I. Was ist Sanfter Tourismus - Utopie oder umweltpolitische Notwendigkeit - Was sind die Entwicklungshemmnisse?
II. Nachhaltige Entwicklung, Sanfter Tourismus, Ökologie vor Ökonomie - wie soll das erreicht werden?
III. Wie ist die gegenwärtige Situation - hat Sanfter Tourismus in der Region noch eine Chance?
IV. Was ist zu tun?
Sanfter Tourismus zielt per definitionem auf Minimierung der Nachteile ökologischer, ökonomischer und kultureller Art, die die bisherige Tourismusentwicklung mit sich gebracht hat, auf maximalen Erholungswert, auf Verkehrsvermeidung und -entlastung, insbesondere Reduzierung des individuellen Kfz-Verkehrs, auf Ressourcenverbrauchs-Reduzierung (Energie, Wasser, Müll), auf optimalen (nicht maximalen) Profit für alle am Fremdenverkehr Beteiligten, auf Förderung der regionalen und örtlichen Wirtschaft und Strukturen, auf mehr und stabilere Arbeitsplätze und schließlich auch auf Umweltgerechtes Verhalten der Gäste. Solcher Tourismus ist umweltverträglich, d. h. natur-, landschafts- und kulturerhaltend, er ist ökonomieverträglich, und er ist sozialverantwortlich. Eine Utopie?
Fünf Fall-Beispiele sollen zeigen, wo und wie die wesentliche Gesichtspunkte des Sanften Tourismus Realität geworden sind:
* In Braunwald im Glarner Land/Ostschweiz sieht man nur Versorgungsfahrzeuge mit Elektroantrieb, ansonsten ist der Ferienort autofrei. Die 500 Einwohner leben von Tourismus und Landwirtschaft.
* In der Gemeinde Montricher-Albanne in Savoyen/Französische Alpen sorgt ein Vertrag zwischen den Tourismuspromotoren und der Gemeinde für eine harmonisierte Tourismusentwicklung des Ferienprojektes Les Karellis. Die Gemeinde hat mit dem Vertrag die Respektierung des Landschaftsschutzes ebenso sichergestellt wie den Verbleib der Erträge aus der touristischen Nutzung in der Region.
* Ein vorbildlich-ganzheitliches 'Umweltprojekt Schwarzwald' und ein entsprechendes Projektmanagement dienen im Modellgebiet Natur- und Erholungsraum Hochschwarzwald dem Ziel 'Mehr Lebensqualität im Urlaub und verbesserter Natur- und Umweltschutz im Urlaubsgebiet'. Projektbeteiligte sind u. a. die Verwaltungen der Kommunen und Landkreise, Bezirksstellen für Natur- und Landschaftspflege, Regionalverbände, Fortsämter, Natur- und Umweltschutzorganisationen und Bürgerinitiativen. In die Realisierung wurden die Urlaubsgäste und Tagesbesucher mit einbezogen.
* Im Villgratental/Osttirol ist der Verkauf von Grundbesitz an Ausländer oder Österreicher aus anderen Gemeinden verboten.
* In Schleswig-Holstein und im Saarland gibt es Ansätze für Sanften Tourismus auf Länderebene nach dem Prinzip Ökonomie durch Ökologie, ebenfalls durch Zusammenarbeit von Behörden, Natur-, Umweltschutz, und Fremdenverkehrsverbänden.
Als Begriff "Sanfter Tourismus" 1977 erstmals verwendet, wurde diese andere Art von Tourismus weltweit ins Gespräch gebracht, nachdem der Zukunftsforscher und Publizist Robert Jungk seinen berühmten Aufsatz 'Wieviel Touristen pro Hektar Strand?' (mit der Kontrastliste 'Hartes Reisen - Sanftes Reisen') 1980 veröffentlicht hatte. Erster Anlaß für die internationale kritische Diskussion waren die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Folgeschäden einer ungehemmten Tourismusentwicklung, die ökologischen Probleme kamen bald hinzu. Sie zeigen sich in
* Natur- und Landschaftsverbrauch, Veränderung der Landschaftscharakteristik, Zerstörung und Beeinträchtigung von Lebensräumen für Pflanzen, Tiere und Menschen durch Siedlungs- und Verkehrsbauten im allgemeinen und durch falsche Standortwahl im besonderen und durch Nutzungsintensivierung/ Übernutzungen;
* Wertminderung und Entwertung von Naturräumen, Landschaften und Erholungsgebieten durch stoffliche, psychische und physische Belastungsfaktoren (Emissionen, Verkehr, Architektur) sowie durch naturunverträgliche und landschaftsunangemessene Nutzungsarten.
Heute liegt eine fast unübersehbare Fülle von Analysen, Studien und Handlungsmodellen zum Sanften Tourismus vor. Extrakte daraus finden sich u. a. in den 11 Thesen von Jost Krippendorf (1984), dem Bierenwanger Aufruf "Für eine sanften Tourismus" (1985), den CIPRA-Forderungen für einen sozial- und umweltverträglichen Alpentourismus (1984 und 1993), den Toblacher Thesen (1985 und 1995) und in den ADAC-Schriften (1987 - 1991). Und seit 1988 gibt es mit ECOTRANS einen europäischen Informationsdienst zur Förderung einer umweltgerechten und dauerhaften Tourismusentwicklung.
Bleibt zu fragen, warum bei soviel Wissen und Einsicht Harter Tourismus immer noch dominiert. Das liegt einfach daran, daß sich der weltgrößte Wirtschaftszweig (3,5 Billionen DM Umsatz, 130 Mio. Beschäftigte) - angetreten, die Natur zum Konsum aufzubereiten - an die Prinzipien und Methoden der Großindustrie hält: maximale Gewinnsucht, kurzfristiges Wachstumsdenken, Unfähigkeit, die Komplexität des eigenen Tuns vernünftig zu bewältigen und demagogische Raffinesse, sich mit Lippenbekenntnissen und Scheinlösungen selbst an die Spitze der Kritik zu stellen. Dabei trifft die Tourismusindustrie nicht nur auf Bedürfnisse, die aus der Unzulänglichkeit unserer Arbeits- und Alltagswelt resultieren, sondern sie forciert diese Bedürfnisse. Der moderne Tourismus ist von der westlichen Industriekultur und Konsumgesellschaft ausgegangen und wie sie fragwürdig geworden. Sanfter Tourismus hat inzwischen den Rang einer umweltpolitischen Notwendigkeit.
Wo ist der Ausweg aus dem Dilemma? Spätestens seit dem Brundtlandbericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987 und der UNO-Weltkonferenz von Rio 1992 wissen wir, daß es eine internationale und eine bundes-, eine landes- und kommunalpolitische, aber auch eine persönliche Aufgabe und moralische Pflicht ist, jegliche Entwicklung zukunftsfähig/nachhaltig zu gestalten bzw. eine entsprechende Politik einzufordern. Dazu sind in zwei Studien 'Ein zukunftsfähiges Deutschland' und 'Ein zukunftsfähiges Europa' (1995) Grundsätze und Leitlinien angegeben und die erforderlichen Ziele quantifiziert. Daraus der fundamentale Satz: "Die auf Grund ökologischer Überlegungen gefundenen Grenzen dürfen jedoch nicht als verhandelbare Wünsche mißverstanden werden, die gegenüber den anderen zentralen Aspekten (ökonomische, soziale und institutionelle Zukunftsfähigkeit) zum Kompromiß geführt werden sollten, sondern als Rahmensetzungen, innerhalb derer eine notwendige sozial- und ökonomieverträgliche Gestaltung stattfinden muß". Und ein für uns wichtiges Reduktionsziel: Der Verbrauch von Siedlungs- und Verkehrflächen ist bis 2010 zu stabilisieren und die jährliche Neubelegung auf -100 %, also auf Null abzusenken. Wie soll das erreicht werden?
Erforderlich sind dazu grundlegende Veränderungen im bisherigen Wirtschaftswachstumsdenken, in den gesellschaftspolitischen Prioritäten und im Ökologie-Ökonomie-Verständnis. Wir müssen einsehen, daß Ökologie und Ökonomie ohne Schaden - der früher oder später aber immer auftritt - nicht zu trennen sind. Wirtschaftliches Wachstum ist deshalb nur noch dann zu rechtfertigen, wenn gleichzeitig die Gesamtbelastungen nicht nur relativ sondern auch absolut abnehmen. Zugleich muß im Mittelpunkt des Prozesses der Nachhaltigen Entwicklung die sozialverträgliche Veränderung der Mensch-Umwelt-Beziehung und damit der Mensch stehen. Und es ist eine Verantwortungsethik zu verinnerlichen, die nach den voraussehbaren Folgen unseres Handelns und Unterlassens fragt.
Für den Tourismus, der wegen seiner gesellschaftlichen Verwobenheit - man denke nur an den Problembereich Verkehr - einen wesentlichen Beitrag für eine zukunftsfähige Entwicklung leisten muß und kann, ergeben sich daraus die nebenstehenden Grundsätze.
In der Sächsischen Schweiz deutet vieles darauf hin, daß Sanftem Tourismus und einer zukunftsfähigen Entwicklung keine Chance gegeben, daß sie in Wirklichkeit gar nicht gewollt werden. Die Situation ist jedenfalls in mehrfacher Hinsicht höchst bedenklich.
Bedeutete schon die Nationalparkerklärung für zwei kleinere Teile eine problematische Gebietszertrennung (wegen der naturräumlichen und funktionalen Gleichbedeutung aller Teilregionen für die Ganzheit Sächsische Schweiz und wegen der nun eintretenden Folgen dieser nicht gerechtfertigten Minderbewertung von 3/4 des Schutzgebietes), brachte das Sächsische Naturschutzgesetz einen gravierenden Rückschritt: widersinnigerweise ist Landschaftsschutz de jure flächendeckend nicht mehr möglich. Weitere Ausgliederungen von Landschaftsteilen aus dem LSG und die bisher gebauten, geplanten oder beabsichtigten Großprojekte in Leupoldishain, Lohmen, Struppen-Siedlung, Ostrau, Rathen und Bielatal zeigen also an: Wir sind in einer WENDE in der über 100-jährigen Geschichte des Schutzes der Sächsischen Schweiz. Ihr Leitbild wird systematisch zerstört. Die Spezifik, die Werte und die Potenzen der Nationalparkregion LSG Sächsische Schweiz werden mißachtet, die Chancen für einen Sanften Tourismus und für eine Nachhaltige Entwicklung zunichte gemacht.
In solch einer Situation wiegt es schwer, wenn die Amtsleiterin Tourismus beim Landkreis Sächsische Schweiz - siehe SSI Heft 6 (1993) - Sanften Tourismus als Allgemeinplatz und Schlagwort bezeichnet, "dessen konkreter Inhalt bisher von niemanden präzise beschrieben werden konnte." Blickt man in die Veröffentlichungen des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz ist auch wenig Hoffnung:
Das 'Tourismusleitbild Sächsische Schweiz' ist unverbindlich und ungenau in den Formulierungen, enthält Bekenntnisse statt Leitlinien und läßt die wesentlichen Gesichtspunkte für Sanften Tourismus und eine nachhaltige Entwicklung außer acht. Hier ist kein Platz zu einer eingehenden kritischen Erörterung. Deshalb sei nur auf eine folgenreiche Anmaßung hingewiesen: Entgegen dem genannten, für die Sächsische Schweiz besonders wichtigen 2. Grundsatz für Sanften Tourismus werden gemäß 'Leitbild' der Tourismus als Keimzelle der Regionalentwicklung und tragender Wirtschaftsfaktor angesehen, Tourismusmanagement zum Regionalmanagement gemacht und konsequenterweise auch für die Sächsische Schweiz großflächige Freizeitanlagen wie Feriendörfer und Golfplätze in Erwägung gezogen.
In der Informationsbroschüre 'Auf dem Gipfel der Natur' wird u. a. vermieden, auf den Schutzgebietscharakter des Gebietes einzugehen, zum Aufsuchen idyllischer Flecken weitab touristischer Wege ermuntert und Unwahres behauptet. Ist zum Beispiel der Tourist angesichts herumliegender Damenbinden und Toilettenpapiere, leerdosengefüllter Felsspalten, lärmender Ausflügler und Kfz-Verkehr selbst auf Bergwanderwegen, angesichts Allerwelts-Souvenirkitsch am Kiosk, kulturlos-ruinöser Bahnhöfe, fehlender Fahrplaninformationen abseits der Stationen und eines unfreundlichen Fährmannes - alles Dinge, die der Wanderer an einem einzigen Tag erleben kann - in der Sächsischen Schweiz tatsächlich "im Paradies zu Hause"? Klar, daß über solche verbalen 'Potjemkinschen Dörfer' nicht nur die Besucher des Gebietes staunen. Die Selbsttäuschung hindert auch den Tourismusverband an problemlösenden Aktivitäten.
Kommt hinzu, daß der Vorsitzende des Tourismusverbandes die Durchsetzung unangemessener Großprojekte durch politische Einflußnahme persönlich unterstützt. Und daß der Tourismusverband zu den gigantischen Vorhaben in Rathen, so auch zu dem brutalen Vorgehen im Zusammenhang mit dem 120-Bettenhotel ebenso schweigt wie zu dem 4 Millionen-Fördermittelversprechen an einen auswärtigen branchenfremden "Existenzgründer", der im Bielatal ein 80-Bettenhotel (18 Arbeitsplätze) bauen will, wobei mit dem Geld ca. 20 einheimischen Existenzgründern mit 30 - 40 Arbeitsplätzen geholfen werden könnte.
So drängt sich der Eindruck auf, daß die schönen Bekenntnisse im 'Tourismusleitbild Sächsische Schweiz' weithin nur Lippenbekenntnisse sind. Und mit Recht fragt Hotelier Thomas Rieß aus Wehlen bei seinem Austritt aus dem Tourismusverband: "War das Leitbild nur ein Publicitygag, um Herrn Brähmig öffentlichkeitswirksam darzustellen?"
Wir sind also in einer kritischen Situation, in der grundsätzliche Interessen und Vorstellungen divergieren, in der sowohl ein gemeinsames Zielbewußtseins im Hinblick auf eine gute Gesamtentwicklung der Region als auch ein entsprechendes Kommunikationsforum fehlen und in der Tourismuspromotoren mit Unwissenheit und veralteten Entwicklungsvorstellungen am Werke sind. Die Sächsische Schweiz ist dem Wirken von Zufall, spekulativer Dynamik und fehlgeleitetem Politikereinfluß ausgesetzt.
Was ist in dieser Situation zu tun? Wir wissen, daß Sanfter Tourismus eine Notwendigkeit ist und daß wir uns in allem um eine nachhaltige Entwicklung zu bemühen haben. Es ist also eine WENDE einzuleiten. Dazu hat der Bund Sächsische Schweiz im Bewußtsein der Chancen, Potenzen und Gefährdungen der Region und in Auswertung der internationalen und nationalen kritischen Tourismusdiskussion 'Leitlinien für einen Sanften Tourismus in der Sächsischen Schweiz' aufgestellt, und zwar im einzelnen zu den Bereichen: Natur und Landschaft; Regionale Wirtschaftsstruktur; Soziale Aspekte; Kulturhistorisches Erbe, Ortsgestaltung; Beherbergung, Ver- und Entsorgung; Verkehr; Tourist und Werbung.
Die 'Leitlinien' wurden zusammen mit einem '9-Punkte-Programm zur Vermeidung weiterer Fehlentscheidungen und für eine zukunftsfähige Entwicklung der Sächsischen Schweiz' am diesjährigen Welt-Umwelttag in Rathen der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Programm ist in diesem SSI-Heft enthalten, das Informationsblatt 'Sanfter Tourismus und harmonische Gesamtentwicklung für die Sächsische Schweiz' beim Bund Sächsische Schweiz erhältlich (01796 Pirna, Hohe Str. 63).
Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang auch an das für die Schutzgemeinschaft Sächsischen Schweiz erarbeitete Grundkonzept 'Eine nachhaltig gute Zukunft für die Nationalparkregion/LSG Sächsische Schweiz - 20 Grundsätze für eine Gesamtkonzeption'. Ein Teil davon wurde schon 1989/1990 am Runden Tisch in Pirna eingebracht (und begrüßt). 1991 sind allen in Frage kommenden Gremien die 'Grundsätze' übergeben worden. Die von uns formulierten Grundsätze und Leitlinien und unsere sonstigen Vorschläge zielen alle auf eine nachhaltige wirtschaftliche Vitalität der Region, auf die unverminderte Bewahrung von Natur und Landschaft der Sächsischen Schweiz und auf mehr und stabilere Arbeitsplätze.
Es sei auch daran erinnert, daß die 'Grundsätze' seinerzeit als ein Gegengewicht gedacht waren, da in der Alt-BRD ansässige Planungsbüros mit großer Ahnungslosigkeit und Unverfrorenheit Konzepte für die Region erstellten. An Dr. Fried und Partner aus München und andere wurden aus Steuergeldern viele hunderttausend Mark gezahlt. Die Ergebnispapiere waren, selbst in den Augen von Bürgermeistern, "unbrauchbar", in manchem schädlich.
Außerordentlich begrüßenswert war das 1992 verabschiedete 'Aktionsprogramm Ländlicher Raum Sächsische Schweiz' des Sächsischen Staatsministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten. Das 'Aktionsprogramm zur Wahrung der einzigartigen Nationalparkregion mit den angrenzenden Gebieten' hatte einen ganzheitlichen Ansatz und führte bis zu konkreten Hilfen. Leider wurden ganz wesentliche Gesichtspunkte des Programms nicht realisiert.
Wird die WENDE gelingen? Wahrscheinlich nur, wenn zur Beseitigung der Divergenzen ein Kommunikationsforum, wie in dem 9-Punkte-Programm vorgeschlagen, eingerichtet wird. Und wenn es gelingt, mit einem Verantwortungsdenken für Umwelt und Recht, mit einem dem Wesen und der Geschichte der Sächsischen Schweiz verbundenen Heimatbewußtsein und mit den Wissen um die Möglichkeiten des Sanften Tourismus die Politiker auf das richtige Gleis zu schieben. Tourismusfachleute und auswärtige Gäste bestätigen uns immer wieder, daß wir das beste, was wir haben, kaputt machen, wenn wir unsere Landschaft weiter beeinträchtigen.
Peter Hildebrand
BUND SÄCHSISCHE SCHWEIZ
1. Die oberste Leitgröße aller Maßnahmen ist die konsequente Bewahrung von Natur, Landschaft und Ortsbildern. Auf allen Ebenen sind die Landschaftserhaltungs- vor die Landschaftsverwertungsinteressen zu stellen. Die ökologischen Grenzen sind der Rahmen, innerhalb dessen eine ökonomie- und sozialverträgliche Entwicklung zu gestalten ist.
2. Die Entwicklung einer Region ist nie allein oder hauptsächlich vom Blickwinkel des Tourismus zu sehen. Vielmehr ist eine breitgefächerte Wirtschaftsstruktur und die gegenseitige Stimulierung der Erwerbszweige anzustreben. Zum Schutz der Landschaften gehört auch der Schutz der Lebensweise, aus der sie hervorgegangen sind, gehört die Sicherung des Fortbestandes der Kulturen, die unsere Landschaften geschaffen haben.
3. Zur Selbstbestimmung und Unabhängigkeit ist die Kontrolle über Grund und Boden in einheimischen Händen zu behalten. Bei Investitionen ist auswärtiges Kapital zu vermeiden, anderenfalls ist es an der allgemeinen Infrastruktur und den Gemeinschaftseinrichtungen zu beteiligen. Die einheimische Teilhabe an gewinnversprechenden Investitionen ist ebenso zu sichern wie der Ertragsabfluß aus der Region zu verhindern.
4. Generelle Reduzierung der Entwicklungsgeschwindigkeit und -intensität. Entwicklung in kleinen Schritten und Einheiten. Die Auslastung bestehender Kapazitäten ist vor Kapazitätsausbau zu setzen.
5. Reisen ist sowohl von seiten der Tourismusindustrie (qualitative Profilierung statt quantitatives Wachstum) als auch durch den Touristen selbst (im Sinne der von Robert Jungk für Sanftes Reisen genannten Kriterien) nach den Erfordernissen nachhaltiger Entwicklung umfassend zu kultivieren.
6. Der neue Tourismus ist nur als Komplex, d. h. in Zusammenarbeit mit den anderen Wirtschafts- und Lebensbereichen und mit allen in Frage kommenden Gremien zu realisieren.
7. Planungen, Standortentscheidungen und Baugenehmigungen sind einer starken staatlichen Kontrolle sowie Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen zu unterziehen.