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Neues vom Fachbeirat Klettern und Naturschutz

Das dritte Treffen des neuen DAV-Fachbeirates Klettern und Naturschutz fand vom 8. bis 10. Oktober 2004 in der Ludwigshafener Hütte in der Südpfalz statt. Die „Vereinigung der Pfälzer Kletterer – PK“ hatte dieses Treffen mustergültig vorbereitet und uns ganz toll betreut.

Das Wasgauer Felsenland im äußersten Südwesten unserer Republik liegt zwar weit vom Elbsandsteingebirge entfernt, hat aber viele Gemeinsamkeiten mit den sächsischen Felsen. Der Pfälzer Buntsandstein bietet ähnliche Kletterbedingungen wie bei uns, und das nicht nur aus Sicht des Gesteines und der Klettertechniken, sondern auch aus Sicht der Ethik, des Kletterstils und der Tradition. Dies war Grund genug für mich, zwei Tage Urlaub zu investieren, um dieses tolle Klettergebiet endlich einmal näher kennenzulernen. Mit Heinz Illner, einem profunden Gebietskenner und Vorsitzender der PK hatte ich einen tollen Begleiter. Die PK als defacto „Hausmeister“ der Südpfalz kümmert sich vorbildlich um die Betreuung und Sanierung der Kletterfelsen und -routen.

Die Tagung begann wie immer mit dem Bericht des Beiratsvorsitzenden Jörg Eberlein. Er informierte uns über seine Aktivitäten im Rahmen der UIAA, vor allem vom letzten Treffen seiner AG in Georgien. Dieses Ausschußtreffen hatte eine große politische und öffentlichkeitswirksame Ausstrahlung und gab große Impulse für die Naturschutzarbeit im Kaukasus. Umso unverständlicher ist es, daß das DAV-Präsidium beschlossen hat, seine Mitarbeit in dieser UIAA-AG einzustellen. Dies brachte viel Zündstoff und heftige Diskussionen im Gremium. Der Fachbeirat formulierte eine Stellungnahme an das Präsidium, diesen Beschluß zu revidieren und Jörgs Tätigkeit in der AG weiterhin zu ermöglichen.

Der Bericht der gastgebenden PK zeigte, daß es trotz einer vorbildlichen Naturschutzsituation in der Pfalz interne Spannungen in der Kletterszene gibt. Behutsame Sanierungsmaßnahmen vor allem in klassischen Wegen stoßen auf Widerstand konservativer Kreise. Auf alle Fälle muß hier ein Wiederaufflammen des alten „Hakenstreites“ verhindert werden. Dabei sollte sich der DAV stärker einbringen. Problematisch ist außerdem, daß es in den nahen französischen Nordvogesen eine andere Klettersituation und -konzeption gibt. Dort werden einzelne Kletterfelsen komplett und plaisiermäßig erschlossen, während anderenorts große ruhige Gebiete komplett gesperrt werden. Angesichts des gemeinsamen grenzüberschreitenden Biosphärenreservates wächst dabei auch der Druck auf die deutschen Behörden. In der Pfalz darf, abgesehen von zeitlichen Sperrungen wegen Falkenbrut, an jedem Felsen geklettert werden, wobei die PK darauf achtet, daß nur sinnvolle Routen erschlossen werden. Die Pfälzer Mentalität zielt mehr auf Toleranz und Selbstbeschränkung als auf behördliche Reglementierungen, was sich auch bisher bewährt hat.

Die Regionalberichte kennzeichnen eine allgemein positive Tendenz. Die kontinuierliche Arbeit und die gesammelten Erfahrungen im Umgang mit den Behörden zeigen ihre Wirkung. Selbst in Baden-Württemberg (siehe den letzen Bericht zum Projekt Schaufelsen) setzt sich der positive Trend fort. Einzig in Nordrhein-Westfalen ist die Situation nach wie vor katastrophal. Dies bringt dann auch Probleme in den angrenzenden Gebieten (Rheinland-Pfalz, Franken), die unter einer zunehmenden Überfrequentierung leiden.

Das angekündigte juristische Thema wurde auf das nächste Treffen vertagt. Ein weiteres Thema beschäftigte sich mit der Lenkung des Kursandrangs an beliebten Kletterfelsen. Die in Franken praktizierte Lösung mit Voranmeldung z.B. über das Internet hat sich nicht bewährt. Das Wetter ist genauso wenig planbar wie spontane Entscheidungen. Die Eintrittskartenmodelle (Nordeifel, Luxemburg) werden abgelehnt und haben nur zusätzlichen Ärger gebracht. Anmeldeverfahren klappen nur auf Freiwilligkeit und nur in Gebieten, wo es keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Die Hauptursache ist das Fehlen genügender Klettermöglichkeiten in vielen Regionen.

† Dr. Hans Hilpmann


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