Die Elblachen "Hilles Löcher" (Königstein) und "Strand" (Weißig)
Der Elbstrom erfuhr im Verlauf des 19. Jahrhunderts mehrfach Regulierungsmaßnahmen und verlor damit einen Großteil seiner natürlichen Strukturen.Trotz dieser Beeinträchtigung stellt heute das Elbtal innerhalb der Sächsischen Schweiz, ungeachtet der Wasserverschmutzung des Flusses, einen naturnahen und artenreichen Lebensraum dar. Zum einen existieren hier in großer Mannigfaltigkeit Saumbiotope und Verlandungsbereiche verschiedenster Art (z.B. Spülsäume, Ufersäume, Ufer-Weidengebüsche, Elblachen mit Schlammfluren), zum anderen finden wir hier hervorragend ausgeprägte Stromtal-Wiesengesellschaften sowie einige kleinere Auwaldreste.
Pflanzengeographisch stellt das Elbtal für thermophile Arten ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Böhmischen Mittelgebirge und dem Elbhügelland dar. Bedingt durch die Regulierungsmaßnahmen und der damit verbundenen Schaffung von fortlaufenden Parallelwerken (Elbdämme) wurde die Elbbreite begrenzt und größere Stromräume, unsere sogenannten Elblachen, vom Fluß abgeschnitten (HARDTKE 1990). Diese Elblachen geben auf der einen Seite Zeugnis von der Elberegulierung des 19. Jahrhunderts und stellen andererseits als Rückzugsgebiete von Flora und Fauna der Elbe wertvolle Biotope oder Schutzgebiete dar, die aus naturschutzfachlicher Sicht von hoher Bedeutung sind.
Das
Flächennaturdenkmal (FND) "Hilles Löcher", welches
früher fälschlicherweise als Biberlöcher (befinden sich
gegenüber auf der rechten Elbseite) bezeichnet wurde, stellt einen
Rest des alten Flußlaufes der Elbe dar und befindet sich als langgestreckte
Vertiefung links des Flusses zwischen Höhe der Einfahrt Prossener
Hafen und dem Ortsende von Königstein. Im Süden wird das FND
durch die Bahnstrecke begrenzt, im Norden bilden das Flußufer mit
Uferdamm sowie im östlichen Teil eine hier eingeschobene Wiese die
Grenze. Das FND wurde 1988 unter Schutz gestellt und besitzt eine Fläche
von 4,5 ha sowie eine Länge von etwa 800 m.
Bei normalem Hochwasser fließt durch einen Tunnel im Uferdamm und einen Flutungsgraben Wasser in die Lache. Nur bei starkem Hochwasser strömt das Wasser direkt über den Elbdamm in die Lache. Im wesentlichen jedoch wird der Wasserstand in der Lache durch den wechselnden Elbepegel beeinflußt (Diffusion). Die Lache selbst besteht neben den fragmentarisch ausgebildeten Resten der Weich- und Hartholzaue aus drei teichartigen Wasserlachen, welche natürlicherweise bei längerem Niedrigwasser der Elbe trockenfallen. Dieses "Fluten" und "Austrocknen" stellt das wichtigste Funktionselement der Lache dar.
Die
Vielzahl ganz unterschiedlicher Biotopstrukturen wie Schlammfluren, Röhrichte,
Schleiergesellschaften, Stromtalwiesen und die oben genannten Auwaldreste
besitzen die Funktion als Rückzugs- bzw. Regenerationsgebiet von Flora
und Fauna der Elbe. So wurden hier bisher etwa 100 Pflanzenarten festgestellt,
wovon sich 15 auf der Roten Liste von Sachsen befinden. Beispielhaft sollen
hier nur folgende Arten genannt werden: Schlammling (Limosella aquatica),
Sumpfquendel (Peplis portula), Wilder Reis (Leersia oryzoides), Gemeines
Bitterkraut (Picris hieracioides), Braunes Zypergras (Cyperus fuscus),
Niedriges Fingerkraut (Potentilla supina), Wasser-Ehrenpreis (Veronica
anagallis-aquatica), Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia), Ei-Sumpfsimse
(Eleocharis ovata), Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus) und Hirschsprung
(Corrigiola litoralis).
Für die Weich- und Hartholzaue sind das Vorkommen von Gelben Windröschen (Anemone ranunculoides), Hohlem Lerchensporn (Corydalis cava) sowie von Flatterulme (Ulmus laevis) und die in der Sächsischen Schweiz äußerst seltenen Feldulme (Ulmus minor) bemerkenswert. Die zwischen Elbdamm und Lache liegende Glatthaferwiese besitzt eine noch hervorragende Ausprägung sowie botanische Artenstruktur und stellt mit dem häufigen Vorkommen der Kleinen Wiesenraute (Thalictrum minus) für den Naturschutz einen besonderen Wert dar. Ebenso bedeutsam ist das FND für die Herpetofauna. Neben der hier nicht seltenen Ringelnatter (Natrix natrix) und dem Wasserfrosch (Rana esculenta) besitzt der Seefrosch (Rana ridibunda) sein einziges bekanntes Vorkommen in der Sächsischen Schweiz. Folgende Arten der Kleinsäugerfauna wurden bisher im Gebiet nachgewiesen: Waldspitzmaus (Sorex araneus), Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), Rötelmaus (Clethrionomys glareolus) und Schermaus (Arvicola terrestris).
Infolge von Elbschlammverspülungen wurden die zwei wesentlichsten Lachenbereiche in den achtziger Jahren in ihrer ökologischen Funktion zerstört. Ebenso engen die Hybridpappelpflanzungen (Populus x canadensis) das natürliche Areal des Auwaldes stark ein und entstellen auch optisch das Schutzgebiet. Aus diesen Gründen wurde 1996 durch die Nationalparkverwaltung und die Arbeitsförderungsgesellschaft Wismut Sachsen mbH eine umfassende Renaturierungsmaßnahme des Flächennaturdenkmals durchgeführt. Diese hat die teilweise Wiederherstellung der verspülten Lachenbereiche sowie die Beseitigung der störenden Pappelpflanzungen zum Ziel.
Ebenfalls 1988 wurde eine zweite, etwas kleinere Elblache in Strand als Flächennaturdenkmal unter Schutz gestellt. Sie besitzt eine Fläche von etwa eine 1,2 ha bei einer Länge von ca. 330 m. Die Elblache Strand besitzt eine ähnliche Artenausstattung wie "Hilles Löcher", ist aber in ihren Biotopstrukturen ärmer. Neben den schon oben erwähnten Arten finden wir hier zusätzlich Steife Winterkresse (Barbarea stricta), Schwanenblume (Butomus umbellatus) und Breitblättrigen Merk (Sium latifolium).
Die Elblache wird leider durch anthropogene Belastungen beeinträchtigt, besonders sind hier Müll- und Schuttablagerungen zu erwähnen. 1995 konnte eine weitreichende Sanierung des Flächennaturdenkmals von den bereits oben genannten Einrichtungen durchgeführt werden. So wurden hier beispielsweise 220 Säcke Müll und Schwemmgut per Handkahn aus der Lache gesammelt. Auch der Ablauf der Lache durch den Elbdamm wurde wieder freigelegt und die Ausbreitung des hier standortfremden Japan-Staudenknöterich (Reynoutria japonica) durch den Einsatz von Folien eingedämmt.
Beide Flächennaturdenkmale besitzen aufgrund ihrer hohen Naturschutzwertigkeit überregionale Bedeutung.
Holm Riebe,
Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz
Literatur:
Hardtke, H.-J. (1990): Die Entstehung und landeskulturelle Bedeutung der Elblachen im Raum Dresden - Sächsische Heimatblätter Heft 1 1990: S.31-33