1993 begann die Diskussion um Standort und Konzept eines Nationalparkzentrums (SSI berichtete mehrfach). Nun hat sich die sächsische Regierung für das ehemalige Kino in Bad Schandau entschieden. Der Sitz der Nationalparkverwaltung wird im ehemaligen Ferienheim der Warnow-Werft in Bad Schandau sein. Die Burg Hohnstein, Favorit der Nationalparkverwaltung und des Umweltministeriums, hatte das Finanzministerium als zu teuer abgelehnt.
Damit wurde auch der Vorschlag des Bundestagsabgeordneten Brähmig (CDU) und des Tourismusverbandes nicht aufgegriffen, die den Bahnhof Bad Schandau favorisieren. Aus verkehrs- und umweltpolitischer Sicht ist dieser Standort mit direkter Anbindung an Bus und Bahn deutschlandweit beispielgebend, argumentiert Brähmig. Wahrhaft ein Grund, darüber nachzudenken, zumal der Freistaat beide Gebäude in Bad Schandau, sowohl Kino als auch Ferienheim, erst noch kaufen muß. Überarbeitet werden muß jetzt wohl auch das Konzept für das Nationalparkzentrum (siehe Heft 12), das die Nationalparkverwaltung für die Burg Hohnstein auf ein spezielles Besucherpublikum und nicht auf den "Allgemeinverbraucher" zugeschnitten hatte.
Zwei Drittel aller Wälder Sachsens sind mittlerweile schwer geschädigt, trotz des für den Wald überaus günstigen feuchten Sommers. Besonders schlimm ist es um den Erzgebirgswald bestellt, geht aus den jüngsten Waldschadenserhebungen hervor. Rund 10.000 ha Wald sind als Folge der letzten Winterschäden so stark geschädigt, daß sie abgeholzt werden müssen. Die Hauptursache für das Waldsterben sind die dauerhaft hohen SO2-Emissionen aus Böhmen.
Zwar hatte das staatliche tschechische Energieunternehmen CEZ zugesichert, bis Ende 1998 die nordböhmischen Kraftwerke zu sanieren, doch jetzt sollen sogar bereits stillgelegte Kraftwerksblöcke in Tusimice und Ledvice wieder in Betrieb gehen. Die Genehmigung dazu ist schon erteilt.
Umweltminister Arnold Vaatz und Landwirtschaftsminister Rolf Jähnichen kündigten Maßnahmen gegen die Luftbelastung an. Doch um etwas zu erreichen, so Vaatz in der Sächsischen Zeitung, seien auch zusätzliche finanzielle Hilfen von Land, Bund und EU nötig. Er forderte außerdem die tschechische Regierung auf, den Vertrag zum Austausch von Luftmeßdaten im "Schwarzen Dreieck" bald zu unterzeichnen. Landwirtschaftsminister Jähnichen kritisierte auch die in Sachsen mangelhaften Messungen von Umweltdaten durch den TÜV Bayern-Sachsen.
Nur noch 6 Monate Nutzungsdauer haben die Antennen auf dem Aussichtsturm des Großen Winterberges. Schon seit 1984 ist eine Rekonstruktion des Turmes geplant, sie fand aber nie statt. Nun will das Liegenschaftsamt, der Eigentümer des Geländes, den Turm abreißen und einen 40 m hohen Stahlgittermast danebenbauen. Natur- und Heimatschutz sind gegen diesen Vorschlag und plädieren dringend für eine andere Lösung, z.B. auch einen möglichen Abriß des alten Turmes, die Errichtung eines neuen, 10 m höheren Turmes mit den Antennen an derselben Stelle, der auch als Aussichtsturm für die Touristen genutzt werden kann. Eine hervorragende Idee: hier würden Interessen von Landschaftsschutz und Tourismus bestens in Übereinstimmung gebracht.
Auf Anfrage der SSI-Redaktion im Umweltministerium zur Anerkennung der in Sachsen nahezu unbekannten Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) als nach § 29 anerkannter Naturschutzverband (siehe Beitrag im Heft 12) erhielten wir vom Abteilungsleiter Naturschutz, Herrn Simpfendörfer, folgende Antwort: " ... Wir sind der Meinung, daß bei der Anerkennung von Naturschutzverbänden, neben der Frage der gesetzlichen Voraussetzungen, die Verwirklichung der Ziele und Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege gleichberechtigt zu berücksichtigen ist. Gerade dem in den Verbänden organisierten, ehrenamtlichen Naturschutz kommt in diesem Aufgabenbereich erhöhte Bedeutung zu. Auch der SDW leistet hierzu seinen Beitrag."
Aus dieser kurzen und nicht gerade aussagekräftigen Antwort wird noch immer nicht deutlich, was die Gründe des SMU für die praktisch "über Nacht" erfolgte Anerkennung des im Land Sachsen nahezu unbekannten, nur punktuell aktiven und mitgliederschwachen Vereins waren. Die gesetzlichen (!) Voraussetzungen für die Anerkennung als Naturschutzverband nach § 29, u.a. flächendeckende Vereinsstrukturen und möglichst landesweite Aktivitäten, scheint der Verein bei genauer Prüfung nicht zu erfüllen. Die Frage, wieviele Mitglieder und wieviele Kreisverbände o.ä. der SDW zum Zeitpunkt der Anerkennung hatte, beantwortete das SMU wegen des Datenschutzes nicht. So wird die Vermutung eher bestärkt, daß die Anerkennung des SDW nach § 29, die auch mit finanziellen Zuwendungen verbunden ist, maßgeblich durch einflußreiche CDU-Landtagspolitiker, die der SDW-Verbandsspitze angehören, zustande kam.
Was die Naturschutzverbände vor Jahren kritisiert und wovor sie gewarnt hatten, ist eingetreten: das Gewerbegebiet Leupoldishain ist größtenteils leer, und die Ausgliederung der Fläche aus dem LSG war eine Fehlentscheidung. Nach 4 Jahren haben sich gerade zwei Betriebe angesiedelt, ein Baumaschinenverleih und eine Kunststoffirma. Ein Baustoffgroßhandel will eventuell noch kommen. Damit ist allerdings nur ein Drittel der Fläche belegt. Der Großteil des Gewerbegebietes präsentiert sich heute als beleuchteter Acker, in den Millionen öffentlicher Mittel geflossen sind.
Nach mehrjährigen Anläufen konnte die neue Fähre auch 1996 nicht in Betrieb gehen. Trotz bestem Willen der Gemeinde kamen immer wieder neue bürokratische Hindernisse. Im Frühjahr soll sie nun wohl genutzt werden können, allerdings ist das Jahr noch nicht bekannt...