchs mit Mischwaldcharakter. In gewissem Sinne arbeitet hier der Borkenkäfer für einen naturgemäßen Waldumbau. Im Großen Zschand wird zu Forschungszwecken die Entwicklung eines befallenen Bestandes kontinuierlich beobachtet.

Die Gefahr durch Ips typographus für den Wirtschaftswald hat sich also im Jahr 2004 verringert, ist aber nicht gebannt. Wie sich die Witterung entwickeln wird, wissen wir nicht, aber der Sommer 2003 wird nicht der letzte Extremsommer sein. Treffen die Klimaprognosen für Sachsen zu (siehe Artikel S.17), wird der allmähliche Klimawandel zum allmählichen Wandel der Waldgesellschaften führen. Die Käfer haben hier ein Wörtlein mitzureden, denn sie lieben Trockenheit und Wärme, und sie mögen geschwächte und kranke Bäume. Und diese wird es unter veränderten Klimabedingungen und bei erhöhten Ozonkonzentrationen (siehe Artikel unten) auch weiterhin geben.

Insofern werden die kommenden Jahre für die Forstwirtschaft sehr interessant werden. Auch in Anbetracht leerer Staatskassen dürfen keinesfalls die Mittel für naturgemäße Waldwirtschaft sowie für Waldschadensmonitoring und -forschung noch weiter reduziert werden; es könnte sonst sehr bald ein böses Erwachen geben.

Elke Kellmann


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