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Zum Zustand unserer Wälder

Wie in den letzten Jahren wollen wir auch in diesem Heft wieder einen Blick auf den Zustand unserer Wälder werfen. Wenn dieses Heft erschienen ist, wird auch der Waldzustandsbericht 2005 des Freistaates vorliegen und fachlich bestätigen, was wir als Laien beim Wandern erahnten: Es ist keine wesentliche Verbesserung gegenüber den letzten Jahren eingetreten.

Beurteilt wurde in den sächsischen Wäldern im Jahre 2004 (analog zu Erhebungen der vorhergehenden Jahre) die Belaubung/Benadelung der Kronen von 6816 Probebäumen auf 284 Probepunkten im 4 x 4 km-Raster sowie die Einflußfaktoren Bodenzustand, lufthygienische Situation, Witterungsverlauf und biotische Schadeinflüsse.

Deutschlandweit gab es 2004 eine deutlich geschädigte Waldfläche von 31 %. Begründet wird dies vor allem durch Vitalitätsverluste bedingt durch den heißen und trockenen Sommer 2003 und seine Folgeerscheinungen wie Störungen des Wasserhaushaltes und verstärkte Entwicklung von Schadinsekten. Auffällig ist der bundesweit hohe Anteil an kranken Buchen und Eichen, der in einigen Bundesländern wie z.B. Rheinland-Pfalz weit über 50 % liegt.

Sachsen hatte 2004 einen Anteil deutlich geschädigter Waldfläche von „nur“ 17 % (2003 waren es 15 %), jedoch ist der Anteil leicht geschädigter Bäume auf 49 % angestiegen (2002 waren es noch 41 %, 2003 bereits 48 %). Somit ist nur noch ein Drittel unserer sächsischen Wälder gesund. In der Region Elbsandsteingebirge sind es gar nur 26 %.

Der Wald (Foto: Elke Kellmann)

Dagegen weisen 19 % aller Bäume eine deutliche Kronenverlichtung auf. Seit 4 Jahren wird ein markanter Rückgang der gesunden Bäume (vor allem der Laubbäume) beobachtet, auch für Laien sichtbar an schütteren Kronen mit vielen toten Ästen.

Auch bei uns in Sachsen ist die Hälfte aller Eichen- und Buchenflächen deutlich geschädigt (Eiche 53 %, Buche 50%). 2002 waren 31 bzw. 25 % und 2003 bereits 42 bzw. 33 % der Eichen und Buchen krank. Besonders den Buchen begegnen wir im Elbsandsteingebirge recht häufig und beobachten zunehmend abnehmende Belaubung, abgestorbene Äste, vorzeitig vergilbte Blätter und eine starke Fruktifikation (Ausbildung von Bucheckern). Bedenklich stimmt, daß die Anteile deutlich geschädigter Buchen seit 1991 von 4 auf 50 % angestiegen sind. Extreme Witterungseinflüsse wie der heiße trockene Sommer 2003 trugen wesentlich zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes bei, verbunden mit der ständig zunehmenden Belastung durch Luftschadstoffe wie Ozon und Stickoxide.

Geschwächte kränkelnde Bäume werden wesentlich leichter von Schädlingen befallen und noch mehr geschädigt. Denkt man an die Prognose eines Klimawandels, der sich mit steigenden Jahresmitteltemperaturen und verändertem Niederschlagsregime bereits ankündigt, so wird es in unseren Wäldern wohl noch einige böse Überraschungen geben.

Im Vergleich zu den Laubbäumen erscheinen Fichten- und Kiefernforste „gesünder“. Der Anteil deutlich geschädigter Fichten liegt in Sachsen bei nur 14 %, bei Kiefern bei 12 %. Vor allem die Fichten haben sich innerhalb des letzten Jahrzehntes durch die drastische Reduzierung der SO2-Belastung deutlich erholt. Einen Dämpfer setzten dieser Entwicklung 2003 die Borkenkäfer auf, als sie die besonders guten Lebensbedingungen im heißen und trockenen Sommer nutzten und massenweise Bestände schädigten. Zwar ist eine solche Massenvermehrung an Schädlingen sowohl 2004 als auch 2005 nicht wieder aufgetreten, aber die Gefahr ist nicht vorüber. Nach wie vor ist das rechtzeitige Erkennen und Bekämpfen befallener Bäume eine wichtige Aufgabe aller Waldbesitzer.

Fazit dieser mehr oder weniger statistischen Erhebung ist: Unserem Wald geht es nicht gut. Trotz einiger erfreulicher Tendenzen bei der Verbesserung des Waldzustandes ist die Stabilität unserer Wälder recht labil und kann sehr leicht durch äußere Bedingungen beeinflußt werden, wie die Trockenperiode im Sommer 2003 mit all ihren Folgeerscheinungen bewies. Besonders unter der Maßgabe eines generellen Klimawandels wird die Stabilisierung der Wälder Hauptaufgabe der Forstwirtschaft sein. Die Sanierungsmaßnahmen wie ökologischer Waldumbau, aber auch Bodenverbesserung durch Waldkalkung haben weiterhin Priorität.

Elke Kellmann


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