Die Bastei ist immer einen Besuch wert. Dem einen mag die schöne Aussicht gefallen - heute sei jedoch ein Besuch zu Milieustudien empfohlen. Einige Jahre hat es gedauert, einige Millionen in Form eines schönen Parkplatzes zu verbauen, dort, wo die Basteistraße an der Tankstelle von der Straße Lohmen-Hohnstein abzweigt.
Nun gibt es zwei Parkplätze. Sie werden, so scheint es, nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrieben. Der neue vordere Parkplatz bietet Parken incl. Bustransfer für 10 Mark. Bei dem alten hinteren Parkplatz darf man für DM 4,00 parken. Dumm nur, daß der eine Parkplatz der Stadt Hohnstein, der andere der Gemeinde Lohmen gehört. Dumm auch, daß die Parkplätze nicht nebeneinander liegen, sondern hintereinander. Damit nun nicht die preise- und leistungsvergleichenden Basteibesucher per Pkw unnötig in der Angebotsvielfalt wählen, wurde festgelegt, daß der vordere Betreiber täglich 150 Autos abzählt. Die muß er mißmutig zur Konkurrenz weiterziehen lassen. Aber wer macht daß schon gerne? So kommt es, daß der geneigte Besucher auch an schwach besuchten Tagen bereits am Vormittag folgendes Szenario erleben kann: Er findet am vorderen Parkplatz den Einweiser vor seiner Kühlerhaube, der ihn in einer Art zum Einschwenken nötigt, wie es nicht einmal bei der Polizei Brauch ist. Er wundert sich über die relativ hohe Gebühr, und zahlt mißmutig. Im Bus fährt er dann gen Bastei und bemerkt, daß ihm ein Schnäppchen entgangen ist: Der hintere Parkplatz ist gar nicht geschlossen. Die dortigen Mitarbeiter nehmen dankbar die etwas frecheren Autos in Empfang, die sich vorn mit Hupe oder Sonntagsgang den Weg zum Schnäppchenparkplatz freibolzten. Das wird ihnen mit 6 Mark weniger Parkgebühr belohnt. Nein ... 150 Autos waren es heute wohl noch nicht gewesen. Und überhaupt - die Basteistraße ist immerhin die Staatsstraße 166 und es gibt ein Grundrecht auf Freizügigkeit im Straßenverkehr. Wenn hier jeder Straßen sperren würde, der wollte ...
Ob die Natur etwas davon hat? Der Ausbau des vorderen Parkplatzes hat ihr erst einmal wieder ein paar tausend Quadratmeter Hektar entrissen. Ein eventueller Rückbau des hinteren Parkplatzes ist nicht gleich in Sicht. Der Bus mag theoretisch etwas umweltfreundlicher sein. Wenn er den ganzen Tag mit drei oder fünf Personen pendelt - dann hätten diese aber auch gleich die drei Kilometer in ihrem Auto sitzen bleiben können, wo sie vielleicht schon dreißig Kilometer gefahren sind. Die Basteibesucher ärgern sich über die freche Abzockerei. Immerhin schafft die (nun auch nicht gerade geschenkte S-Bahn) für 6 Mark eine Person von Schandau bis Dresden. Die Parkplatzbetreiber ärgern sich über jede Mark in der Kasse der Konkurrenten. Im Basteihotel argwöhnt man Imageverluste und Umsatzeinbußen. Und der Naturschutz? Der ärgert sich sowieso um den ganzen Rummel auf der Bastei.
Es bleiben noch einige andere Fragen offen. Wäre es nicht sinnvoller, mit einem umgekehrten Preisgefälle die Einsicht der Autofahrer zu belohnen - anstatt deren Frechheit? Wäre es nicht auch sinnvoll gewesen, wenn schon Zigtausende verplant und Millionen verbaut wurden - zumindest einen ganz kleinen Wanderweg vom vorderen Parkplatz zur Bastei anzulegen? Und worin der Sinn besteht, daß beide Parkplätze gegeneinander konkurrieren, anstatt gemeinsam betrieben zu werden - dies mag nicht nur dem Uhu auf den Naturschutzschildern ein Rätsel bleiben. In der marktwirtschaftlichen Herausbildung einer Parkgebühr durch das freie Wechselspiel von Angebot und Nachfrage wohl kaum.
S. S. I. empfiehlt: Es geht natürlich auch anders - zu Fuß. Und wer unbedingt von hinten und mit Pkw auf die Bastei muß für den gibt es schließlich noch den Parkplatz an der Flösselbrücke. Der ist kostenlos. Und man wird erstaunt sein, wie wenig Besucher den wunderschönen Wolfsbergweg entlanggehen - nur wenige hundert Meter von der Basteistraße entfernt.
Rolf Böhm