Im Heft 12 der Sächsischen-Schweiz-Initiative wurde bereits auf das Bauvorhaben Jagdschloß Bielatal eingegangen. Dieses Bauprojekt ist trotz erheblicher Proteste von Behörden sowie Umwelt- und Naturschutzverbänden nach wie vor aktuell und scheint trotz aller Bedenken auf Grund des massiven Einsatzes des CDU-Landtagsabgeordeneten Klaus Leroff jetzt kurz vor seiner Genehmigung zu stehen. Lassen wir noch einmal die mittlerweile längere Geschichte Revue passieren: Im Mai 1994 wurde den Genehmigungsbehörden eine Projektskizze für die Erweiterung der bestehenden Villa zu einer Hotelanlage mit ca. 76 Betten durch Tronth von Arnim Freiherr von Reitzenstein vorgelegt. Die Unterlagen waren zwar unzureichend, so fehlten z.B. entsprechende Planbemaßungen, die eine Grundflächenberechnung des geplanten, eingeschossigen Baus ermöglichen, schienen aber grundsätzlich genehmigungsfähig zu sein. Im September fand eine Sitzung in der Gemeindeverwaltung statt, auf der von Seiten der Na-turschutzbehörden grundsätzliche Zustimmung zu einem maßvollen Hotelbauvorhaben signalisiert wurde.
Der zweite Schritt mit einer überarbeiteten Planung erfolgte dann im Februar 1995 mit der Vorlage eines Vorhabens- und Entwicklungsplanes. Diese Bauplanung wich bereits erheblich von der Planung vom Mai 1994 ab. Vorgesehen war nunmehr ein viergeschossiger Bau von ca. 850 m2 und über 10 000 m3 umbauten Raumes. Eine Beratung der Arbeitsgruppe Bauleitplanung Sächsische Schweiz kam dabei zu dem Ergebnis, daß sich der geplante Neubau der Altbausubstanz in Bauvolumen, Baustil, -gliederung und -höhe nicht anpaßt und das Bauvorhaben in der vorliegenden Fassung abgelehnt werden muß. Nunmehr folgte die Erarbeitung einer dritten Planung, die aber in der Dimensionierung nicht wesentlich reduziert war.
Im November 1995 wurde dann die mittlerweile 4. Planung vorgelegt. Das Projekt sah 14 000 m3 umbauten Raum vor, dabei entfielen lediglich 2000 m3 auf die Altbausubstanz. In dieser Phase erfolgte die erste offizielle Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. Im Ergebnis dieser Anhörung wogen die Bedenken aller Beteiligten bezüglich der Überdimensionierung des Bauvorhabens im Engtal der Biela so schwer, daß die Planung zurückgezogen werden mußte.
Von diesem Zeitpunkt an geriet die Angelegenheit völlig auf das politische Gleis. Der Investor suchte sich verstärkt die Unterstützung des Landtagsabgeordneten Leroff, der sich mit einem Brief an den Regierungspräsidenten Weidelener wandte und diesen dringlich aufforderte, sich für das Projekt einzusetzen. Weidelener fühlte sich hier offensichtlich unter Druck und bat im Umweltministerium um Rückendeckung. Dieses verfaßte nun ein Schreiben, in dem die ablehnende Haltung gegenüber dem vorgelegten Projekt bekräftigt und eine Reduzierung der Planung auf einen umbauten Raum von 6000 m3 gefordert wurde (SZ vom 9.10.1996). Nun saß dem Investor mittlerweile die Zeit mächtig im Nacken. Schließlich hatte das Wirt-schaftministerium unter der Voraussetzung eines Baubeginns noch in diesem Jahr bereits Fördergelder in Höhe von 4,9 Mill. DM für den Blaublütigen als "Existenzgründer" bewilligt, eine Summe, von der einheimische kleine und mittelständische Unternehmen in der Sächischen Schweiz kaum zu träumen wagen.
Leroff machte sich jetzt im Umweltministerium als Fürsprecher des Hotelbaus vorstellig und erreichte dort entgegen allen bis dahin gelaufenen Stellungnahmen und Festlegungen eine Zustimmung zu dem Bauprojekt, d.h. eine Drehung um 180 Grad . In Diskussion sind dabei immer noch ca. 7 500 m3 umbauten Raumes. Das Weglassen des Sommerhauses soll offensichtlich als Kompromiß verkauft werden. Interessanterweise wurde bei der Beantragung der Fördermittel im Wirtschaftsministerium im Dezember 1995 durch von Reitzenstein bereits von dem Bauvolumen ausgegangen, welches jetzt als Kompromiß gehandelt wird.
Der Verlauf von Planung, Diskussion und nunmehr Genehmigung dieses Bauvorhabens ist wohl treffend als Kabinettstückchen des Landtagsabgeordneten Klaus Leroff zu bezeichnen. Selbst unter der Fahne der Wirtschaftsförderung ist das Projekt zu hinterfragen. So sind nach Angaben des Landratsamtes die vorhandenen Übernachtungskapazitäten in der Region bei weitem nicht ausgelastet und der Hotelverband rechnet sogar mit dem Konkurs zahlreicher Unternehmen in den nächsten Jahren.
Hier wurde auf parteipolitischer Ebene ein Stück Land-schaftszerstörung und die Verschwendung von Förder-mitteln in die Wege geleitet, leider längst kein neues Vorgehen mehr.
Kareen Seiche
Schutzgemeinschaft Sächsische Schweiz e.V.