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Der Neundorfer Hang

Flächennaturdenkmale der Nationalparkregion Sächsische Schweiz (9)

Das Thema Wiesen und Weiden ist nicht nur aufgrund seiner Vielfalt, sondern auch in seiner unterschiedlichen Betrachtungsweise ein sehr weitgespanntes Feld. Hinsichtlich ihrer Ökologie gibt es ganz verschiedene Wiesengesellschaften, die sich von den Feuchtwiesen über die Pfeifengraswiesen (Streuwiesen) bis hin zu den warmen Halbtrockenrasen und Steppengesellschaften bewegen.

Die Wiesen-Schlüsselblume an ihrem derzeitig einzigen Standort in der Sächsischen Schweiz (Foto: Holm Riebe)

Der Begriff Grünland ist im eigentlichen Sinne irreführend, weil unsere Wiesen herkömmlich nicht nur grün waren und die Grasanteile gegenüber den krautigen Pflanzen geringer waren. Fast alle früher typischen Wiesengesellschaften sind heute in der Sächsischen Schweiz nur noch in sehr kleinen und fragmentarischen Ausbildungen vorhanden. Dies hat mit einer veränderten und industrialisierten Landnutzung zu tun, die hier seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts einsetzte. Unsere ursprünglichen Wiesen waren bunt und hatten im Durchschnitt 50 bis 60 Pflanzenarten. Heute sind sie grün („Grünland“) und haben nur noch um die zehn Pflanzenarten. Mit diesen Veränderungen gingen auch grundsätzliche Struktur- und Artenverarmungen in unserer Kulturlandschaft einher. So sind in der Sächsischen Schweiz zum Beispiel in den letzten einhundert Jahren über 90% aller Orchideenstandorte erloschen, wobei nicht wenige der Arten an extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden gebunden waren. Aber auch das Erlebnis sowie der ästhetische Genuß artenreicher Wiesen gehen uns unmerklich verloren, und wir finden uns in immer eintöniger werdenden Landschaften wieder.

Umso bedeutsamer wiegt die Erhaltung der wenigen noch vorhandenen Wiesen, da an sie eine ganze Reihe typischer Wiesenpflanzen gebunden sind. Eine der wenigen noch intakten Wiesengesellschaften befindet sich im Flächennaturdenkmal Neundorfer Hang. Das Flächennaturdenkmal besteht seit 1979 und besitzt eine Fläche von 1,2 ha.

Die Skabiosen-Flockenblume, eine der Charakterart der Halbtrockenrasen (Foto: Holm Riebe)

Es liegt ca. 1 km unterhalb des Langenhennersdorfer Wasserfalles am unteren, östlichen Hang der Gottleuba, unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Langenhennersdorf. Die Schutzfläche grenzt oben und unten an Laubwald; die freie nordwestliche Seite geht in stark bebuschtes, aufgelassenes Grünland bzw. aufgelassene Feldflur über, die südöstliche Langseite des FND wird von einem kleinen Fließgewässer abgeschlossen. Die Fläche ist mäßig südwestlich geneigt, der Untergrund ist basischer Plänersandstein.

Das FND ist in seiner Ausprägung eine Halbtrockenwiese (Bromion erecti) auf frischem bis frisch-trockenem Standort mit den entsprechenden Arten dieser Pflanzengesellschaft. Auf Grund der abseitigen Lage in der Flur, der Hanglage, der fehlenden Anbindung an das Wegenetz u.a. ist die Wiese wohl beständig extensiv genutzt worden.

Eine artenreiche Wiesenvegetation ist bis heute erhalten geblieben. Insgesamt hat die Wiese über 50 Pflanzenarten. Das Vorhandensein von Arten des Halbtrockenrasens, wie z.B. Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), Purgier-Lein (Linum cartharticum), Frühlings-Segge (Carex caryophyllea), Hopfen-Schneckenklee (Medicaco lupolina) und Kleiner Odermennig (Agrimonia eupatoria), macht das FND floristisch bedeutsam.

Im Vordergrund der schützenswerten Vegetation steht weiterhin das Vorkommen des Riesen-Schachtelhalmes (Equisetum telmateia), welcher im oberen und östlichen Teil der Wiesenfläche sowie im angrenzenden Waldbereich bis zum Fließgewässer beachtliche Bestände entwickelt hat. Eine wechselfeuchte Quellmulde erweitert das interessante Artenspektrum der Fläche. Hier finden wir die in der Sächsischen Schweiz sehr seltene Blaugrüne Binse (Juncus inflexus).

Der Schutz des Standortes dient vor allem der Erhaltung seiner wertvollen Vegetation. Die besondere Bedeutung als Lebensraum für die Kleinfauna (z.B. Heuschrecken) ist anzunehmen, aber z.Z. noch zu gering untersucht. Die Erhaltung der Hangwiese wird durch eine einschürige Mahd mit Heunutzung gewährleistet.

Holm Riebe
Nationalpark- und Forstamt Sächsische Schweiz
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