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46 neue Wanderfalken aus dem Elbsandsteingebirge

Die Wanderfalkensaison 2004 ist erfolgreich zu Ende gegangen. Im Elbsandsteingebirge brüteten 22 Paare, 13 davon auf deutscher Seite. 15 Paare konnten die Brut ordnungsgemäß beenden und 46 Junge aufziehen.

Der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) hat sich nun schon zum sechsten Mal an der Bewachung jeweils zweier Gelege beteiligt, dieses Jahr am Kleinen Zschirnstein und erneut im Bielatal. Im Bielatal hatten sich die Falken dieses Mal den Großen Grenzturm als Brutplatz auserkoren. Das war ja nun auch nicht gerade ein Gipfel, auf den Kletterer mal eben gerne zehn Wochen lang verzichten! Ganz abgesehen vom unübersichtlichen Gelände. Und ich kannte diese Ecke überhaupt noch nicht.

Zum Glück waren für das erste Dienstwochenende zwei junge Kletterer aus Sebnitz gemeldet, die wirklich ordentlich Ahnung und Durchsetzungsvermögen hatten. Das war nur gut so, denn ausgerechnet für diesen Sonnabend hatte sich ein großer Kletterklub an den Grenztürmen verabredet. Niemand hatte ja etwas ahnen können. Wie immer gaben die Falken ihre neue Adresse erst „ganz kurzfristig bekannt“. So strömten bis zum Mittag immer mehr Bergfreunde den gelb markierten Weg heran, um am Abzweig zum Großen Grenzturm mit der wenig erfreulichen Neuigkeit konfrontiert zu werden. Leider stand dort kein Hinweisschild der Nationalparkverwaltung (NLPV). Die beiden Abwehrkräfte haben ganz ruhig und souverän agiert und alle Kletterwilligen an ungesperrte Gipfel in der Umgebung weitergeleitet.

Ich hatte einige meiner Hinweisschilder, die wir jedes Jahr als Ergänzung zu den Sperrschildern der NLPV anbringen, mitgebracht. Diese haben die beiden Sebnitzer dann auch noch im Gelände verteilt. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt aus gesundheitlichen Gründen nicht sehr lauffähig und heilfroh über ihre Hilfe!

Am darauf folgenden Wochenende war der Ansturm nicht mehr ganz so riesig, aber noch längst nicht alle Bergfreunde schienen von den Grenzturmfalken erfahren zu haben. Deshalb hatten auch die nächsten Bewacher (erneut einige Sebnitzer) noch genügend zu tun. Unter anderem haben sie gleich noch einen Schwung Schilder von mir angebracht. Danach schien sich die Angelegenheit auch dank des Internets endlich herumgesprochen zu haben. Es gab nur noch wenige, die „gar nichts“ wußten.

Nachdem ich wieder etwas besser in Form war, habe ich am 1. Mai selbst im Bielatal Dienst gemacht. Ich bin zuerst den rot markierten Weg zur Grenzplatte gelaufen, um mir alles endlich auch einmal von oben her anzusehen. Es herrschte schon reger Betrieb. An allen Gipfeln im Gebiet der Grenztürme wurde fleißig geklettert. Ich war schon etwas ängstlich gespannt, wie es denn an den beiden gesperrten Gipfeln aussehen würde. Und so fiel mir wirklich ein Stein vom Herzen, als dort absolute Stille herrschte. Fast schon unheimlich bei all dem Gewimmel rings herum! Am meisten berannt waren Kleine Grenznadel und Grenzkegel. Den ganzen Tag über waren auch einige tschechische Bergsteiger zu Gange, die die Kletterwege wie ein Uhrwerk der Reihe nach abspulten: Aufstieg nur mit den nötigsten Zurufen, kleines Gipfelgespräch, Abseilen, kleine Stärkung, ein bis drei Witze erzählen, kurz mal herzlich lachen, nächster Weg. Auch bei den deutschen Kletterern ging es munter aber niemals zu laut zu. Es war so ein richtig schöner angeregter Klettertag ohne lärmende Störenfriede. Nur unten im Tal zogen gelegentlich einige laut feiernde „Luftschnapper“ entlang.

Gestört wurde die ganze Beschaulichkeit nur einmal um 16 Uhr, als zwei deutsche Bergsteiger am Kleinen Grenzturm ihre Sachen packten und leicht schräg nach unten steigend scheinbar nach Hause gehen wollten. Falsch vermutet, denn plötzlich steuerten sie auf die Grenznadel zu. Dort packten sie ihre Sachen gemütlich wieder aus. Na da mußte ich mich doch glattweg mal von meinem Sitzplatz im Gebüsch erheben und die beiden aufklären gehen! Angeblich wußten sie nicht, daß die Grenznadel ebenfalls gesperrt war. Na gut, sie wollten auch gleich wieder gehen. Das „Gleich“ dauerte dann aber doch so lange, bis der Altvogel aufgeregt aus dem Horst flog. Danach zogen die Blitzmerker endlich ab. Der Rest des Tages verlief wieder „in allgemeiner Harmonie“

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Obwohl sich immer mehr Kletterer und Wanderer während der Falkenbrutzeit einsichtig zeigen oder sich wenigstens beherrschen können, wurden mir auch von einigen anderen Bewachern solche kleinen Vorkommnisse gemeldet. Ganz ohne Aufpasser geht es eben leider doch noch nicht. Und so möchte ich mich an dieser Stelle bei allen fleißigen Helfern aus diesem Jahr bedanken und gleich schon wieder zum Mitmachen im kommenden Jahr aufrufen.

Unser Dank gilt natürlich auch der Nationalparkverwaltung und besonders Ulrich Augst für die wie immer gute Zusammenarbeit.

Martina Wobst

Martina Wobst ist seitens des Sächsischen Bergsteigerbundes verantwortlich für die Organisation der Wanderfalkenbetreuung.



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