Schon seit einigen Jahren bemüht man sich auf böhmischer Seite um die Ausweisung eines Nationalparks. Nachdem das tschechische Parlament es vor den Wahlen im Juni 1996 nicht mehr schaffte, den Antrag zu beraten, muß nun ein neuer Anlauf gestartet werden.
Der Leiter der Schutzgebietsverwaltung Labské pískovce, Werner Hentschel, informierte uns, daß sich derzeit das Prager Umweltministerium mit dem Problem befaßt. Das Nationalparkgesetz soll nochmals in der Regierung beraten werden, ehe es erneut dem Parlament vorgelegt wird. Leider dürfte dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Erfreulich ist aber, daß die Minimalvariante für den Nationalpark Böhmische Schweiz, bei der z.B. der Rosenberg ausgeklammert worden war, wohl endgültig vom Tisch ist.
Am 3. November 1995 haben R. Marschner und P. Bauer bei einer Gebietsexkursion bei Wolfsberg/ Vlãí Hora ein Exemplar des Tintenfischpilzes (Clathus archeri/Berk./Dring.) gefunden. Es handelt sich um eine Pilzsorte, die Anfang des 20. Jhs. beim Baumwolle-Import von Australien eingeschleppt worden war. In Böhmen hat sich der Tintenfischpilz bereits vor 30 Jahren akklimatisiert. Er wächst meist in der submontanen Stufe, in Mischwäldern oder auf Weiden und Wiesen. Die größte Anzahl der Funde wurde in den Monaten August und September gemacht.
P. Bauer
Am Bernsdorfer Teich bei Teichstadt (Velký rybník bei Rybništ÷) konnte erstmals die Brut eines Kranichs nachgewiesen werden. Der Kranich (Grus grus) gehört zu den vom Aussterben bedrohten Tieren. Stark gefährdet sind nicht nur der Brutbestand, sondern auch die Sammel- und Rastplätze. Kraniche siedeln in wasserreichen Gebieten des Flachlandes, in Mooren und Überschwemmungsgebieten von Flüssen und Seen.
In Böhmen waren die Kraniche nie als Brutvogel heimisch. Sie konnten höchstens beim Durchziehen beobachtet werden. Der erste Nistplatz in Böhmen wurde 1989 entdeckt. Im Frühjahr 1995 fand man in einem schütter mit Schilf und Rohrkolben bewachsenen Sumpf des Bernsdorfer Teiches ein Nest mit zwei Eiern und später noch ein weiteres Nest auf dem unweit entfernten Lichtenberger Teich. Es handelte sich offenbar um dasselbe Paar vom Bernsdorfer Teich, wo die Brut nicht erfolgreich war. Man kann annehmen, daß auch in den vorigen Jahren die Vögel diesen Teich zum Nisten nutzten. Auch 1996 haben die Kraniche erfolgreich gebrütet. Die größte Gefahr für die Vögel stellt die sportliche Nutzung des Teiches dar (Surfen, Erholung). Der Velký rybník bei Rybništ÷ wurde zum Naturreservat erklärt.
Karl Stein, Decin
Seit Anfang des Jahres gibt es eine neue heimatkundliche Regionalzeitschrift in Nordböhmen unter dem Titel "Jizerské a Luúické Hory". Der Inhalt überstreicht ein breites Spektrum von Touristik und Sport über Naturschutz, Geologie und Ökologie. Themen in den zurückliegenden Ausgaben waren u.a. eine Vorstellung des LSG´s Isergebirge und Lausitzer Gebirge, Reportagen zum Misthaus und zum 50 km-Isergebirgslauf, geologische Berichte zu Iser- und Lausitzer Gebirge, ein Bericht zur 1935-38 geschaffenen Befestigungslinie in Nordböhmen und vieles mehr.
Alles in allem eine sehr interessante und empfehlenswerte Zeitschrift. Das größte Problem besteht wohl darin, daß wir die tschechische Sprache nicht oder wenig verstehen, so daß uns vieles verborgen bleibt. Eine deutsche Zusammenfassung hilft zum Glück ein kleines Stück weiter. Insgesamt aber ein Fingerzeig, einmal etwas tschechisch zu lernen.
Für 26 Kã kann man die Monatsschrift an verschiedenen Verkaufsstellen in der Region erwerben. Ein Abo und ein Erwerb zurückliegender Nummern müßte unter folgender Anschrift möglich sein bzw. erfragt werden:
Redakce Jizerské a Luúické Hory, Hrdinê 113/21, Liberec 12, 460 01, Tschechische Republik, Tel./ Fax: 048-512 37 33.
Peter Rölke