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Starke Stürme mit lokalen Schäden im Juli 2005

Sturmereignisse sind zwar in unseren Breiten durchaus keine Seltenheit, aber sehr starke Winde mit tornadoähnlichen Windwirbeln, die örtlich schwere Schäden verursachen, sind schon ungewöhnlich. – So geschehen in der Nacht vom 29. zum 30. Juli 2005.

Der 29. Juli war ein sehr warmer Tag mit Temperaturen bis zu 34°C, wo z.B. selbst in den kühlen Schluchten wie dem Pavlínino údoli (Paulinengrund) in der Böhmischen Schweiz 30°C gemessen wurden. Auch spätabends trat keine Abkühlung ein. Kurz nach Mitternacht begann urplötzlich ein Sturm aus südlicher Richtung aufzubrausen und fegte großflächig über die Sächsische und Böhmische Schweiz hinweg.

Der Julisturm 2005 ließ viele alte Bäume auf dem Janovský vrch und in Janov (Baum auf Foto wurde schon abgesägt) umstürzen. Der Julisturm 2005 ließ viele alte Bäume auf dem Janovský vrch und in Janov (Baum auf Foto wurde schon abgesägt) umstürzen.

Die Intensität des Sturmes war dabei aber regional sehr unterschiedlich, teils auf engstem Raum. Schwer betroffen war ein kleiner Ort in der Böhmischen Schweiz: Janov (Jonsdorf). Als dort der Sturm herannahte, hörte es sich an, als würde ein Panzer herankommen, doch was kam, war eine gewaltige Windwalze, die zahlreiche große und alte Bäume umknicken ließ. Nicht nur oben auf der Höhe des Janovský vrch (Clars Berg) waren viele mächtige Buchen und Eichen umgebrochen, überall in der Ortslage von Janov hatte es Linden und Birken umgeknickt oder mächtige Äste waren heruntergebrochen. Auch weit unterhalb in einem Waldgebiet in völlig geschützter Lage (ca. 300 m südöstlich der Windmühle von Janov), waren starke, gesunde Kiefern und Birken einfach in der Mitte weggebrochen (siehe Fotos). – Das Kuriosum: In allen Nachbarorten von Janov war fast nichts passiert. Es hatte sich ein lokaler Wirbelsturm gebildet.

Ebenso schwere Sturmschäden gab es in jener Nacht auch aus dem Erzgebirge zu berichten, während die Schäden in der Sächsischen Schweiz nur punktuell auftraten und sich insgesamt in Grenzen hielten. Hier war der Sturm bereits abgeschwächt angekommen und hatte nur vereinzelt auf Grund günstiger Gegebenheiten begrenzt zur Bildung von Minitornados geführt. Von den Forstrevieren war hauptsächlich das Revier Hirschewald in der Hinteren Sächsischen Schweiz betroffen, insbesondere gab es entlang der Thorwalder Wände Sturmschäden (800 Festmeter). An zweiter Stelle folgte das Revier Hohnstein. In der südlichen Sächsischen Schweiz ist z.B. von Windschäden auf der südlichen Seite des Quirl-Plateaus zu berichten, auch oben auf dem Pfaffenstein ist eine große Linde direkt vor dem Gasthaus umgebrochen, eine weitere Linde hat große Äste verloren. Nebenan in Richtung Klammweg, schon an wenig exponierter Stelle, sind auch Fichten in der Mitte durchgebrochen. Vom Campingplatz Königstein wurden auf Wohnanhänger gestürzte Bäume gemeldet.

Die Summe des gesamten Schadens im Landeswald (=Nationalpark ohne Privatwald auf rechtselbischer Seite) beträgt nach Information der Nationalparkverwaltung 1820 m3. Angaben über Bruchholz im Privatwald sind schwer zu ermitteln auf Grund der großen Anzahl an Waldeigentümern und dem daraus resultierenden mühseligen Informationsfluß, eine erste Schätzung besagt 940 m3. Die Sturmschadensbilanz für das Forstamt Bad Schandau/den Nationalpark beträgt insgesamt 2760 Festmeter. Gab es besonders betroffene Baumarten? Alle Revierleiter sollten bei der Aufnahme des Schadens diese Frage gleich mit registrieren. Der Sturm hat jedoch keine Baumart verschont. Dem Gesamtschaden wurde trotzdem keine große Beachtung geschenkt, weil er in Augen von Nationalpark- und Forstamt relativ gering geblieben ist. Das gesamte Sturmereignis ist nicht vergleichbar mit den großen Sturmschäden im Vogtland/Erzgebirge bzw. anderen Waldgebieten in anderen Bundesländern Deutschlands aus der Nacht vom 29. zum 30 Juli.

Antje Fischer und Dr. Peter Rölke
Wir danken Herrn Fanko vom Nationalpark- und Forstamt und Ralph Keiler, Pfaffendorf für die Informationen.


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