Jährlich werden in der Sächsischen Schweiz ca. 400-500 neue Wege an den Gipfeln erschlossen. Zum Treffen des Arbeitskreises "Klettern und Naturschutz Sächsische Schweiz" wurde von Dr. Stein angeregt, daß sich Neuerschließer in Zweifelsfällen (Sockelwände, z.B. "Heringshorn"; Wände an Gipfeln, die ohne klare Begrenzung in Massivwände übergehen; z.B. "Domerker") vorher mit der Nationalparkverwaltung/ Referat Besucherbetreuung (F. Richter) in Verbindung setzen sollten. Derzeit erfolgen nur Sperrungen und Aberkennungen im Nachhinein. Die Bergsportverbände begrüßen dies. Eine solche Regelung sollte in den Vereinsmitteilungen veröffentlicht werden.
Derzeit wird generell eine Verlagerung des Boofens und der damit verbundenen Probleme aus dem Nationalparkgebiet in das LSG festgestellt. Auch das Klettern wird zunehmend dort betrieben, wo man mit dem Auto nah heranfahren kann. Speziell im Bielatal gibt es große Probleme mit dem Boofen, auch die Gemeinde Bielatal-Rosenthal hat sich schon an Nationalparkverwaltung gewandt. Dr. Stein schlägt ein Treffen vor Ort im Bielatal vor, auch mit Beteiligung von Forst und Gemeinde.
Trotz eines von Bergfreund Gisbert Ludewig vom SBB aufgezeigten Widerspruchs zwischen Nationalparkverordnung und sächsischen Kletterregeln wurde zum Treffen des Arbeitskreises "Klettern und Naturschutz Sächsische Schweiz" festgestellt, daß die Nationalparkverwaltung in der Praxis keine Probleme sieht, wenn z.B. Jahreserste sowie das Klettern in Rissen oder Kaminen durchgeführt werden, selbst wenn z.B. der Gipfelausstieg noch feucht ist.
Andreas Knaak, Leiter der Abteilung Besucherbetreuung bei der Nationalparkverwaltung, weist darauf hin, daß viele Bergsteiger bei oder nach Regen beim Klettern festgestellt wurden und es zunehmende Probleme gibt. Auch der SBB hat schwere Übertretungen z.B. oft an der Nonne festgestellt. Eine verstärkte Kontrolle und auch Beispiele von verhängten Ordnungsstrafen gegen Extrembeispiele wurden als notwendig erachtet. Eine Publikation in Vereinsmitteilungen sollte dann erfolgen. Reinhard Wobst (SBB) verwies auf die Erfolge in der Vergangenheit bezüglich der tschechischen Bergsteiger, die vor Einführung von Kontrollen oft bei nassem Fels geklettert hatten.
An einem Tag im Juli stand ich im Naturschutzauftrag auf einem Felsriff im Nationalpark Sächsische Schweiz. Ein Mann, ein Bursche und ein Mädchen kämpften sich durch den Adlerfarn, Bergsteiger - einen Einstieg zum Gipfel suchend. Ich sprach sie an, ob sie wüßten, daß hier in der Kernzone des Nationalparks die ausgewiesenen Pfade benutzt werden müßten. Sie ließen sich nicht beirren. Der Bursche fuchtelte mit dem Kletterführer, in dem der Einstieg eingezeichnet wäre. Anders als über das Riff käme man nicht ran. Der Mann stand schon am Gipfel und rief: "Der Naturschutz ist aus dem Bergsteigen hervorgegangen!" Und er, ergraut in den Bergen, habe vor niemandem Schiß. Ungefragt rief er mir seinen Namen und ein Stenogramm seines Lebens zu. Etwa so: "Hans Meier (Name geändert), Mitglied der DDR-Nationalmannschaft, Pik Lenin, Pik Kommunismus, zahllose Erstbegehungen, persönlicher Freund von Hasse..."
Über soviel königliches Selbstbewußtsein war ich baß erstaunt, als hätte der Auerhahn gekollert. Dem Burschen schwoll nun auch die Brust: "Wir räumen die ganze Sächsische Schweiz auf, säckeweise, und da will man uns das Klettern verbieten." "Will ich gerade nicht, aber Sie erweisen Ihrer Gilde einen schlechten Dienst. Es gibt ja Leute, die wollen am liebsten alles sperren, und durch Ihr Verhalten bekommen die Oberwasser."
Aber im Gestikulieren und Agitieren hörte er das gar nicht. So blieb mir nichts übrig, als mich in die Büsche wegzudrücken. Wenn Zwei verschiedene Sprachen sprechen, muß der Schwächere weichen. So geht's auch dem seltenen Getier des Waldes, seine Sprache verstehen nur wenige, es verschwindet, wenn einzelne Sieger allzu stolz den Gipfel stürmen.
Dr. Albrecht Sturm, NABU Pirna-Sebnitz