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Hinweise zur Besucherordnung im Nationalpark Böhmische Schweiz

Auf Grund vieler Nachfragen und Unklarheiten zu den gegenwärtigen Regelungen für Wanderer und Kletterer in der Böhmischen Schweiz seien die aktuellen Regelungen hier kurz vorgestellt und, da sich wesentliche Unterschiede in den Betretensregelungen ergeben, anschließend kurz kommentiert.

Für den Nationalpark Böhmische Schweiz gilt eine Besucherordnung, die durch alle Besucher einzuhalten ist.

Wichtig für das Verständnis ist, daß es drei Schutzzonen gibt: die Zonen I, II und III. Dabei umfaßt die Zone I die wertvollsten Gebiete (ca. 20 %) und ist nach außen durch grüne Tafeln mit der Aufschrift „I. Zóna Národního Parku“ gekennzeichnet. Außerhalb der Wege erfolgt eine Kennzeichnung durch eine zweifache rote Streifenmarkierung, zumeist an Baumstämmen.

Im Unterschied zum Nationalpark Sächsische Schweiz ist diese Zone I, vergleichbar mit der Kernzone, nicht in einer Verordnung genau festgelegt und damit auch nicht festgeschrieben. In der offiziellen Nationalparkkarte der Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz ist die Kernzone nicht eingetragen, lediglich eine Übersichtskarte im Textteil wird angeboten. Das heißt, man muß sich im Gelände informieren. Veränderungen und Erweiterungen der Zone I wären durchaus kurzfristig möglich.

Wichtige ausgewählte Regelungen:

Zonierung / Wandern

Die Zone I (d.h. die Kernzone) darf nur auf den vom Klub Tschechischer Touristen farbig markierten Wegen betreten werden. Als Markierungen gelten auch die bekannten Pfeil-Markierungen (schwarzer Pfeil in weißem Kreis) als Zugänge zu Klettergipfeln.

Klettersport / Wandern auf

Laut tschechischem Naturschutzgesetz ist das Klettern in Nationalparken generell verboten. Nur eine Ausnahmegenehmigung ermöglicht das Klettern.

Klettersport ist nur an den durch die Nationalparkverwaltung ausgewiesenen Stellen zulässig und darf nur durch Mitglieder der tschechischen Bergsteigerorganisation sowie Mitglieder der Internationalen Bergsteigerorganisation UIAA durchgeführt werden. Ausbilder dürfen bis zu 7 Personen zum Klettern mitnehmen (diese auch ohne „UIAA-Ausweis“). Zur UIAA gehört der Deutsche Alpenverein bzw. der Sächsische Bergsteigerbund (SBB).

Bergsteiger sind verpflichtet, auf Verlangen den Mitgliedsausweis vorzuzeigen. Sie dürfen nur mit der Pfeilmarkierung gekennzeichnete Zugangswege zu Klettergipfeln nutzen. Magnesiaanwendung ist wie in der Sächsischen Schweiz verboten.

Boofen

Erlaubte Boofen in unserem Sinne gibt es im gesamten Nationalpark Böhmische Schweiz nicht.

Radfahren

Radfahren ist nur auf den öffentlichen Straßen und den durch die Nationalparkverwaltung gekennzeichneten Radwegen erlaubt. Diese sind in der Nationalpark-Wanderkarte exakt eingezeichnet.

Kommentar:

Die Regelung, daß Klettersport nur durch UIAA-Mitglieder ausgeübt werden darf und daß bestimmte Pfade nur durch UIAA-Mitglieder genutzt werden dürfen, widerspricht den derzeit geltenden deutschen bzw. europäischen Gepflogenheiten. Für Mitglieder von bestimmten Vereinen und Organisationen darf es bei uns keine Sonderrechte geben.

Schwierig wird es demnach in der Böhmischen Schweiz, wenn z.B. eine Familie klettern geht und nur Mann und Kinder Mitglied im SBB sind, die Frau aber nicht. Wie die Kontrolleure hier reagieren, ist noch nicht bekannt.

Außerdem ist zu beachten, daß Wanderer gehindert werden, sich auf den Zugangswegen für Kletterer zu bewegen. Beim Betreten von Kletterzugangspfaden durch Wanderer sind Zurückweisungen dokumentiert (siehe auch Leserbrief im Heft 20 und die Reaktion in diesem Heft auf Seite 40). Es ist nicht klar, ob sogar geprüft werden kann, ob im Rucksack Kletterzeug dabei ist.

In der Sächsischen Schweiz bzw. in Deutschland gilt generell „Gleiches Recht für jedermann“, d.h. auch Wanderer dürfen die Zugangswege für Kletterer z.B. zu einer Aussicht oder in die Silberwände nutzen.

Da die o.g. Regelungen als Gesetz in einem anderen Staat gelten, ist es gleichgültig, was in Deutschland als Recht gilt. Es muß sich jeder Besucher an die tschechischen Gesetze halten. Inwieweit später Anpassungen an die europäische Gesetzgebung erfolgen, ist derzeit noch unklar.

Dr. Peter Rölke


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