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Neues und Interessantes aus der Vogelwelt des Elbsandsteingebirges im Jahr 2004

In meinem diesjährigen Report sollen nicht nur die Bestände der heimischen Falken dokumentiert werden, sondern auch Positives und Negatives aus der heimischen Avifauna erzählt werden.

Vom scheuen Schwarzstorch (Ciconia nigra) konnten dieses Jahr vier Felsenhorste bestätigt werden, drei davon liegen im rechtselbischen Gebietsteil. Es flogen dreimal vier und einmal drei Jungvögel aus. Auch im böhmischen Nationalpark kam es zu erfolgreichen Bruten, so daß man die kleine Sandsteinpopulation durchaus als stabil bezeichnen kann und möglicherweise noch weitere Horstplätze zu finden wären. Zumindest deuten Beobachtungen darauf hin.

Weiterhin positiv verläuft die Entwicklung der heimischen Population des Wanderfalken (Falco peregrinus). Im Frühjahr waren 13 Wanderfalkenpaare bekannt, dazu kommen noch neun im böhmischen Teil. Insgesamt flogen 28 (3x2, 2x3, 4x4) Jungvögel aus, hinzu kommen noch zwanzig flügge Jungfalken an den böhmischen Horsten. Im Mai konnte dann noch ein 14. sächsisches Paar gefunden werden, welches aber nicht oder zumindest nicht erfolgreich gebrütet hatte.

Rauhfußkauzweibchen schaut aus der Bruthöhle.

Brutverluste gab es beim Wanderfalken am Jortanshorn im Großen Zschand und am Siegfriedfels in den Affensteinen. An beiden Plätzen waren die Horste leer, nachdem die unwetterartigen Regenfälle Anfang Mai die nur geringfügig überdachten Horstbänder heimgesucht hatten. Am Großen Zschirnstein könnte die Brutaufgabe durch fehlende Bewachung, also von Menschen verursacht worden sein. Die noch sehr kleinen Jungfalken an den Rabensteinen wurden Beute eines Marders, der dazu noch seine Visitenkarte im Horst hinterlassen hatte. Am Pfaffenstein schlug der Uhu einen Jungfalken in der Bettelflugperiode. Am Wandfuß fand ich neben Federn auch den abgerissenen Kopf und dabei eine Uhufeder. Vielleicht erklärt diese Beobachtung den totalen Brutverlust vom vergangenen Jahr – aber woher kommt dieser Uhu?

Zur Ergänzung sei hier noch erwähnt, daß am Oybin im Zittauer Gebirge wieder drei Jungfalken ausgeflogen sind und am Schornstein des Kraftwerkes Boxberg ein Jungvogel aufgezogen wurde. Der gesamtsächsische Brutbestand, es gibt weitere Gebäudebruten in Plauen, Chemnitz und in Leipzig und Umgebung, hat nun die zwanziger Marke überschritten, und es ist mit weiteren Ansiedlungen zu rechnen.

Wieder nichts Neues gibt es vom Würgfalken (Falco cherrug) zu berichten. Bis Anfang April hielt sich, wie schon in den Vorjahren, nur das Weibchen am ehemaligen Brutplatz auf.

Nur ein klein wenig besser war es um den Turmfalken (Falco tinnunculus) bestellt. Wurden im vergangenen Jahr 17 Paare bestätigt, waren es heuer mit Sicherheit 18, die in den Sandsteinfelsen des Elbsandsteingebirges mindestens 50 Jungfalken aufzogen. Zum ersten Mal stellte ich auch einen von mir rot markierten Turmfalken, ein Männchen, als Brutvogel am Pfaffenstein fest.

Vom Uhu (Bubo bubo) waren im Frühjahr acht Paare im Nationalpark nachzuweisen, aber nur drei Bruten wurden gefunden und nur zwei Jungvögel flogen aus. Mysteriös ist der Tod des auf dem beigegebenen Foto gezeigten Junguhus. Dieser wurde etwa eine Woche nach seiner Beringung ohne Kopf am Straßenrand in Brutplatznähe gefunden. Er war noch keinesfalls flugfähig und kann sich einfach noch nicht von alleine so weit vom Horstplatz entfernt haben. Waren hier Frevler am Werk? Sein Geschwister lebt noch. Im Landkreis gab es noch an weiteren zwei Plätzen erfolgreiche Bruten, so daß heuer vier Jungvögel groß geworden sind – 2003 war es im gesamten Kreisgebiet nur einer gewesen.

Seite des Gipfelbuches des Klettergipfels Drohne in den Schrammsteinen mit Eintragungen in der Sperrzeit 2004. – Alle Fotos zu diesem Beitrag von Ulrich Augst.

Beim Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) konnten im Nationalpark fünf und linkselbisch vier Bruten bestätigt werden. Es gelangen weitere Beobachtungen an verschiedenen anderen Orten die uns zeigen, daß die kleinste Eule ganz sicher unentdeckt noch mehr Bruten aufgezogen hat.

Sicher bedingt durch ein Gradationsjahr bei den Rötelmäusen wurden allein im hinteren Teil des Nationalparks 14 Bruten vom Rauhfußkauz (Aegolius funereus) gefunden und weitere Rufplätze legen noch unentdeckte Bruten nahe. Linkselbisch gelangen elf Brutfeststellungen.

Als große ornithologische Rarität besuchte im Juni, also in der Brutzeit, ein weiblicher Mauerläufer (Tichodroma muraria) die Festung Königstein. Dieser Hochgebirgsvogel wurde im vergangenen Jahrhundert neunmal im Elbsandsteingebirge gesichtet, zum letzten Mal 1984 am Neuen Wildenstein. Alle Beobachtungszeiten lagen im Winterhalbjahr.

Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Art fast jährlich, oft sogar mehrere Vögel zur gleichen Zeit, als Wintergast in den Postelwitzer Steinbrüchen beobachtet worden, für 1890 ist die Übersommerung eines Paares ebendort bestätigt und Brutverdacht für die Schrammsteine geäußert worden. Von 1834 bis 1900 erlegte man in diesen Brüchen elf Mauerläufer. Die sieben Beobachtungen zwischen 1936 und 1980 erfolgten in den Weißen Brüchen und eine am Höllenhund im Rathener Gebiet.

Mauerläufer sind kleibergroß, aber schlanker. Der Körper ist grau gefärbt, und sie besitzen einen dünnen langen Schnabel und relativ große Füße. Am auffallendsten aber sind ihre rot-schwarz-weißen, runden Flügel, die beim an der Felswand hochlaufenden Vogel immer wieder gespreizt werden, das sogenannte „Flügellüpfen“. Auch wenn der Mauerläufer, an einen großen Schmetterling erinnernd, vor der Felswand fliegt, sind diese Merkmale nicht zu übersehen. Das Männchen unterscheidet sich vom Weibchen durch eine ausgedehnt schwarze Kehle und Brust, doch haben Weibchen auch oft einen, aber kleineren Brustfleck. Ihre Nahrung suchen die Vögel in Spalten, Ritzen und Löchern der Felswände.

Zum Schluß noch ein paar Fakten und Gedanken zu den Horstschutzzonen. Auch in diesem Jahr gab es wieder zahlreiche Übertretungen. Wohl die meisten an den weniger bedeutenden Gipfeln im unteren Kirnitzschtal. Möglicherweise kosteten diese dem Junguhu das Leben. Es fällt auch auf, daß einige Namen in mehreren Gipfelbüchern gesperrter Felsen zu lesen waren. Vorsatz oder Gedankenlosigkeit? Unter diesen fand sich auch der Name eines Sebnitzer Jugendlichen, gerade dessen Bruder beteiligte sich aktiv an der Bewachung der Wanderfalken.

Ulrich Augst
Nationalpark- und Forstamt Sächsische Schweiz


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