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Höhlen im Elbsandsteingebirge

Interessante und schutzwürdige Unterwelt in der Sächsisch - Böhmischen - Schweiz

Der Silberwandstollen am Prebischtor

Ein wenig im Schatten des Interesses liegen nach wie vor die Höhlen des Elbsandsteingebirges, dabei haben sie viel Interessantes zu bieten.

Dienten die Höhlen in längst vergangenen Zeiten meist als Versteck für die einheimische Bevölkerung sowie deren Habseligkeiten in unruhigen Zeiten, so zum Beispiel im Dreißigjährigen Krieg, so gilt ihnen heutzutage eher ein touristisches, kulturhistorisches und naturschützerisches sowie bergsportliches Augenmerk.

Erste kartographische Hinweise auf einzelne Elbsandsteinhöhlen fanden sich schon im Mittelalter. Im 18. Jahrhundert folgten mehrere schriftliche Beschreibungen von Höhlen, so etwa vom Kuhstall. Der Beginn der Geschichte der eigentlichen Erforschung und Bekanntmachung der Elbsandsteinhöhlen liegt sicher bei Wilhelm Lebrecht Götzinger mit einer Erwähnung von etwas mehr als zwanzig Höhlen in der 1804 erschienenen 1. Auflage seines Buches „Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz“. Sie setzt sich fort mit dem Pionier der Landschaftsfotografie Hermann Krone und den ersten Höhlenfotos um 1860 von Kleinstein- und Wintersteinhöhle.

Ein weiterer Meilenstein war am 28.11.1920 die Gründung des „Vereins für Höhlenkunde in Sachsen“ mit Otto Mörtzsch und Johannes Ruscher an der Spitze. Weitere Bekanntmachungen folgten durch den Heimatforscher Hermann Lemme um 1960 sowie durch die Höhlenkundler Dr. S. Börtitz und Dr. W. Eibisch mit einer Aufzählung von immerhin schon etwa einhundert Höhlen 1962. Seit den sechziger Jahren nunmehr hat sich die 1962 gegründete Höhlenforschergruppe Dresden unter der engagierten Leitung von Roland H. Winkelhöfer die weitere Erforschung und Bekanntmachung der unterirdischen Hohlräume auf die Fahnen geschrieben. Unabhängig davon wurde 1977 die „Höhlen- und Karstforschung Dresden“ gegründet, welche sich auch unter dem Dach der Bergwacht Sachsen mit einer 1998 gegründeten Höhlenrettungsgruppe unter der Leitung von Frank Thieme und Hartmut Simmert in den Dienst der Höhlenfreunde stellt.

An Platzangst sollte man nicht gerade leiden, denn oft gibt es Engstellen zu passieren, hier in der  Dr.-Benno-Wolf-Höhle.

Weder eine DDR-Hohlraumverordnung 1985, noch dergleichen im Jahr 1996 vom Freistaat Sachsen erlassene und sinnigerweise 2002 zurückgenommene Verordnung, können die Beschäftigung mit den Höhlen im Elbsandstein durch Interessierte wirklich bremsen.

Die Höhlen an sich unterteilen sich in verschiedene Arten ihrer Entstehung. Man unterscheidet Klufthöhlen, kombinierte Kluft-/Schichtfugenhöhlen, Blocktrümmerhöhlen, Schichtfugeneinsturzhöhlen sowie Höhlen künstlicher Entstehung.

Diese verteilen sich in unterschiedlicher Konzentration über das gesamte Gebirge, wobei die bedeutendsten Höhlengebiete das Bielatal, das Gebiet von Eiland (Ostrov), der Elbhang am Belveder bei Elbleiten (Labská Stráò) und das Lehmischbachtal bei Niedergrund (Dolní Žleb) sind.

Insgesamt existieren auf dem gesamten Gebiet der Sächsisch- Böhmischen Schweiz deutlich mehr als 300 bisher entdeckte unterirdische Hohlräume verschiedenster Größen.

Als bedeutende Beispiele seien die Bellohöhle (Blocktrümmerhöhle, entdeckt 1909) am Pfaffenstein, die Naturfreundehöhle (Jeskyné pøátel pøirody, Tektonische Klufthöhle, entdeckt 1912) am Belvedere und die Dr.-Benno-Wolf-Höhle (Tektonische Klufthöhle, entdeckt 1994) im Lehmischbachgrund genannt.

Ein Paradebeispiel einer Höhle mit künstlicher Entstehung ist zweifelsohne der im 16. Jahrhundert durch Bergbauversuche zugewanderter Walen/Italiener entstandene Silberwandstollen (Stola Støíbrné stìny, Prebischtorgebiet) mit einer Gesamtlänge von etwa 35m. All diese großen und kleinen Höhlen unterscheiden sich wiederum durch verschiedene Schwierigkeitsstufen bei deren Befahrung. Auch unter Tage gelten die allgemein gültigen Kletterregeln mit einigen Ausnahmen. In vielen Elbsandsteinhöhlen existiert ein Höhlenbuch adäquat einem Gipfelbuch. Deren Betreuung liegt überraschender Weise auch in der Böhmischen Schweiz fast ausschließlich in sächsischer Hand.

Natürlich beinhalten all diese Höhlen so manch Interessantes, wie zum Beispiel Fossilienabdrücke in der Freundschaftshöhle (Jeskyné Pratelstvi) in der Dürrkamnitzschlucht. Historische Inschriften birgt die Stelzighöhle (Stelzigová jeskyné) bei Binsdorf.

Prächtige Alaunauskristallisierungen umrahmen die zum Höhlenbuch umfunktionierte Gipfelbuchkassette im Friebsteinkeller in den Affensteinen

Eine wichtige Rolle spielen die unterirdischen Hohlräume auch für die Fauna im Elbsandsteingebirge. So sind sie wichtige Winterquartiere für einige der etwa fünfzehn verschiedenen im Gebirge lebenden Fledermausarten. Darunter die vom Aussterben bedrohte Kleine Hufeisennase und die Zwergfledermaus. Als direkt geschützte Winterquartiere für die Fledermäuse seien der Specksteinstollen am Gohrisch und der St.-Michael-Erbstollen im Sebnitztal erwähnt. Beide sind mit einem durchlässigen Tor verschlossen und gewährleisten den Tieren Ruhe während ihres mehrmonatigen Winterschlafes. Ein wichtiges Fledermauswinterquartier in der Böhmischen Schweiz ist die Höhle Bierkeller (Pivni sklep) bei Niedergrund.

Nicht unerwähnt sei auch folgende Historie: Im Februar 1973 wurde in einem Kamin der Wildschützenhöhle (Pytlácká jeskyné) ein aus dem Mittelalter stammender Skelettrest eines Braunbären gefunden.

Als Vertreter der Flora seien das seinem Namen alle Ehre machende Leuchtmoos sowie die seltenen Wurzelstalagmiten genannt. Beobachtungen sind auch in Bezug auf auskristallisierende Alaune (Friensteinkeller, Höhle am Neuweg) und Sinterausblühungen (Eishöhle - Ledová jeskyné, Dürrkamnitz) möglich.

Damit all diese interessanten Sandsteinhöhlen auch weiterhin unversehrt erhalten bleiben, wird in Zukunft ein sinnvoller Geotopschutz sicher notwendig werden, da es sich momentan noch etwas um eine Grauzone beiderseits der Grenze in den Nationalparks bzw. Landschaftsschutzgebieten handelt.

Denn schon zeigen sich langsam erste Probleme und Konfliktpotential. So haben sächsische und böhmische Outdoorveranstalter die Höhlen als Betätigungsfeld entdeckt. Es werden organisierte, kommerzielle Höhlenbefahrungen in zum Teil viel zu großen Gruppen durchgeführt und als großes Abenteuer inszeniert.

Natürlich auch im Hochsommer mit Verpflegung direkt vom Feuer! Diese Aktivitäten konzentrieren sich derzeit auf das Elbhanggebiet zwischen Goldenem Ranzen und Belvedere. Denn dort befindet sich eine Vielzahl relativ großer und trotzdem einfach zu befahrender Höhlenobjekte in einem (Landschaftsschutz-) Gebiet, um das sich so recht keiner zu kümmern scheint, da es den Nationalpark nicht berührt. Doch gerade in diesem abrutschgefährdeten Areal gilt es dringend Bodenerosion zu verhindern.

Dennoch sollte eine Höhlenbefahrung als Ergänzung oder Kombination mit einer Wander- oder Klettertour unbedingt empfohlen werden, wenn sie mit der notwendigen Sensibilität gegenüber Flora und Fauna durchgeführt wird. Das Verständnis für die Natur und nicht das Abenteuer sollte dabei im Vordergrund stehen.

Natürlich muß man sich im Vorfeld solcher Aktivitäten mit den Schwierigkeitsgraden des ins Auge gefaßten Ziels auseinandersetzen. Auch Mindestanforderungen an Material und Ausrüstung müssen erfüllt sein! Sprich, mindestens ein ordentliches Geleucht/Stirnlampe mit ausreichend Reserve, ein Ganzkörperoverall bewährt sich an den häufigen Eng- und Schürfstellen und ein entsprechender Kopfschutz sollte nicht fehlen. Bei schwierigen Objekten sollten das Kletterzeug und Steigklemmen mitgeführt werden. Vor Alleingängen sei ausdrücklich gewarnt, besser ist man in der Gruppe mit einem Sicherungsposten vor der Höhle dabei. Niemals sollte der Rückweg im manchmal labyrinthartigen Dunkel unterschätzt werden.

Zu beachten sind auch die Sperrungen einzelner Höhlen im Gebiet von Eiland (Ostrov) vom 1.3.-30.6. jeden Jahres aus Gründen des Fledermausschutzes. Auch in den anderen, nicht gesperrten sächsischen und böhmischen Sandsteinhöhlen sollte man sich selbstverständlich sensibel gegenüber der Naturausstattung verhalten.

An begleitender Literatur aus den letzten Jahren seien besonders die Bücher von Roland H. Winkelhöfer „Durch Höhlen der Sächsischen Schweiz“ und „Durch Höhlen der Böhmischen Schweiz“ erwähnt, sehr empfehlenswert auch der Spezialführer „Höhlen im Elbsandsteingebirge“ von Michael Bellmann und Henry Krönert.

Interessantes speziell zur Fledermausfauna findet sich im Buch „Die Tierwelt der Sächsischen Schweiz“ aus dem Berg- und Naturverlag Rölke. Als filmischer Leckerbissen sei der „Das Beste aus BIWAK“-Beitrag „Verirrt in einer Sandsteinhöhle“ mit Horst Mempel und Heinz Seidel unterwegs in der Naturfreundehöhle empfohlen.

Katja Hänel und Jan Hänel, Dresden


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