Offener Brief von 16 Hoteliers und Gastwirten gegen die Rathener Elbschlößchen-Pläne
Eine Baugenehmigung hatte der Investor, die Köberl KG aus München, bisher nur für das Kellergeschoß. Sowohl die Sprengungen als auch das Abtragen der Felswand erfolgten illegal. Ebenfalls ungenehmigt erfolgte das Abkippen des Bauaushubes auf die geschützten Elbwiesen. Verwunderlich sind so viele ungenehmigte Handlungen schon, ist doch der Bürgermeister von Rathen, Peter Langmann (CDU), der Berater der Baufirma des Investors. Selbst den Forderungen zur Hangabstützung und -begrünung und zur Wiederherstellung des Elbvorlandes kam der Investor nicht nach. Das Regierungspräsidium forderte nun vom Landratsamt die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens, womit sich das Landratsamt aber unverständlicherweise viel Zeit läßt.
Widerstand gegen den "Rathener Größenwahnsinn", wie es Peter Hildebrand vom "Bund Sächsische Schweiz" nennt, gibt es längst nicht nur von den Naturschutzverbänden, sondern auch von den Gastwirten der Sächsischen Schweiz. In einem offenen Brief vom Oktober 1996 lehnen 16 Gastwirte und Hoteliers der näheren Umgebung (siehe auch nebenstehende Unterzeichnerliste) den Bau überdimensionierter Hotels wie des "Elbschlößchens" ab. Ihre Gäste kommen wegen der Natur und der unverbauten Landschaft, argumentieren die Hoteliers, die nicht durch eine Vielzahl überdimensionierter Hotels verschandelt werden dürfe. Das "Elbschlößchen" würde zum Präzedenzfall, da in Rathen weitere Hotelpläne bestehen, u.a. die des Grundstücknachbars der Köberl KG, des Hamburger Kaufmanns Rolf Beator und derzeitigen Eigentümers von "Strandblick" und "Rosengarten".
Die Befürchtungen der Gastwirte und Hoteliers erscheinen berechtigt, denn Rathen will insgesamt hoch hinaus. So hält Bürgermeister Langmann auch an der Klinikbebauung auf der Kleinen Bastei fest. Zwar wurde die Kuppenbebauung aus Gründen des Landschaftsbildes als nicht günstig eingeschätzt, jedoch sehen die Unterlagen des Planungsbüros wieder nur eine Kuppenbebauung vor. In einem Brief an den Tourismusverband macht Hotelier Thomas Rieß vom "Strandhotel" in Stadt Wehlen u.a. darauf aufmerksam, daß " ... Herr Langmann als gut bezahlter Geschäftsführer der Kurort GmbH (und nur ehrenamtlicher Bürgermeister von Rathen) auch persönliche Interessen (d.h. Jobsicherung) verfolgt, wenn er weiterhin an den unsinnigen Rathener Klinikplänen festhält. Die Frage muß erlaubt sein, ob es hier nicht einen gravierenden Interessenkonflikt gibt?" Außerdem kritisiert er die Methode des Bauherren des "Elbschlößchens": "Erst werden vollendete Tatsachen geschaffen und z.B. Sprengungen in der Felswand und die Arbeiten im Außenbereich durchgeführt, von denen man weiß, daß man sie nicht tun darf. Und im Nachhinein erfolgt schon irgendwie die Genehmigung durch die Behörden."
Überhaupt läuft in Rathen einiges Undurchsichtige. Dazu nochmals Herr Rieß: "Die vom Bürgermeister Langmann geplante Feuerwehrzufahrt mit Wendeschleife an der Elbe würde sicher nicht gebaut, wenn dort kein Hotelkomplex mit 120 Betten entstehen würde, der diese Wendeschleife ganz nebenbei optimal für Busse, Autos und Lieferanten nutzen kann." Schwer vorstellbar ist es für ihn, wenn der Fußweg von der Fähre durch Rathen als Zufahrt für 120 Hotelgäste, Busse, Mitarbeiter und Lieferanten genutzt wird. Im oft überfüllten Rathen, das schon jetzt von den Erholung suchenden Touristen und Wanderern gemieden wird, herrscht dann völliges Chaos.
Zu dem ganzen Durcheinander um Hotels, Kliniken und als Hotelwendeschleife genutzte Feuerwehrzufahrt kommen noch wahltaktische Hintergründe hinzu, will doch der ehrenamtliche Rathener Bürgermeister Langmann nach Zusammenlegung der Gemeinden bald hauptamtlicher Königsteiner Bürgermeister werden. Die Königsteiner CDU ist jedenfalls von Langmanns Plänen zu Elbschlößchen, "Feuerwehr"-Zufahrt und der Klinik auf der Kleinen Bastei sehr angetan.
Doch steht Langmann derzeit immer mehr im Zwielicht, man wirft ihm inzwischen Abhängigkeit von der Köberl KG vor. Diese hat nämlich Herrn Langmann per Vollmacht mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt - ein Verstoß gegen das Kommunalgesetz. Dazu Hotelier Rieß: "Wie kann Herr Langmann den Bau des Elbschlößchens objektiv überwachen, wenn er als befangen gelten muß?"
Letzter Höhepunkt in dem allgemeinen Chaos: Mit den weiteren Bebauungsplänen u.a. von Herrn Beator scheint die Gemeinde langsam die verfahrene Situation zu begreifen und will plötzlich einen sehr restriktiven Bebauungsplan für Rathen beschließen. Der erste Lichtblick im Rathener Trauerspiel?
Peter Rölke