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Weiße Magnesia-Flecken am Breiten Stein und im Bahratal

Wenn man ahnungslos ins Bahratal klettern geht oder zu den Felsenklippen des Breiten Steins nahe Dürrröhrsdorf wandert, fällt eine ungewöhnliche Weißfärbung vieler Stellen an den Felsen auf.

Es ist Magnesia, das Kletterer verwendet haben. Die Verwendung von Magnesia ist allerdings in der Sächsischen Schweiz nicht erlaubt, worüber ein Konsens zwischen Naturschutzverwaltungen und Bergsportverbänden besteht. Dieses Magnesiaverbot ist in den sächsischen Gesetzlichkeiten und Verordnungen niedergeschrieben, nicht zuletzt auch in den Sächsischen Kletterregeln.

Weiße Flecken am Flächennaturdenkmal Breiter Stein – verursacht haben sie Kletterer durch Verwendung von Magnesia.       		             		        Foto: Dr. Peter Rölke

Die weißen Magnesia-Flecken befinden sich jedoch nicht, wie vielleicht mancher vermutet, an Klettergipfeln, sondern an niedrigen Felsblöcken und an Massivwänden. Am Breiten Stein, einem geologisch interessanten Flächennaturdenkmal gibt es keinen Klettergipfel. Es sind auch keine geneigten Wände, sondern oftmals steiles bis überhängendes Gelände, in dem sich ein „Normalkletterer“ kaum halten würde.

Wie ist das ganze zu erklären?

Was wir hier sehen, ist eine neue Spielart des Kletterns, das Bouldern. Diese Art des Kletterns ist so neu auch wieder nicht, denn eine kurze Kletterstelle an einem Vorblock oder einem Massiv knapp über dem Boden haben sicher schon viele Kletterer getestet. Neuerdings wird dieses Bouldern mit schwierigsten Kletterzügen aber auch bei uns von einigen Kletterern als eigenständige Spielart betrieben, während es in anderen europäischen Klettergebieten schon vorher betrieben wurde.

Soweit so gut. Vielfach würde man es gar nicht merken, an welchem kleinen Vorblock jemand herumgeklettert ist. Wenn nicht die Magnesiaspuren wären.

Einer, der sich damit intensiv beschäftigt hat, ist Grischa Hahn, Mitglied der Arbeitsgruppe Felsklettern beim Sächsischen Bergsteigerbund. Er war im Bahratal und meint dazu: „Wenn man vor Ort ist, sieht die Lage noch erschreckender aus, als die Bilder es dokumentieren können. Es gibt Stellen – da kann man sich drehen wie man will – wo alle Felsflächen mit weißen Flecken überzogen sind. Im Grund ist fast jeder gut erreichbare Felsblock zwischen Gendarm und Bahratalwand kontaminiert.“

Wie geht es weiter?

Der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) bemühte sich im Sommer 2004, mit einigen der namentlich bekannten Boulderer ins Gespräch zu kommen, was sich als schwierig erwies, da die Boulderer keine homogene Gruppe bilden. Manche der Boulderer sind gesprächsbereit, andere wiederum nicht, manche kommen ohne Magnesia aus, für andere ist es unverzichtbar.

Der Vorstand des SBB steht zwar erst einmal allen Arten des Klettersports offen gegenüber, es kommt aber in jedem Fall auf eine Einhaltung von Rahmenbedingungen und Regeln an.

Manches, wie z.B. die geltenden Gesetze, liegt jedoch außerhalb von Diskussionsspielräumen. Deshalb wurde auch die Nationalparkverwaltung in die Diskussion einbezogen.

Die sächsische Naturschutzgesetzgebung, die Nationalparkverordnung, welche auch das LSG umfaßt (veröffentlicht im Amtsblatt vom 14. November 2003), und auch die aktuellen, erst 2001 überarbeiteten Sächsischen Kletterregeln beziehen zur Magnesiaanwendung eindeutig Stellung. Im nächsten Heft werden wir erneut informieren.

Dr. Peter Rölke


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