Als im Sommer diesen Jahres der erste Teil der "Chronik und Dokumentation zur Geschichte von Wandern und Bergsteigen in der Sächsischen Schweiz" erschien, war das Interesse groß. Nach Monaten intensiver Recherchen kann man nun nähere Einblicke in die Geschichte des Bergsteigens in der Zeit von der Besteigung des Falkensteins 1864 bis zum Ende des 1. Weltkrieges erhalten. Auf den 164 Seiten des Bandes sind eine Vielzahl von Fakten zu finden und ca. 100 Belege, Dokumente und Fotos enthalten. Die Arbeit und die Entwicklung der touristischen Vereine werden ausführlich dokumentiert; über 120 Bergsteiger und Vereinsfunktionäre dieser Zeit sind in Kurzbiographien vorgestellt.
Was den besonderen Wert dieses Bandes ausmacht, ist die Tatsache, daß es sich in der Mehrzahl um in den letzten 70 Jahren nicht veröffentlichtes Material handelt.
Der Autor, Joachim Schindler aus Dresden, wird im nächsten Jahr einen weiteren Teil der Geschichte des Bergsteigens in der Sächsischen Schweiz vorstellen.
Zu erhalten ist der erste Band in der Geschäftsstelle des Sächsischen Bergsteigerbundes, Ehrlichstraße 2, 01067 Dresden (geöffnet Di. 17-19 Uhr, Mi. 11-13 Uhr, Do. 16-18 Uhr) oder direkt beim Autor Joachim Schindler, St. Petersburger Straße 20, 01069 Dresden gegen Einsendung von 8,50 DM + 1,50 DM Porto.
Peter Rölke
Nachdem der Pfarrer und Friedrichforscher Karl-Ludwig Hoch 1987 das Buch "Caspar David Friedrich und die böhmischen Berge" vorgelegt hatte, folgte nun vor wenigen Monaten das neue Buch "Caspar David Friedrich in der Sächsischen Schweiz".
Obwohl die Sächsische Schweiz eher ein "Nebenschau-platz" Friedrichs war (Neidhardt), sind in dem Buch doch 45 Arbeiten Friedrichs vorgestellt, die alle unsere Landschaft zum Gegenstand haben. Besonders interessant ist die Lokalisierung vieler Zeichnungen, die Hoch gelungen ist, wobei ihm Kenner des Elbsandsteingebirges unterstützten wie Dietrich Graf oder Manfred Schober. Dadurch konnte der Autor nachweisen, daß Caspar David Friedrich auf der heute sogenannten Malerstraße unterwegs war.
Von besonderm Interesse sind die Zeichnungen Friedrichs, die er vor Ort mit einer unglaublichen Genauigkeit in seinen Skizzenbüchern sammelte und deren Motive er teilweise später in seinen Gemälden verwendete. Hoch führt einige Beispiele an. So ist z.B. die Felsgruppe auf der der Wanderer überm Nebelmeer steht, als Bleistiftskizze im Buch zu sehen. Der Einblick, den wir damit in Friedrichs Arbeitsweise gewinnen, ist sofern aufschlußreich, daß sie auch etwas über die Natursicht des Malers verrät. Wer sich heute in der Sächsischen Schweiz auf die Spurensuche nach Friedrichs begibt, für den ist das neue Buch ein unbedingtes muß.
Sehr aufschlußreich sind die beiden einführenden Kapitel über die Entdeckung der Landschaft durch Maler und Pastoren (Nicolai, Götzinger). Daß der Autor zeitgenössische Schilderungen, die den gleichen Landschaftsausschnitt wie Friedrichs Bilder zum Inhalt haben, neben die Bilder stellt, macht das Buch zu einer spannungsvollen Lektüre. Der Zusammenhang zwischen Entdeckung der Landschaft, ihrer künstlerischen Verarbeitung und der touristischen Entwicklung dürfte gerade heute interessante Einsichten vermitteln.
Besonderes Augenmerk wird auf Friedrichs Aufenthalte in Krippen gerichtet. Hierher flüchtete der Maler, als der verhaßte Napoleon in Dresden war. Einige Zeichnungen, die nach einer längeren Pause gerade im Krippener Umfeld entstanden, warten noch auf ihre Lokalisierung.
Im Schlußteil des Buches sind Arbeiten über die Sächsische Schweiz von Zeitgenossen Friedrichs zu sehen (Carus, Richter u.a.). Diese Vergleiche sind überaus interessant. Es sind Bilder zu sehen, die sicher den meisten bisher nicht bekannt waren.
Dieses Buch über Caspar David Friedrich vermittelt durch endlich gelungene Lokalisierungen eine Reihe neuer Erkenntnisse, die bisherigen Friedrichforschern verschlossen waren, weil sie die Sächsische Schweiz nicht kannten. Dr. Hoch hingegen muß man bescheinigen, nicht nur Kenner Friedrichs zu sein, sondern in besonderem Maße einer der Sächsischen Schweiz.
Karl-Ludwig Hoch: Caspar David Friedrich in der Sächsischen Schweiz. Verlag der Kunst Dresden 1995, 94 Seiten, 57 Abbildungen, 44,-DM.
Frank Richter