Das 15. Treffen des Bundesausschusses Klettern und Naturschutz fand vom 12. - 13.10.96 im Haus der Sektion Frankfurt am Stadtrand der Mainmetropole statt. Der etwas ungewöhnliche Tagungsort fernab der Berge war durch den zeitgleichen Kongreß des Deutschen Naturschutzrings in Wiesbaden, an dem auch einige Ausschußmitglieder teilnahmen, bedingt.
Der Samstag diente zunächst dem Kennenlernen der Klettersituation in Hessen. Bei einer Exkursion in die bekanntesten Klettergebiete des Odenwaldes konnten wir uns ein Bild vor Ort machen und Bekanntschaft mit den Felsen schließen. Angesichts des geringen Felspotentials wurde deutlich, wie wichtig die Erhaltung jeder einzelnen Klettermöglichkeit ist. Im Allgemeinen kann die Situation in Hessen als positiv eingeschätzt werden, wozu vielfältige Aktivitäten auf politischer Ebene beigetragen haben.
Der eigentliche Tagungsbeginn war dann am Samstagabend, wo zunächst über die vielfältigen Aktivitäten des Projektes Bergsport und Umwelt des DAV berichtet wurde. Das hohe Qualitätsniveau der Arbeit in diesem Projekt, das sich vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit zeigt, muß unbedingt erhalten und vom DAV auch entsprechend finanziell abgesichert werden. Diverse Veranstaltungen, wie z. B. das Symposium des Kuratoriums Sport und Umwelt in Stuttgart machten deutlich, daß der DAV inhaltlich und konzeptionell sehr viel auf dem Sektor Klettern und Naturschutz tut, was auch weitestgehend Anerkennung findet.
Die Berichte auf der Tagung zeigten wiederum, daß in Regionen, in denen eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen den Kletterern und den Behörden und Naturschutzverbänden besteht, die Probleme noch am geringsten sind. Als positives Beispiel sei hier die Frankenjura genannt. Wie wichtig der persönliche Kontakt ist, zeigt sich z. B. im Südlichen Ith, wo nach einem Personalwechsel auf behördlicher Seite plötzlich die bisher guten Ergebnisse in Frage gestellt sind und neue Verhandlungen notwendig werden.
Der Schwerpunkt der weiteren Arbeit liegt in der schnellstmöglichen Erstellung der Bundeskletterkonzeption und in der Fertigstellung des Felskatasters. Diese Unterlagen sind besonders bei Verhandlungen mit Behörden wichtig und sollten vor allem in Konfliktsituationen vorliegen. In vielen Klettergebieten ist die Felserhebung bereits abgeschlossen, wobei die riesige Arbeit meist nicht ehrenamtlich bewältigt werden kann. Hierbei hat sich der Einsatz von Praktikanten, der auch vom DAV gefördert werden kann, bewährt. In Sachsen haben wir bei diesem Thema noch Nachholebedarf. Der Schwerpunkt der Felserhebung sollte jetzt vor allem in den Gebieten außerhalb der Sächsischen Schweiz, die durch das Sächsische Naturschutzgesetz weniger geschützt sind, liegen.
Den Abschluß des Treffens bildete ein Bericht vom Kongreß des Deutschen Naturschutzrings in Wiesbaden. Nachdem es im Vorfeld dieser Veranstaltung einige Probleme gab und auch der Beginn der Tagung vom Konflikt zwischen Naturschutz und Naturnutzung geprägt war, kam die Diskussion dann doch auf eine konstruktivere Basis. Vor allem konnte durch die Vertreter der Kletterer deutlich gemacht werden, daß Naturschutzmaßnahmen nur von Erfolg sind, wenn sie auch auf Akzeptanz bei den Menschen stoßen. Dazu gehört auch, daß genügend Möglichkeiten für Freizeit und Erholung in der Natur bestehen müssen.
Hans Hilpmann
Sächsischer Bergsteigerbund