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Neues vom Fachbeirat Klettern und Naturschutz

Der aus dem bisherigen Bundesausschuß Klettern und Naturschutz hervorgegangene Fachbeirat traf sich vom 21.- 23.11.03 zu seiner konstituierenden Sitzung im Wanderheim Aßlar in der Nähe von Wetzlar am Rande des hessischen Westerwaldes.

Nachdem es beim Frühjahrstreffen in der Saupsdorfer Hütte im Elbsandsteingebirge noch große Bedenken um die Zukunft des Ausschusses gab, können wir nunmehr auf volle Unterstützung durch den neuen Verbandsrat des DAV rechnen. Dieser hatte auf einer Sitzung Anfang November 2003 endgültig beschlossen, den Fachbeirat in seiner bisherigen Struktur und personellen Zusammensetzung zu erhalten. Ein großer Erfolg, den wir vor allem den neuen Reformkräften in der DAV-Führung zu verdanken haben.

Der Bericht unseres neuen Beiratsvorsitzenden Jörg Eberlein konzentrierte sich auf diese recht positiven Entwicklungen der letzten Monate. Jörg Ruckriegel berichtete von seinen Aktivitäten im Rahmen der Abteilung Natur- und Umweltschutz der DAV-Geschäftsstelle in München. Durch intensive Kleinarbeit war es ihm gelungen, die Basis für eine Betreuungsstruktur in den alpinen und voralpinen Klettergebieten zu schaffen. Bei mehreren Treffen auf Landkreisebene konnte er Sprecher der Regionen und Felspaten finden. Die Kommunikation läuft über Jörg und die Geschäftsstelle. Damit ist ein wichtiger Schritt zur Integration getan, auch wenn noch keine Vertreter im Fachbeirat mitwirken.

Ein weiterer Schwerpunkt Jörgs Arbeit ist die Aktualisierung des Felskatasters der deutschen Mittelgebirge. Die Datenbank wird gegenwärtig in ein Geographisches Informationssystem überführt und soll über das Internet zugänglich gemacht werden. Dabei gilt es, die teilweise schon vor zehn Jahren erfaßten Basisdaten zu aktualisieren und neue Informationsquellen wie die Daten aktueller Kletterführer einzuarbeiten.

Das Schwerpunktthema der Tagung war die Situation in den hessischen Klettergebieten. Das Klettern in der Gegend zwischen Westerwald und Taunus hat eine lange Tradition, auch wenn die Felsen überregional wenig bekannt und das Potential eher bescheiden ist. Wir wollten mit dem Treffen vor Ort präsent sein und den heimischen Kletterern den Rücken stärken, um weitere Sperrungen zu verhindern. Akute Probleme bestehen durch die verhängte Vollsperrung des Konradfelsens an der Lahn und das momentan durch die Untere Naturschutzbehörde vorangetriebene totale Kletterverbot für die Wilhelmssteine im Westerwald. Gerade im zweiten Fall gibt es keine naturschutzfachliche Begründung für diese Maßnahme. Der Fachbeirat faßte den spontanen Beschluß, eine Pressemitteilung zu erstellen, wo einerseits die Kompromißbereitschaft der Kletterer herausgearbeitet und andererseits das Unverständnis und der Protest gegen überzogene und unakzeptable Felssperrungen zum Ausdruck gebracht wurde. Am Abend waren wir zur Eröffnung einer neuen Kletterhalle in Gießen eingeladen, wo viel Prominenz aus Politik und Medien anwesend war. So konnten wir die gute Gelegenheit nutzen, unsere Position öffentlichkeitswirksam darzustellen.

Die Regionalberichte bestätigten die positiven Tendenzen in den Gebieten, wo traditionell eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Behörden besteht. Im Odenwald wird momentan sogar über die Erschließung eines weiteren Steinbruches für den Klettersport verhandelt. Der Schrießheimer Steinbruch in der gleichen Region ist auch ein schönes Beispiel dafür, daß erfolgreiche Wanderfalkenbruten trotz Bekletterung in unmittelbarer Nähe des Horstes möglich sind.

Gleiches belegen auch Beispiele aus Franken und Baden-Württemberg. Es zeigt sich immer mehr, daß sich die Wanderfalkenpopulation in Deutschland sehr gut entwickelt, daß sich individuelle Schutzmaßnahmen bewähren und der Falke nicht mehr lange als Argument radikaler Naturschützer für Felssperrungen herhalten wird. In der Pfalz hat sich der Falkenbestand so stark ausgeweitet, daß schon ein beachtlicher Populationsdruck mit Revierkämpfen zu verzeichnen ist. Aufpassen müssen wir aber, daß dies nicht als Argument für weitere Sperrungen verwendet wird.

In Nordrhein-Westfalen mit den Hauptgebieten Rurtal in der Eifel und Bruchhausener Steine ist die Situation nach wie vor katastrophal. Ein kleiner Lichtblick ist eine fünfjährige Klettererlaubnis für einen alten Steinbruch im Ruhrgebiet, der jetzt erschlossen werden darf.

Das zweite Fachbeiratstreffen fand vom 14.-16.5.04 in Hausen im Oberen Donautal statt. Als wir uns vor vielen Jahren schon einmal zu einem Bundesausschußtreffen im „Thäle“ trafen, mußten wir feststellen, daß die Klettersituation als katastrophal zu bezeichnen war. Nach über zehn Jahren der Stagnation zeichnet sich mit der erfolgreichen Umsetzung des Projektes „Schaufelsen“ ein erster Lichtblick ab. Auch wenn am Schaufelsen, einer der größten außeralpinen Felswände in Süddeutschland, noch viele Kletterwege gesperrt sind, so erhöht sich nunmehr die Anzahl der bekletterbaren Routen von 26 auf 93. Das ist ein Riesenerfolg und vor allem ein Signal für die Lösbarkeit der noch vielen offenen Probleme im Tal.

Auf der Tagung berichtete zunächst der Vorsitzende von den Aktivitäten im Voralpenraum. Nach zwei Jahren intensiver Kleinarbeit ist es nunmehr gelungen, für jeden Landkreis einen Gebietsvertreter zu finden. Ein Treffen im April in München zeigte eine gute Resonanz, ein weiterführendes Seminar der Gebietsbetreuer und Felspaten ist für den Herbst geplant. Jörg Eberlein berichtete weiterhin über seine Tätigkeit in der UIAA und die Vorbereitung des nächsten Treffens im georgischen Kaukasus.

Die Tagungsdiskussion zeigte, daß der Bundesausschuß/ Fachbeirat in seiner 13jährigen Tätigkeit auf eine Vielzahl von positiven Ergebnissen verweisen kann, wie Felskataster, Kletterkonzeptionen, oder DAV-Gütesiegel für Kletterführer. Diese Themen dürfen nicht in Vergessenheit geraten und müssen ständig aktuell gehalten werden. Anschließend beschäftigten wir uns mit der Haltung des DAV zu Veranstaltungen mit Wettbewerbscharakter an Naturfelsen. Es wurde ein Beschluß gefaßt, der unsere bisherige Meinung bekräftigt, jegliche Veranstaltungen mit Wettbewerbscharakter zu unterbinden. Ein großes Problem ist die Lenkung von Kursen an beliebten Kletterfelsen. Dies nimmt gerade in Franken immer größere Ausmaße an. Bisher haben wir dafür kein Patentrezept gefunden. Auch die Planung und Steuerung über das Internet ist kein Allheilmittel. Die beste Lösung ist noch immer eine gute Zusammenarbeit und Abstimmung rechtzeitig und direkt vor Ort zwischen den Beteiligten.

Die seit vielen Jahren beobachteten Verdrängungseffekte aus den „Kletternotstandsgebieten“ NRW und Benelux in die benachbarten Regionen nehmen ständig zu. Vor allem sehr gut erschlossene Gebiete mit guter Absicherung sind total überlaufen. Dazu kommt noch der Trend, daß durch die vielen Kletterhallen immer mehr Menschen zum Klettersport kommen, die dann meist auch irgendwann an die Naturfelsen drängen. Viele Kletterfreunde möchten dann draußen genauso gut gesicherte „Freiluftkletterhallen“ vorfinden. Abenteuerrouten sind dafür weniger beliebt.

Am Sonntag hatten wir dann die Gelegenheit, zusammen mit einigen Initiatoren des Projektes die Lage am Schaufelsen vor Ort zu begutachten. Dabei konnten wir uns ein Bild von den großartigen Felswänden und den ausgewogenen Lösungen für ein Miteinander von Naturschutz und Felsklettern machen. Hoffen wir, daß sich alle Besucher an die akzeptablen Regelungen halten, und daß von diesem Beispiel eine große Signalwirkung für das Donautal und andere Felsregionen ausgeht. Die nächsten Treffen sollen sich verstärkt juristischen Fragen widmen. Dazu sollen kompetente Juristen eingeladen werden.

Dr. Hans Hilpmann


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